Die Mutter (41) und der Stiefvater (56) der 5 und 3 Jahre alten Brüder, die nahe der Kleinstadt Alcácer do Sal an einer Straße ausgesetzt worden waren, wurden am Freitagnachmittag einem Haftrichter in der Stadt Setúbal vorgeführt. Gegen 16 Uhr trafen sie in einem Fahrzeug der Nationalgarde ein. Wie der portugiesische Nachrichtensender SIC Notícias berichtet, folgten irritierende Szenen: Beim Betreten des Gerichtsgebäudes rief der Mann wiederholt „Je vous aime“ (dt.: „Ich liebe euch.“), während ihm die Frau singend folgte.
Sie waren am Donnerstag im bekannten Wallfahrtsort Fátima, rund 200 Kilometer vom Fundort der Kinder entfernt, festgenommen worden. Laut portugiesischen Behörden steht das Paar im Verdacht, häusliche Gewalt sowie Gefährdung und Vernachlässigung Minderjähriger begangen zu haben.
„Spiel“ mit verbundenen Augen
Die Buben waren von einem Passanten gefunden und bis zum Eintreffen der Behörden betreut worden. Nach deren Angaben waren die Kinder mit verbundenen Augen in einem Wald zurückgelassen worden. Die Mutter und der Stiefvater sollen ihnen zuvor gesagt haben, es handle sich um ein Spiel. Beide Kinder hatten einen Rucksack mit Wechselkleidung, Obst und Wasser bei sich.
Inzwischen soll sich der leibliche Vater auf dem Weg von Frankreich nach Portugal befinden. Dort soll behördlich festgestellt werden, ob er die Kinder bei sich aufnehmen kann. Derzeit befinden sich die Buben bei einer Pflegefamilie, gesundheitlich geht es ihnen den Umständen entsprechend gut.
Französischen Medien zufolge besteht die Beziehung zwischen der Mutter und dem Stiefvater der ausgesetzten Buben erst seit Kurzem. Der Mann sei den Behörden in Colmar (Elsass) bekannt, wegen häuslicher Gewalt vorbestraft und habe eine Vorgeschichte psychischer Probleme.