Die 75-minütige Aufführung ist für sich stehend witzig und wunderlich und mischt in ihrer rätselhaften, zielgerichteten Geschäftigkeit Konstruktivität und Destruktives. Man kennt so etwas aus dem Kinderzimmer (und, leider, aus der Politik): Mit größter Akribie wird etwas aufgebaut, um es anschließend mit Karacho zu zerstören. Doch "Voyage Into Infinity" steht eben nicht bezugslos im Raum. Und der Vergleich fällt nicht zugunsten dieser mit Oberfläche und Hintergrund spielenden Puppenshow aus.

Narcissister bezieht sich auf den 30-minütigen Film "Der Lauf der Dinge" der Schweizer Medienkünstler Peter Fischli und David Weiss, in dem eine in einer großen Halle aufgebaute Nonsense-Maschine zahlreiche überraschende und mitunter auch parallel laufende Domino-Effekte auslöst. Verglichen mit dem Geheimnis und der filigranen Poesie dieser sich wie von Zauberhand entwickelten gefilmten Vorgänge wirkt "Voyage Into Infinity" wie ein etwas unbeholfener Nachbau mit groben Mitteln.

Und dann hat Narcissister auch das Pech, dass die Österreicherin Florentina Holzinger gerade der Shooting Star der Performanceszene ist. Deren Radikalität und Unmittelbarkeit erreicht diese Aufführung, in der auch Gummibälle und Luftballons eine Rolle spielen, nie. Zwar spielt auch hier, etwa im Umgang mit der Statue eines nackten Diskuswerfers oder den Puppenkostümen, eine feministische Komponente eine Rolle, doch wenn sich die drei Akteurinnen gegen Ende ihrer Kleider entledigen und zu martialischem Schlagzeugwirbel Pyrotechnik in Gang setzen, wirkt es verglichen mit dem, was man aus Holzingers Choreografien kennt, wie ein Hexensabbat im Kinderzimmer.

Die Wiener Festwochen ermöglichen den direkten Vergleich: Nach weiteren Vorstellungen am Donnerstag und Freitag übernimmt Holzinger am Samstag die Stafette und lädt zum "Pfingstspiel".

(Von Wolfgang Huber-Lang/APA)

(S E R V I C E - "Voyage Into Infinity" von Narcissister bei den Wiener Festwochen, Halle G im MuseumsQuartier, Weitere Aufführungen: 21. und 22.5., 20.30 Uhr, www.festwochen.at )