Wild und ungezähmt bahnt sich der Tagliamento auf 170 Kilometern seinen Weg durch die Karnischen Alpen und die friulanische Tiefebene bis in die Adria. Inzwischen ist er der letzte wilde Fluss in den Alpen. Auf seiner langen Reise wird er bis zu zwei Kilometer breit und fließt in einem sich ständig wandelnden Geflecht aus Haupt- und Nebenarmen.

Lebensader Fluss

Seit Jahrhunderten bildet der sogenannte „König der Alpenflüsse“ die Lebensgrundlage für die Menschen an den Ufern. An seinen Seiten findet man pittoreske Dörfer ebenso wie von Weinreben bewachsene Gegenden. Hier befindet sich auch das DOC-Gebiet Grave, das flächenmäßig größte Weinbaugebiet Friaul-Julisch Venetiens und Heimat von Pinot grigio, Friulano sowie vielen weiteren großartigen Tropfen.

Auf den Hügeln rund um den Tagliamento sowie im Umland von Spilimbergo und Pordenone – jener Stadt, die kürzlich zur italienischen Kulturhauptstadt 2027 ernannt wurde – taucht man wiederum in eine einzigartige Verschmelzung aus bäuerlicher Architektur und grünen Wäldern ein.

Die schwarzen Feigen aus Caneva sind eine schmackhafte Ergänzung für viele Gerichte
Die schwarzen Feigen aus Caneva sind eine schmackhafte Ergänzung für viele Gerichte © Fabrice Gallina

Das Schwemmland des Tagliamento sowie der Flüsse Meduna, Cellina, Livenza zeichnet sich durch seinen Boden aus, der als Magredi bezeichnet wird. Dieser ist vorwiegend steinig und kiesig und das Ergebnis jahrtausendealter Ablagerungen. Er bildet auch die Basis des Weinbaus des DOC-Gebietes Grave. Doch nicht nur Wein gedeiht hier prächtig: Auch die Schwarzfeige von Caneva, eine alte und geschätzte Sorte, die häufig für Konfitüren, Saucen und Cremes verwendet wird, sowie die rote Cavasso-Zwiebel finden rund um die Flüsse und ihre Ausläufer ideale Wachstumsbedingungen.

In den kleinen, familiär geführten Gasthäusern der Region kann man sich von der Vielfalt und dem köstlichen Geschmack der lokalen Produkte überzeugen. Eine Gaumenfreude sind zum Beispiel Gnocchetti mit aromatischem Asìno-Käse. Die Herstellung dieses würzigen Käses aus Kuhmilch hat ebenso lange Tradition in der Region wie die Erzeugung von Grappa und anderen hochprozentigen Bränden, die ein deftiges Essen perfekt abrunden. Wer es lieber süß mag, kann ein ausgiebiges Menü ebenso gut mit einem Biscotto Pordenone und einem Espresso abschließen.

Abseits bekannter Pfade

Ein Ausflug in westlicher Richtung vom Ta­gliamento aus lohnt sich besonders, denn hier öffnet sich eine touristisch noch weitgehend unbekannte Welt. Charmante Dörfer wie Valvasone, Sesto al Reghena und Sacile laden zum Flanieren und Entdecken ein. Sacile, die westlichste Stadt Friaul-Julisch Venetiens, besticht etwa durch Kanäle der Livenza, die entfernt an Venedig erinnern, ihre malerische Piazza del Popolo sowie gemütliche Bars und Tavernen.

Süße, aromatische und duftige Trauben ergeben im DOC-Gebiet Grave erlesene Spitzenweine
Süße, aromatische und duftige Trauben ergeben im DOC-Gebiet Grave erlesene Spitzenweine © Fabrice Gallina