Für den anlaufenden Freibadbetrieb zwar nicht so optimal, brachte der jüngste Niederschlag eine große Erleichterung für Natur und Landwirtschaft. So zeigt die Messstation Wolfsberg für die letzten 30 Tage (Stand 22. Mai) nur mehr ein kleines Defizit von –12 Prozent gegenüber dem langjährigen Durchschnitt von 1991 bis 2020 (März: –67 Prozent; April: –80 Prozent), und bei der Station Paulitschsattel war sogar ein Plus von 17 Prozent zu verzeichnen. Weiterhin sehr trocken blieb es hingegen bei der Messstation Reichenfels (–45 Prozent) und den drei Koralpenstationen (bis zu –50 Prozent). Ausgeglichen konnte das Defizit der außergewöhnlichen Trockenperiode in ganz Unterkärnten bei weitem nicht.

Keine Entwarnung

„Eine Entwarnung der Trockenheit ist noch nicht gegeben“, mahnt Johannes Moser, beim Amt der Kärntner Landesregierung zuständig für Hydrografie, also geografische Gewässerkunde. „Es besteht nach wie vor Trockenheit – wir sind noch immer im Niedrigwasserbereich.“ Moser erklärt: „Man muss unterscheiden: Für die Landwirtschaft hat es mit den 70 bis 80 Litern einen wichtigen Input gegeben, aber im Wasserhaushalt hat sich nicht viel getan.“ Anders gesagt: Der Regen war kurzzeitig für die Oberfläche gut, aber der Grundwasserpegel ist kaum gestiegen. „Wir pendeln weiter am unteren Rand dahin“, sagt der Experte, auch wenn „die Quellschüttungen zum Teil leicht im Steigen“ seien.

Johannes Moser, Hydrografischer Dienst, Leiter Wasserabteilung, Land Kärnten
Johannes Moser, Hydrografischer Dienst, Leiter Wasserabteilung, Land Kärnten © KK

Trotz kurzen Anschwellens durch den Oberflächenabfluss jüngster Regenereignisse, zeigt auch der Wasserstand unserer Fließgewässer kaum Erholung. „Bei den Abflüssen sind wir immer noch 50 Prozent im Minus“, so Moser. Bei der Lavant waren es in den letzten 30 Tagen verglichen mit der Periode 1991 bis 2020 sogar zwischen –62 und –68 Prozent. Im ersten Quartal 2026 fehlten dem Fluss rund 20 Milliarden Liter Wasser im Vergleich zum langjährigen Durchschnitt; 2025 betrug das Defizit bereits 116 Milliarden Liter (−43 Prozent im Vergleich zur Periode 1991–2020). Der Experte spricht daher von einer „außergewöhnlichen Trockenheit, weil sie so lange anhält“. An der Vellach lag die Abflussmenge in den letzten 30 Tagen 28 bis 41 Prozent unter dem langjährigen Durchschnitt.

In Diex schneite es am 12. Mai 2026
In Diex schneite es am 12. Mai 2026 © KK/Gemeinde Diex – Anton Napetschnig

Mancherorts, wie zum Beispiel in Diex, hat es Mitte Mai sogar geschneit. „Die Schneeschmelze wird wichtig für die nächste Zeit“, sagt Moser. Erfolgt eine solche aber innerhalb weniger Tage und fällt mit viel Regen zusammen, drohen Hochwasser. Danach sehe es derzeit angesichts des momentanen Hochs allerdings nicht aus. „Den Effekt gibt es oft im November“, erläutert Moser und erinnert an die Überschwemmung in Lavamünd 2012, als am 5. November Schmelzwasser aus den Karawanken und Starkregen zur Katastrophe führten. Durch das vorzeitige Abschmelzen des Schnees im Winter und die nach oben wandernde Schneefallgrenze infolge des Klimawandels fehle wichtiges Schmelzwasser heutzutage dafür oft im Frühjahr.

Drau und Lavant verschlangen Lavamünd 2012 geradezu
Drau und Lavant verschlangen Lavamünd 2012 geradezu © APA / Gert Eggenberger

Mosers Fazit zur momentanen Lage: „Es fehlen uns immer noch einige Monate mit überdurchschnittlichen Niederschlagsmengen.“ In Wolfsberg sei man zuletzt gerade einmal „in Richtung mittlere Werte“ gekommen (aktuell durchschnittlich 63 Millimeter pro Quadratmeter, langjährig 72 Millimeter). Für die Messstation Klopein rechnet er vor, dass trotz eines Pluses von 6 Prozent in den letzten 30 Tagen gegenüber dem langjährigen Durchschnitt mindestens 210 Millimeter Regen pro Quadratmeter nötig wären, um Richtung Normalstand zu kommen.