Die Schau zeigt neue und bislang kaum oder nie gesehene Werke eines Malers, der zwischen Europa und den USA, zwischen Figuration und Abstraktion, zwischen Landschaft und Leinwand seine eigene Sprache fand. Hollegha, der im Dezember 2023 in seinem Haus am Rechberg verstarb, konnte die Ausstellung nicht mehr selbst vollenden. Doch dank der Unterstützung seiner Familie kann sie nun in geplanter Form realisiert werden.
Auf Augenhöhe mit der amerikanischen Avantgarde
Ein zentrales Kapitel der Ausstellung widmet sich Wolfgang Holleghas Aufenthalt in den USA im Jahr 1959. Auf Einladung des renommierten Kunstkritikers Clement Greenberg reiste der Künstler nach New York – zu einem Zeitpunkt, als die erste Welle des Abstrakten Expressionismus bereits am Abklingen war. Greenberg, der das Konzept der „Flatness“ prägte, war eine zentrale Figur der damaligen Avantgarde. Seine Unterstützung für Hollegha war einzigartig: Nie zuvor hatte er sich in vergleichbarer Weise für einen österreichischen Künstler eingesetzt oder versucht, diesen ins amerikanische Kunstgeschehen zu integrieren.
In Einzel- und Gruppenausstellungen präsentierte Hollegha seine großformatigen Arbeiten und fand sich inmitten bedeutender Künstler*innen wie Morris Louis, Helen Frankenthaler, Kenneth Noland, David Smith, Jules Olitski und Barnett Newman. Seine Bilder galten als radikale Weiterführung malerischer Möglichkeiten – für einige waren sie „keine Bilder mehr“.
Eigenständigkeit statt „Flatness“
Doch Hollegha selbst sah seine Arbeiten anders. Für ihn blieben sie Bilder – mit Bezügen zur realen Welt und mit einer subjektiven Öffnung des Raums. Diese Haltung unterschied sich grundlegend von Greenbergs Vorstellung einer rein zweidimensionalen Malerei. Gerade diese Differenz führte letztlich zum Ende der direkten Zusammenarbeit zwischen Hollegha und Greenberg.
Die Ausstellung beleuchtet diese Differenz in ihrer historischen wie künstlerischen Bedeutung. Holleghas Beharren auf den bildhaften und raumöffnenden Qualitäten seiner Werke wird dabei nicht als Gegenposition, sondern als Erweiterung der damaligen Debatten sichtbar.
Internationale Anerkennung und Rückzug nach Österreich
1961 wurde Hollegha als einziger Europäer mit einem der „Carnegie International Awards“ ausgezeichnet. Weitere wichtige Stationen folgten: Ausstellungen in den USA, im ICA London, auf der „documenta III“ im Jahr 1964 und als österreichischer Vertreter bei der Biennale von São Paulo im Jahr 1967. Im Jahr 1962 kaufte Hollegha einen Bauernhof am Rechberg nördlich von Graz und zog sich dorthin zurück. Dieser Schritt bedeutete jedoch keinen vollständigen Rückzug aus dem Kunstgeschehen. Vielmehr war es die Abgeschiedenheit, die ihm die Konzentration auf seinen Weg ermöglichte. In seinem Atelier setzte er konsequent fort, was er begonnen hatte: Als einziger österreichischer Maler seiner Generation arbeitete er weiterhin mit Schüttungen auf liegender Leinwand. Diese Schüttungen sind eine Technik, die er in der Tradition von Morris Louis zu einem eigenständigen, farbintensiven Werk weiterentwickelte.
Letzte Bilder, neue Zeichnungen
Die aktuelle Ausstellung in der Neuen Galerie Graz zeigt Werke aus Holleghas spätem Schaffen. Neue Gemälde entstanden nicht mehr, da der Künstler den körperlichen Einsatz, den das Malen für ihn stets bedeutete, in den letzten Jahren nicht mehr leisten konnte. Stattdessen wandte sich Hollegha den Zeichnungen zu. Diese neuen, bislang kaum oder gar nicht gezeigte Blätter bilden nun einen zentralen Teil der Schau.
Entstanden in Kooperation mit dem Universalmuseum Joanneum.