In den österreichischen Städten ist es deutlich sichtbar und die Zahlen untermauern es. Die Zahl der Modegeschäfte in Österreich sinkt rapide. Allein in den vergangenen zehn Jahren gab es einen Rückgang von 22 Prozent auf 4254 Standorte. Bei den Bekleidungsgeschäften beträgt das Minus 20 Prozent, beim Schuhhandel ist es noch drastischer mit minus 34 Prozent.
„Der Modehandel steht in Österreich unter starkem Druck“, sagt Günther Rossmanith, Obmann des Bundesgremiums Modehandel in der Wirtschaftskammer. 2023 bis 2025 schrumpfte die Anzahl der Geschäfte um sieben Prozent. Denn die Menschen geben deutlich weniger für Gewand aus. Vor rund 30 Jahren entfielen noch 7,2 Prozent der Konsumausgaben auf Mode, zuletzt waren es nur noch 4,5 Prozent.
Mode keine Priorität
„Die Prioritäten haben sich verändert“, sagt Rossmanith. Viele investieren ihr Geld lieber in Erlebnisse – also Essengehen, Reisen und Freizeitparks. Auch Ausgaben für technische Geräte wie Handys sind vielen Österreicherinnen und Österreichern wichtiger als ein neues Hemd oder eine neue Hose. Verschärft wird die Situation durch gestiegene Kosten für Miete und Lebensmittel. Dadurch müssen sich viele entscheiden, in welchem Bereich sie sparen. Bei vielen ist es die Mode. Eine Entwicklung, die in der Coronazeit und den gestiegenen Homeoffice-Möglichkeiten ihre Wurzeln hat. Parallel dazu steigen für die Modehändler aber die Kosten für Miete, Energie und Löhne, während die Verkaufspreise stagnieren. Das ergibt einen Mix, der etliche zum Zusperren zwingt.
Das wird in vielen Städten drastisch sichtbar. Denn wie die aktuelle Analyse des Instituts für Österreichs Wirtschaft (iföw) im Auftrag der WKÖ zeigt, bleiben 42 Prozent dieser Flächen leer und das oft sogar dann, wenn diese sich in den besten Lagen befinden. Denn es gibt deutlich mehr Schließungen als Gründungen.
Oder anders ausgedrückt: Die Branche schrumpft. Das wird sich in den nächsten Jahren auch nicht ändern. „Den Modehandel wird es zwar immer geben, aber es wird einen weiteren Konzentrationsprozess geben“, sagt Studienautor Peter Voithofer vom iföw. Er erwartet sinkende Beschäftigungszahlen und dass sich nur Handelsbetriebe mit einer gewissen Mindestgröße behaupten werden können.
Ein Patenrezept für das wirtschaftliche Überleben von Modegeschäften gibt es nicht. Doch Rossmanith ist überzeugt: „Der stationäre Handel muss seine Stärken ausspielen. Er muss ein Erlebnis, exzellente Beratung und guten Service bieten. Das steht und fällt mit den Mitarbeitern.“ Je höher das Preissegment, umso herausragender müsse das Konzept sein.
Immer mehr ältere Online-Shopper
Doch ein stationäres Geschäft allein reiche schon lange nicht mehr aus. Denn immerhin 49 Prozent der Konsumenten kaufen zumindest gelegentlich online ein, 2020 waren es nur 36 Prozent. Bei den 65- bis 64-Jährigen ist der Anteil der Online-Shopper von zehn Prozent im Jahr 2020 auf 26 Prozent gestiegen, bei den 55- bis 64-Jährigen sind es mittlerweile sogar 36 Prozent.
Vor diesem Hintergrund sieht Rossmanith die geplante Paketabgabe von zwei Euro überaus kritisch. „Das ist nichts anderes als ein Österreich-Aufschlag“, sagt er. Denn die meisten Modehändler verkaufen über Plattformen wie Amazon und Zalando und sind dadurch von der Abgabe betroffen. Doch die Paketsteuer schaffe keine gerechteren Wettbewerbsbedingungen gegenüber den asiatischen Billighändlern Temu und Shein, was dringend notwendig wäre.