Mit der Axt steht Markus Schlamadinger in seinem Garten bei Eggersdorf und spaltet Buchenholz. „Das kommt vom Nachbar Hermann“, erklärt der Jurist. Während des Studiums hat er im Grazer Hemmingway als Barkeeper gearbeitet. Dabei entwickelte sich ein Faible für Spirituosen und insbesondere Gin. „Aufgrund des Geruchs. Dieser einzigartige Geruch. Er hat mich immer schon fasziniert“, erzählt Schlamadinger und spaltet einen weiteren Buchenscheit ab. Das Holz ist beim Destillier-Vorgang ein wichtiger Bestandteil. „In so einem Scheit Buchenholz steckt Energie. Jedes Stück ist schwer. Regional gewachsen. Es spritzt nicht“, schildert der preisgekrönte Destillateur. „Es brennt ruhig und lange dahin. Genau das ist es, was man im Kessel braucht!“ Konstante Temperatur.

Video - So entsteht der Weltmeister-Gin

Diese garantiert ein sehr einfacher Brennkessel. „75 Liter Fassungsvermögen mit einem Kupferkopf“, sagt der Profi. Alles handgeschlagen. „Also wirklich gehämmert. Echte Handwerkskunst.“ Gebrannt wird im Garten vor dem heimischen „Genusskeller“. Unglaublich eigentlich, dass man es schafft, mit so einer Leichtigkeit beim Brennen, internationale Juroren zu begeistern. Im Rahmen der World Gin Awards in London werden nämlich jedes Jahr die besten Gins in allen international anerkannten Disziplinen gekürt. Ausgerichtet wird der Wettbewerb von TheDrinksReport.com. Bereits im Vorjahr konnte sich der Eggersdorfer mit seinem „Wharfedale Gardens“-Gin in der Kategorie „London Dry“ zweimal Gold sichern. In diesem Jahr war er mit „Navy Strength Gin“ erfolgreich.

Aber wie kommt man als Verfahrensjurist auf die Idee Gin zu destillieren? „Aus der Not eine Tugend machen. Ich wollte einfach immer schon einen ganz klassischen Gin haben. Ohne großen Firlefanz. Richtig selbst gemacht und mit top Zutaten. Da gab es nicht wirklich etwas am Markt“ schildert Schlamadinger seine ursprüngliche Motivation. „Keep it simple!“ lautet seitdem das Credo. Der Genießer nennt seine Herangehensweise gerne „Auf das Maximum reduzieren“. Das klingt vielleicht etwas widersprüchlich, ist es aber nicht. „Bei mir kommen nur fünf verschiedene Zutaten in den Gin“, veranschaulicht er. Trotzdem entsteht eine Komplexität und ein überzeugendes Aroma.

Im Kessel brennt das Buchenholz. Man hört es plätschern und rinnen. Das heißt die Temperatur stimmt. „Der Gin wird dann abgefüllt und im Lehmkeller gelagert“, erklärt Schlamadinger den weiteren Ablauf. Da kann er sich richtig gut harmonisieren. Wenn die Reife nach einigen Monaten passt, wird mit Urquellwasser auf die gewünschte Trinkstärke eingestellt. Alles per Hand abgefüllt und mit Siegellack verschlossen. Vielleicht ist es genau diese Liebe hin zum kleinsten Detail, die auch 2025 wieder international erfolgreich sein wird.