Bei Bernd Pfandls „50plus Campingpark Fisching“ werden gerade neue Waschmaschinen angeliefert, die „doppelte Freude“ ist dem Betreiber durchs Telefon anzuhören. Ein sonniges langes Wochenende beschert seinem Platz in Weißkirchen eine Top-Auslastung, das nagelneue Sanitärgebäude einen Qualitätsschub.
Als Sprecher der „Campinginitiative Steiermark“ muss Pfandl mit gutem Beispiel vorangehen. Eine Million Euro stellt das Tourismusreferat des Landes in einem Fördertopf zur Verfügung, um Investitionen in steirische Campingplätze anzuschieben. 14 Projekte im Umfang von fast fünf Millionen Euro wurden bereits beantragt – darunter auch das Sanitärhaus in Fisching.
Neue Märkte im Fokus: Niederlande und Dänemark
„Die Qualitätsoffensive des Landes wird sehr gut angenommen“, sagt Pfandl. Und sie sei auch wichtig, um im nationalen und internationalen Wettbewerb mithalten zu können. So fließt ein Teil des Geldes auch in die Erschließung neuer Märkte. Aktuell stehen die Wohnwagen-Hochburg Niederlande und Dänemark im Fokus der Werbekampagne.
An die 100 Campingplätze gibt es in der Steiermark, rechnet man jene rund um die Motorsport-Events in Spielberg hinzu. Von den 65 „echten“ Plätzen sind etwa zwei Drittel in der Campinginitiative vertreten. Der ungebrochene Trend zu alternativen Reiseformen lässt das Angebot stetig steigen. Laut einer aktuellen Studie gab es österreichweit von 2023 auf 2025 ein Plus von 9,5 Prozent an Campingplätzen, wobei die Steiermark noch vor Kärnten und Tirol den größten Zuwachs verzeichnete. Mit 756.680 Nächtigungen wurde das hohe Niveau im Vorjahr annähernd gehalten.
Auch Winzer und Gastronomen bieten Stellplätze an
An diesem Kuchen wollen immer mehr mitnaschen. Viele Buschenschenken, Weinbau- oder Gastrobetriebe lassen bereits Gäste mit Wohnmobilen auf ihren Grundstücken übernachten – gegen eine kleine Gebühr oder oft auch nur mit Konsumation vor Ort als Gegenleistung. Auf komplette Infrastruktur muss der Gast hier verzichten, dafür gibt‘s mit etwas Glück einen Traumblick in die Weinberge und keine störende Nachbarn.
Aber auch Gewerbetreibende aus anderen Bereichen bzw. Privatvermieter bieten immer öfter auf diversen Online-Plattformen idyllische Plätzchen an – von der Wiese am Waldrand bis hin zum Apfelgarten. Diese Form vom Camping kommt dem Traum vom „Freistehen“ schon sehr nahe.
Seitenprojekt als Geschäftsidee
Genau auf diese Zielgruppe schielt auch Dino Sodamin. Der Obersteirer ist primär in der Immobilienentwicklung tätig, als Seitenprojekt entstand zusammen mit einem Geschäftspartner die Plattform „Swiftstop“. „Die Idee dahinter war, dass wir noch brachliegende Flächen sinnvoll nutzen“, erzählt Sodamin. Diese sind mit einem Schild gekennzeichnet, über einen QR-Code meldet sich der Camper am Handy an und bezahlt die Übernachtung. Strom- und Wasseranschluss gibt es in der Regel nicht.
„Der Zulauf ist überraschend groß“, sagt der Unternehmer. Jetzt sollen Gemeinden aktiv angeworben werden, damit auch diese mehr Stellplätze anbieten können. „Sie erhalten die Nächtigungsabgabe und 20 bis 30 Prozent von der Gebühr, der Rest geht an uns“, erklärt Sodamin das Geschäftsmodell.
Was hält eigentlich die Branche von den neuen Anbietern abseits der echten Campingplätze? Bernd Pfandl sieht es entspannt: „Letztlich entscheidet der Kunde, was er möchte.“ Man wolle nur faire Rahmenbedingungen für alle. Sicher würden nicht immer alle nach den Regeln spielen, die Gemeinden hätten das aber recht gut im Griff. Daher sieht Pfandl auch keine Notwendigkeit für ein steirisches Camping-Gesetz. „Weil es gut läuft. Man muss nicht alles niederregulieren.“