Einmal mehr war am 2. Oktober 2024 der Skyroom im Styria Media Center Schauplatz für einen spannenden Expertentalk, bei dem sich diesmal die Primus Business Stage der Kleinen Zeitung und das Leaders Forum von EY zum Austausch getroffen haben. Das Thema „Zukunftsstrategien, Perspektiven und Potenziale für die steirische Wirtschaft“ und die hochkarätige Runde versprachen jede Menge aufschlussreicher Analysen – und sie haben das Versprechen gehalten. Unter der Leitung von Klaus Höfler diskutierten Rosemarie König (EY Österreich), Alfred Marchler (Zeta Holding, IV), Anita Frauwallner (Institut AllergoSan) sowie Martin Graf (Energie Steiermark).

Frau König, welche Parameter machen aus der Sicht der Wirtschaftsprüferin und Unternehmensberaterin den idealen Wirtschaftsstandort aus?

Ein stabiles rechtliches Rahmenwerk, eine große Investitionssicherheit und die Verfügbarkeit von guten Mitarbeiter:innen.

Wie schaut die Realität in der Steiermark aus, Herr Marchler?

Das wirtschaftliche Umfeld in der Steiermark hat sich in den letzten Jahren massiv verändert, u. a. durch die Transformation vom Industrie- ins Digitalzeitalter. Dazu kommen die hohen Energie- und Lohnkosten, beides enorme Wettbewerbsnachteile. Wo die Steiermark aber Weltklasse ist: bei der Ausbildung, Forschung und Wissenschaft.

Wie ist die Lage bei AllergoSan, Frau Frauwallner?

Wir sind in einer besonderen Situation, nachdem wir ausschließlich im Gesundheitsbereich tätig sind und sich heutzutage auch viele junge Menschen für das Thema interessieren. Viele unserer Produkte sind weltweit einzigartig und auch als Arbeitgeber haben wir ein so positives Image, dass wir aus einem großen Pool an Bewerber:innen schöpfen können.

Herr Graf, kann da die Energie Steiermark mithalten?

Natürlich müssen uns auch wir als attraktives Unternehmen präsentieren, um die Energiewende hin zu grüner Energie bewältigen zu können. Bei unseren zahlreichen Infrastrukturmaßnahmen kooperieren wir mit Top-Forschungseinrichtungen und Universitäten und können unseren Bewerber:innen ein interessantes Geschäftsfeld und viele spannende Projekte bieten.

Hohe Energiepreise – Hemmschuh für die Steiermark?

Martin Graf: Wir haben hierzulande diverse strukturelle Wettbewerbsnachteile für unsere Unternehmen – z. B. sind die Netzentgelte für Industrieunternehmen in Deutschland vergünstigt – hierzulande nicht. Aber das wohl wichtigste Energiethema ist die Transformation in Richtung grüner Energie. Eine Studie, die wir mit den 22 energieintensivsten Unternehmen in der Steiermark gemacht haben, zeigt, dass der Energiebedarf bis 2050 weiter steigen wird. Und wir arbeiten intensiv daran, fossile Energien durch Strom und Wasserstoff zu ersetzen. Gerade bei der Wasserstoffforschung setzen wir auf weltweit führende steirische Forschungseinrichtungen – und auch mit unserer Versuchsanlage in Gabersdorf gewinnen wir täglich neue Erkenntnisse.

Alfred Marchler: Die von Herrn Graf angesprochene Studie, an der auch die IV beteiligt war, ist ein Anfang, jetzt geht es darum, die Vorschläge zur Stärkung des Wirtschaftsstandorts auch umzusetzen. Dafür brauchen wir u. a. entsprechende gesetzliche Rahmenbedingungen, beschleunigte Behördenverfahren und das gemeinsame Bekenntnis, die tollen Innovationen unserer Unternehmen massiv zu fördern.

Zukunftsperspektiven und Mitarbeiter:innen?

Alfred Marchler: Wir leben in einem Land mit vielen hoch motivierten Mitarbeiter:innen. Wenn wir den Menschen sinnvolle Tätigkeiten, faire Bezahlung und steuerliche Entlastungen bieten, dann wird sich das auch nicht ändern.

Anita Frauwallner: Mein Rezept ist: Attraktive Arbeitsplätze! Deshalb bieten wir unseren Mitarbeiter:innen auch viele Extras an, von denen sie profitieren.

Rosemarie König: Als Wirtschaftsprüfer und Unternehmensberater begleiten wir unsere Partner bei vielen Herausforderungen. Wir selbst haben zum Glück viele Bewerber:innen.

Sie werden Kanzler:in, was wäre Ihre erste wirtschaftspolitische Maßnahme?

Anita Frauwallner: Eine der wesentlichsten Voraussetzungen für den Erfolg ist für mich das Miteinanderarbeiten. Ich möchte Menschen motivieren, gemeinsam für dieses Land und für unsere Steiermark zu arbeiten.

Martin Graf: Es braucht ein positives Zukunftsbild für das Land und wir müssen definieren, wie wir Österreich in den kommenden Jahren verändern wollen. Dieses Bild möchte ich zeichnen.

Alfred Marchler: Ich würde vorschlagen, klare Ziele, eine Strategie und ein Bild zu entwickeln, wie wir Österreich als lebenswerten, innovativen und leistungsfähigen Standort noch besser positionieren können.

Rosemarie König: Ich würde die enge Verzahnung der Unternehmen, Forschungseinrichtungen und der öffentlichen Hand einfordern.