Die steirische Ärztekammer schlägt wegen der geplanten Milliarden-Kürzungen bei den Hochschulen Alarm. Treten die Befürchtungen der Universitätenkonferenz ein, könnten am LKH Universitätsklinikum Graz könnten dadurch bis zu 120 Ärzte wegfallen – mit möglichen Folgen für die Patientenversorgung.

Denn: Rund 600 Ärztinnen und Ärzte der Med Uni Graz sind am LKH Graz tätig, 480 davon in der klinischen Patientenversorgung, also in der Notaufnahme, auf den Stationen, im Operationssaal. Zum Vergleich: Insgesamt sind am LKH Graz etwa 1500 Mediziner tätig, die restlichen 900 allerdings über die Krankenhausgesellschaft Kages angestellt. Sie sind von den Einsparungen der Bundesregierung vorerst nicht betroffen.

Wieso am LKH Graz bis zu 120 Ärzte betroffen sein könnten

Exakte Berechnungen zu den Auswirkungen des Sparkurses für die Unikliniken in Wien, Graz, Linz und Innsbruck gibt es offiziell noch nicht – dennoch gehen die Unis davon aus, etwa 20 Prozent des Personals zu verlieren. Geht diese Rechnung auf, würden am LKH Graz die genannten 120 Ärzte wegfallen. Das wäre fast jeder zwölfte Mediziner am Uniklinikum Graz. Betroffen dürften dem Vernehmen nach vor allem jene mit befristeten Verträgen sein.

Bild zeigt eine Luftaufnahme des LKH Uniklinikums Graz
Das LKH Uniklinikum Graz ist fast eine Stadt in der Stadt – Patienten aus der ganzen Steiermark werden hier im Akutfall behandelt © Uniklinikum Graz/Kanizaj 2018

Gerhard Posch, Obmann der Kurie Angestellte Ärzte in der steirischen Ärztekammer, sieht gar die Aufrechterhaltung des Dienstbetriebs an der Uniklinik Graz gefährdet: „Wer jetzt Stellen kürzt, kürzt nicht abstrakt, er kürzt die Versorgung am Bett, in der Nacht, im Notfall.” Das Personal in den Spitälern arbeite bereits an der Belastungsgrenze, urteilt Posch. Mehr noch: Die Kammer weist darauf hin, dass die angedachten Einsparungen bei den Hochschulen umgehend und nicht erst in einigen Jahren in der Patientenversorgung spürbar sein werden.

Wobei es für die Interessenvertretung auch Langzeitfolgen gibt: „Wer jetzt den Rotstift bei der Medizinischen Universität ansetzt, beschädigt die Akutversorgung von heute und gefährdet die Versorgung von morgen“, erklärt der steirische Ärztekammer-Präsident Michael Sacherer. „Wenn wir heute die Ausbildungsplätze kürzen, haben wir morgen keine Ärzte. Das ist keine Warnung, das ist Mathematik.“

Universitätsmedizin für Ärztekammer Daseinsvorsorge

Die Auswirkungen auf den niedergelassenen Bereich seien enorm, warnen die beiden Experten. Maßnahmen wie Stipendienmodelle oder Lehrpraxenförderungen würden ihre Wirkung verlieren, wenn Universitäten ausgehöhlt werden, heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme: „Wer glaubt, diese Kürzungen treffen nur die Uniklinik, hat das System nicht verstanden. Was dort nicht ausgebildet wird, fehlt morgen in jeder Ordination, in jedem Dorf, bei jedem Patienten, der einen Arzt braucht“, sagt Dietmar Bayer, Obmann der Kurie Niedergelassene Ärzte.

Gleichzeitig betont die Ärztekammer ein Verständnis für nötige Einsparungsmaßnahmen zu haben – Universitätsmedizin sei aber keine „reine Budgetposition, sondern Daseinsvorsorge“, heißt es.