In der österreichischen Wirtschaft wird zwar vielerorts fieberhaft nach Fachkräften gesucht, eine entsprechende Lehrstelle zu bekommen ist aber oft gar nicht so einfach. Knapp 103.000 Lehrlinge werden aktuell in Österreich ausgebildet, rund 28.000 davon haben diesen Weg im Vorjahr angetreten.

Jugendlichen, denen es trotz intensiver Suche nicht gelungen ist, eine Lehrstelle zu finden, oder jenen, die ihre Lehre abgebrochen haben, bietet die gemeinnützige Organisation Jugend am Werk, unter anderem in Mürzzuschlag, Hilfe an. Dort erfahren sie in Form einer überbetrieblichen Lehrausbildung nämlich trotzdem eine umfassende theoretische und praktische Ausbildung im gewünschten Lehrberuf. In Mürzzuschlag kann man sich etwa als Tischler, Koch oder in der Metallbearbeitung ausbilden lassen.

„Man kann viel mitnehmen“

Einer, der das getan hat, ist der Oststeirer Paul Uhl, der in Mürzzuschlag die Lehre im Bereich Metalltechnik absolvierte. „Ich habe damals eine Lehrstelle gesucht und nichts gefunden. Dann habe ich gehört, dass es da auch eine andere Möglichkeit geben würde“, erzählt er. Das Ausbildungsangebot habe für ihn gut gepasst, erzählt er und meint: „Wenn ich etwas anfange, dann mache ich es auch fertig.“ Mittlerweile hat er infolge des Lehrabschlusses eine feste Anstellung in Bad Blumau gefunden.

Paul Uhl mit seinen Fachtrainern in Mürzzuschlag
Paul Uhl mit seinen Fachtrainern in Mürzzuschlag © zVg

Derart gelungene Geschichten, wie jene von Uhl, sorgen auch bei Jugend am Werk für große Freude. „Wir arbeiten drei Jahre lang intensiv mit den Jugendlichen zusammen und sehen ihre Entwicklungsschritte. Es ist deswegen wirklich für das ganze Team schön, wenn so ein Erfolg da ist, oft ist das dann ein halbes Jahr lang Thema bei uns“, erzählt Stephanie Nickmann, die als Berufsausbildungsassistentin bei Jugend am Werk in Mürzzuschlag arbeitet.

Grundsätzlich kann man beim Mürzer Standort entweder eine Teilqualifizierung oder eine verlängerbare Lehre absolvieren. Während man bei ersterer Teile von Berufsfeldern kennenlernt und als Fachhelfer abschließt, ist zweitere mit einer Lehre in der Wirtschaft vergleichbar. Aber: „Sie haben länger dafür Zeit und bekommen mehr Unterstützung“, so Nickmann. An Jugend am Werk werden die Jugendlichen über das steirische AMS vermittelt, das die überbetriebliche Lehrausbildung auch finanziert. Insgesamt hat man 40 Ausbildungsplätze.

Niederschwelliges Sprungbrett

Das Angebot stelle für viele der Jugendlichen dabei eine niederschwellige letzte Möglichkeit dar. „Unser Ziel ist es, ein Sprungbrett zu sein“, hält Nickmann diesbezüglich fest: „Wenn es sich durch Praktika ergibt, dass ein Betrieb sie übernimmt, dann wird das Ganze trotzdem bei uns auch beendet. Wir wollen den Jugendlichen die wichtigsten Dinge mitgeben.“ Deshalb bietet man etwa auch ein Bewerbungstraining an.

Stephanie Nickmann arbeitet als Berufsausbildungsassistentin bei Jugend am Werk in Mürzzuschlag
Stephanie Nickmann arbeitet als Berufsausbildungsassistentin bei Jugend am Werk in Mürzzuschlag © KLZ/Prettenhofer

Eine erfolgreiche Vermittlung oder Abschluss sei außerdem meist ein positiver Motivationsfaktor für die anderen Jugendlichen, „weil sie sehen, dass wenn man das Angebot annimmt, vieles möglich ist, egal was vorher war.“ Ihre Arbeit bestehe daher auch zu großen Teilen aus Motivation und Bestärkung: „Es geht oft darum, den Sinn zu wecken. Die Jugendlichen können auch immer mit ihren Problemen zu uns kommen.“