Die 58. Ausgabe des steirischen herbst trägt den Titel Never Again Peace und knüpft damit an die prophetische Satire Nie wieder Friede (1934–36) des jüdischen Schriftstellers Ernst Toller an. Die Aktualität dieser Themen zeigt sich bei einem Blick auf die Gegenwart: Kriege, politische Radikalisierung und gesellschaftliche Polarisierung stellen auch die Kunst vor Fragen, die sie nicht unbeantwortet lassen will.

Kunst als Seismograf der Gesellschaft

Der steirische herbst versteht sich seit seiner Gründung als Ort, an dem gesellschaftliche Entwicklungen künstlerisch gespiegelt, zugespitzt und hinterfragt werden. Anhand von Performances, Installationen, Ausstellungen, Diskussionen und Konzerten fragen internationale Künstler:innen, ob Frieden heute noch möglich ist und wie man ihn sichern kann?

Intendantin Ekaterina Degot wird das Festival am 18. September eröffnen
Intendantin Ekaterina Degot wird das Festival am 18. September eröffnen © Marija-M. Kanizaj

Das Festival startet am 18. September am Grazer Freiheitsplatz und damit an einem symbolisch aufgeladenen Ort, dessen wechselvolle Namensgeschichte bereits für politische Vereinnahmung steht. Das Kollektiv LIGNA lädt dort zu einer interaktiven Audio-Performance ein, bevor Intendantin Ekaterina Degot das Festival offiziell eröffnet. Anschließend geht es mit einem Doppelabend in der Helmut List Halle weiter. Einerseits gibt es eine Hommage an Kurt Jooss’ legendären Tanzklassiker „Green Table“ zu sehen und andererseits die provokante Performance „Hot Sotz“ von Queer-Ikone Ivo Dimchev. Schon die Eröffnung macht deutlich, dass der steirische herbst keine ästhetischen wie politischen Zumutungen scheut.

Ausstellung im Herz des Festivals

Die zentrale Ausstellung von Never Again Peace findet in der ehemaligen Destillerie Bauer statt, die für die Dauer des Festivals schlicht BAU genannt wird. Der Name ist bewusst vieldeutig – er kann für Tierbau, Gefängnis oder Baustelle stehen. So wird der Ausstellungsort selbst zur Metapher für eine Gesellschaft zwischen Sicherheit und Eingeschlossensein, zwischen Zuflucht und Restriktion.

Die zentrale Ausstellung findet im BAU statt
Die zentrale Ausstellung findet im BAU statt © steirischer herbst / Martin Pelzmann

Auf mehreren Stockwerken entfalten internationale Künstler:innen Geschichten über Repression, Flucht und Widerstand. Das Gebäude wird so zu einem begehbaren Denkraum, der die Besucher:innen unmittelbar mit aktuellen politischen Fragen konfrontiert.

Diskurse, Musik und Partnerprogramme

Neben Ausstellungen und Performances bietet der steirische herbst ein dichtes Diskursprogramm. In den herbst Friedensgesprächen und den Ideen-Reihen diskutieren Künstler:innen, Denker:innen und Aktivist:innen unter anderem über Fragen zum Thema Krieg. Musikalisch spannt sich der Bogen vom herbstcafé mit elektronischen Beats und Konzerten über das traditionsreiche ORF musikprotokoll, das sich heuer mit dem Thema regel:bruch auseinandersetzt, bis hin zu internationalen Klangexperimenten. Auch ein breit gefächertes Partnerprogramm mit Projekten von lokalen Künstler:innen und Institutionen ist wieder Teil des steirischen herbst.

Der steirische herbst ’25 wird erneut beweisen, dass zeitgenössische Kunst kein Luxus ist, sondern ein Werkzeug, um die Gegenwart zu begreifen und Zukunft zu denken.

© Grupa Ee

Entstanden in Kooperation mit dem steirischen herbst ’25.