Der Maßstab ist das Sonnenlicht: Je näher eine künstliche Lichtquelle an das Spekturm unseres Zentralgestirns heranreicht, desto angenehmer empfinden wir sie. „Inzwischen sind LED-Leuchtmittel verfügbar, die das natürliche Sonnenlicht zu 98 Prozent genau nachbilden. Wir sind nicht mehr weit vom Idealzustand entfernt“, sagt Martin Dlaska. Er ist der Geschäftsführer der Lichtsystem-Designfirma XAL im Süden von Graz, die schon früh auf die LED-Technologie gesetzt hat, nämlich im Jahr 2002. Seitdem hat sich in der Lichtgestaltung einiges getan – sowohl was das Design betrifft, als auch die Lichtausbeute.
Möglichst viel Licht aus der zugeführten Energie bei einer Leuchte herauszuholen, ist das Ziel von Entwicklern seit Anbeginn des künstlichen Lichts. Die Glühbirne war lange Zeit das Nonplusultra, produzierte mit ihrem erhitzten Wolframdraht aber hauptsächlich Wärme. Licht war lediglich ein Nebenprodukt des Energieeinsatzes. Die nächste Revolution kam mit der Entwicklung der Licht emittierenden Diode, besser bekannt als Leuchtdiode oder noch kürzer LED. Sie benötigt bis zu 90 Prozent weniger Energie als Glühbirnen und trägt damit zur Verringerung von CO2-Emissionen bei.
Leuchtenproduktion mit Sonnenstrom
„Nachhaltigkeit ist bei uns schon lange ein Thema, weil unsere Produkte Strom verbrauchen. Angesichts der aktuellen Situation an den Energiemärkten und aufgrund des voranschreitenden Klimawandels ist es notwendig, dass Beleuchtung möglichst energieeffizient gestaltet wird“, sagt Dlaska. Bei XAL wird daher darauf geachtet, Energie bei der Herstellung der Leuchten an den Produktionsstandorten in Graz und Slowenien möglichst sparsam einzusetzen – oder gleich selbst zu produzieren: 1,8 Megawatt-Peak Photovoltaik-Leistung sind auf den Dächern der XAL-Standorte installiert, 50 Prozent davon können direkt von der Produktion, den Bürogebäuden und vom zunehmend elektrisierten Fuhrpark genutzt werden.
Effizienter durch Phosphor
Der größte Hebel, um Leuchten klimafitt zu machen, liegt aber in ihrem Stromverbrauch während des Betriebs. „Nur 10 Prozent der CO2-Emissionen einer Leuchte entstehen während der Herstellung, 90 Prozent fallen in die Nutzungsphase, die bis zu 15 Jahre oder mehr betragen kann. Genau hier setzen wir an“, sagt Dlaska und verweist auf die Neuentwicklung einer Leuchte, die durch hocheffiziente Optik und integrierte Sensorik den Stromverbrauch um 58 Prozent reduziert.
Die Entwicklungsabteilung bei XAL arbeitet außerdem daran, die Leuchten mit zusätzlichen digitalen Funktionen auszustatten: Sensoren, die im Raum nicht nur Helligkeit und Anwesenheit von Personen messen, sondern auch CO2-Gehalt, Geräuschpegel, Luftfeuchtigkeit und Temperatur. Die damit gewonnen Daten werden an Gebäudesteuerungssyteme weitergeleitet, die so den Energieeinsatz optimal steuern können. Und das spart wiederum Treibhausgase ein.
Neben all den technischen Aspekten darf der Wohlfühlfaktor beim Licht nicht außer Acht gelassen werden, schließlich finden sich Produkte von XAL auch in zahlreichen öffentlichen Gebäuden wie Hotels, Museen oder Bürogebäuden. „Unsere Licht-Designer simulieren am Computer vorab genau, wo Licht benötigt wird. So setzen sie Beleuchtung gezielt ein und vermeiden unangenehme Blendung. In unserem Lichtlabor werden die Leuchten zudem laufend getestet“, sagt Dlaska.