Im sanften Herbstlicht zeigt sich der Jesuitengarten im Innenhof von Schloss Großsölk von seiner schönsten Seite. Zwischen alten Mauern und duftenden Beeten liegt eine Ruhe, die man in dieser schnellen Zeit kaum noch findet. Jetzt, wo die Tage kürzer und die Nächte kälter werden, rücken jene Pflanzen in den Mittelpunkt, die uns durch die dunkle Jahreszeit tragen – die Heilkräuter. Zwei Frauen wissen besonders gut um ihre Wirkung: Kräuterpädagogin Martha Zach und Naturvermittlerin Eva Huber.

Video – Zu Gast im Jesuitengarten

„Wir versuchen, alte Sorten zu erhalten, aber auch immer wieder neue zu kultivieren“, erzählt Martha Zach. „Und die Erfahrungen, die wir dabei machen, geben wir gerne an unsere Besucherinnen und Besucher weiter.“ Der Jesuitengarten, einst Teil des Klosters, in dem der Orden zwischen 1617 und 1773 wirkte, ist heute ein lebendiges Stück Kulturgeschichte. Hier wächst nicht nur Gemüse und Kräuter, sondern auch Wissen.

Ashwagandha und andere Kräuter.
Ashwagandha und andere Kräuter. © Martin Huber

„Lavendel ist sehr angstlösend“, sagt Zach und streicht über die violetten Blüten. „Wermut enthält Bitterstoffe, die die Nerven stärken. Melisse ist ein gutes Ruhekissen – wenn ich gut schlafe, bin ich auch gestärkt.“ Gerade jetzt im Herbst, wenn Kälte und Dunkelheit aufs Gemüt drücken, zeigen sich die kleinen grünen Helfer von ihrer besten Seite.

Martha Zach und Eva Huber in ihrem Element.
Martha Zach und Eva Huber in ihrem Element. © Martin Huber

Manche Pflanzen sind wahre Multitalente: Die Vogelmiere, unscheinbar und doch so kraftvoll, hilft beim Entspannen. Die Brennnessel liefert mit ihren jungen Blättern Vitamin C und Mineralstoffe. Rosmarin wiederum belebt – „für Menschen mit niedrigem Blutdruck ist er besser als eine Tasse Kaffee“, lacht Zach. Und dann ist da noch der Sonnenhut: „Damit stärke ich mein Immunsystem schon im Herbst, damit es im Winter gut drüberkommt.“

Der Jesuitengarten im Schlosshof hat eine lange Geschichte.
Der Jesuitengarten im Schlosshof hat eine lange Geschichte. © Martin Huber

Doch der Jesuitengarten ist mehr als nur ein Ort zum Staunen. Hier wird gearbeitet, ausprobiert, vermittelt. Eva Huber führt Schulklassen durch den Garten, zeigt ihnen, wie aus einem Samenkorn ein Brot entsteht. „Wir haben ein Programm vom Korn bis zum Brot“, erzählt sie. „Die Kinder erleben, wie Getreide wächst, wie es gemahlen wird und wie man daraus schließlich Brot backt. Und je nach Saison machen wir auch Kräutersalz oder einen selbst gemachten Kräutersaft.“

Verschiedene Kräuter an der Schlossmauer.
Verschiedene Kräuter an der Schlossmauer. © Martin Huber

Das Lernen passiert hier mit allen Sinnen: riechen, schmecken, fühlen. „Im Sommer gibt es jede Woche Führungen“, erzählt Huber. „Das bieten wir für Kinder und Erwachsene an – und auch Schulklassen können sich dafür anmelden.“ Wer tiefer eintauchen möchte, kann das ganze Jahr über mitmachen. „Einmal im Monat haben wir Gartenstammtische mit verschiedenen Themen“, sagt Zach. „Wir stellen Kräuteröle her, Hustensäfte, Tinkturen, Seifen – alles rund um die Kräuter. So kann man sich etwas mitnehmen und im Lauf des Jahres davon zehren.“ Auf diese Art und Weise wird der Garten zu einem Ort der Begegnung und des Austauschs. Wissen, das früher in Klöstern weitergegeben wurde, lebt hier weiter – praktisch, sinnlich, alltagstauglich.