Das Thema der Premiere des neuen Kleine-Zeitung-Diskussionsforums „Primus Business Stage“ war brandaktuell, brisant und buchstäblich energiegeladen. Unter dem Titel „Die sichere & rasche Transformation unseres Energiesystems – so wichtig wie noch nie“ nahmen vier Expert*innen einige der brennendsten Fragen unserer Zeit unter die Lupe – und sich selbst kein Blatt vor den Mund: Was geschieht, wenn russisches Gas und Öl tatsächlich ausbleiben? Und was bedeutet das für unsere Energieversorgung? Welche Herausforderungen bringen Klimakrise bzw. Klimawandel für uns? Wo stehen wir punkto Ausbau von erneuerbaren Energien? Sind wir für die Energiewende gerüstet?
Moderiert vom ehemaligen Kleine-Zeitung-Wirtschaftschef Adi Winkler diskutierten: Gerhard Christiner, Technischer Vorstand Austrian Power Grid, die Grüne Landtagsabgeordnete Lara Köck, Herbert Ritter, Unternehmer und Vizepräsident der WKO Steiermark und Marlene Seidel, Umwelt-/Klimaaktivistin für Fridays for Future.
Gastgeber der Podiumsdiskussion waren die Kleine Zeitung und die Austrian Power Grid (APG). Neben interessierten Gästen vor Ort wurde die Diskussion auch via Livestream übertragen (den Link zum Nachschauen finden Sie weiter unten).
Stromnetz mit Schwächen. Eine der zentralsten Lebensadern für die österreichische Energieversorgung ist das Stromübertragungs- bzw. Hochspannungsnetz, unsere Stromautobahn. Für dessen Management, die Wartung und den Ausbau ist die Austrian Power Grid zuständig. Ob das Netz für zukünftige Herausforderungen gerüstet sei, beantwortete APG-Vorstand Gerhard Christiner mit einem klaren „Jein“. „Es gibt gute Bereiche aber auch noch beachtliche Lücken. Deshalb müssen aus unserer Sicht der Ausbau und die Modernisierung des Stromnetzes absolute Priorität haben.“
Eine der größten Herausforderungen sei, die Erneuerbaren Energien ins Stromnetz zu bringen. Denn häufig werde der Strom aus Windrädern und Photovoltaikanlagen dort in großen Mengen erzeugt, wo er gar nicht verbraucht werden könne. Das heißt: Der Überschussstrom muss in die energieintensiven Ballungszentren oder auch zu den Speicherkraftwerken transportiert werden. Aber dafür sei unser heutiges Netz noch nicht gerüstet.
Klimaaktivistin Marlene Seidel appellierte an den europäischen Gemeinschaftsgedanken und betonte, dass ein Thema wie die Klimakrise nur gemeinschaftlich angegangen und gelöst werden könne. Für sie wäre es wünschenswert, „wenn wir alle auch einmal einen Schritt zurückgehen“ und so umweltverträglichere Lösungen finden würden. Zudem sei aus ihrer Sicht der österreichische Plan bis 2040 klimaneutral zu werden, nicht ambitioniert genug und zu spät. Und sie betonte: „Wir in den Industrieländern tragen am meisten zur Klimakrise bei, deren Auswirkungen bekommen aber vor allem Menschen in ärmeren Ländern zu spüren.“
Für Herbert Ritter könne man unsere Abhängigkeit vor allem von Gas „leider nicht von einem Tag auf den anderen abschaffen“, obwohl Europa Spitzenreiter bei Technologien rund um Erneuerbare Energien sei. „Berechnungen zeigen, dass wir in Europa bis 2040 rund 7 Trillionen Euro für die Energiewende brauchen. Diese Summe kann nur gemeinschaftlich aufgestellt werden.“ Fazit: Europa müsse an einem Strang ziehen.
Für die Grüne Lara Köck ist die „Versorgungssicherheit mit Energie“ in der aktuellen Situation die wichtigste Aufgabe der Politik. Langfristig ist für sie die Energiewende ein Muss, weil „nur sie den Wohlstand sichern könne“. Für sie „tut sich in die Richtung was“, aber sie würde gerne sehen, dass die Steiermark punkto Energiewende nicht Schlusslicht, sondern wie bei Forschung & Entwicklung Spitzenreiter sei.
Hier können Sie online die Diskussion nachschauen: