Die Arbeitswelt verändert sich. Die junge Generation setzt andere Prioritäten, KI ist im Vormarsch und bisherige Arbeitsmodelle verlieren an Attraktivität. Welche Weichen müssen Unternehmen in Kärnten stellen, um diesen Herausforderungen gewachsen zu sein? Darüber diskutierten Susanne Prentner-Vitek, Personaldirektorin und Vorständin Diakonie de La Tour, Ada Pellert, Rektorin AlpenAdria-Universität Klagenfurt, Claudia Mischensky, Geschäftsführerin IV Kärnten, Kristina Aichwalder, EY Partnerin, Marlene Thalhammer, Leiterin der Personalabteilung bei Flex Althofen sowie Klaus Einfalt, Vorstandsvorsitzender SW Umwelttechnik Stoiser & Wolschner AG.

Wenn wir über die Fachkräfte von morgen sprechen, ist es sinnvoll, zuerst über die Situation von heute zu sprechen. Wie sieht diese aus?

Claudia Mischensky: Die Industrie ist momentan geprägt von Unsicherheit, was auch mit der derzeitigen Situation in Nahost zu tun hat sowie fehlender internationaler Wettbewerbsfähigkeit. Das hemmt die Investitionen, trotzdem bleiben wir vorsichtig optimistisch. Bei den Fachkräften gilt es, die richtigen Rahmenbedingungen zu setzen. Etwa den qualifizierten Zuzug zu forcieren und Menschen in der Ausbildung mit den Kompetenzen auszustatten, die die Unternehmen benötigen.

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Kristina Aichwalder: Die Unternehmen haben bereits erkannt, dass sie etwas tun müssen, um die Produktivität zu steigern und Wettbewerbsvorteile zu generieren. Die Aus- und Weiterbildung ist dabei ein wesentlicher Bestandteil, und auch die KI kann durchaus eine Chance sein. Wichtig wäre es, beim Thema Arbeitsstunden flexibler zu werden.

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Ihr Unternehmen hat auch Standorte in Rumänien und Ungarn. Wie steht es da im Vergleich zu uns?

Klaus Einfalt: Die duale Ausbildung ist in Österreich nach wie vor großartig und den osteuropäischenLändern voraus. Aber dort macht der starke Wille, etwas zu erreichen, diesen Vorteil langsam wett. Vor allem bei der Jugend. Als großes Unternehmen unterstützen wir Mitarbeiter, die neben dem Arbeiten studieren wollen, um sie so für uns zu gewinnen. Es geht darum, sich als Unternehmen attraktiv zu machen, um die besten Arbeitskräfte zu bekommen.

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Marlene Thalhammer: Beim Thema Fachkräftesicherung ist es wichtig, den gesamten Wirtschaftsstandort Kärnten im Blick zu behalten. Sie kann nur gelingen, wenn sowohl große als auch kleine und mittlere Betriebe davon profitieren. Unabhängig davon bleibt die Entwicklung von Fachkräften im Unternehmen selbst. Sie erfordert kontinuierliche Weiterentwicklung, regelmäßige Reflexion und die laufende Anpassung von Methoden.

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Ada Pellert: Das Fachkräfteproblem kann ein guter Ausgangspunkt für Verbesserungen sein, denn die Unternehmer müssen sich fragen, worin das Problem eigentlich besteht. Suche ich die falschen Leute, stimmen die Strukturen oder eventuell das Gehalt nicht? Diese Dinge zu hinterfragen, würde den Unternehmen ohnehin gut tun und ohne Problemdruck verändert sich nichts. Eine bessere Durchlässigkeit zwischen den Bereichen wäre wichtig, denn es gibt keine Bildungsabgänger, die alle Anforderungen erfüllen, die sich die Industrie vorstellt. Ein kluges Personalentwicklungskonzept muss sich aufeinander zu bewegen. Für einen Handwerksbetrieb kann es etwa durchaus wichtig sein, mit KI-Laboren zeitgerecht in Berührung zu kommen. Denn das klassische Handwerk wird sich verändern und da muss man rechtzeitig an Formen der Interaktion zwischen Mensch und Maschine denken. So entstehen neue Möglichkeiten für alle Seiten.

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Wie sieht es im Sozial- und Gesundheitsbereich derzeit aus? Spürt man da auch einen Mangel?

Susanne Prentner-Vitek: Es ist derzeit besser, als es schon war. Wir investieren viel in die Ausbildung unserer Mitarbeiter und versuchen verstärkt, junge Menschen für den sozialen Bereich zu begeistern. Vor allem Männer. Hier setzen wir stark auf den Zivildienst und das freiwillige soziale Jahr. Besonders erfreulich ist, dass es seit kurzer Zeit auch möglich ist, eine eigene Pflegelehre zu absolvieren. Wir haben derzeit drei Lehrlinge und die Nachfrage ist groß.

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Wie schafft man es, qualifiziertes Personal im Unternehmen zu halten?

Einfalt: Als Unternehmer sollte ich erkennen, was ein Mitarbeiter gerne macht und ihn dann entsprechend einsetzen. Und: Ein Lob kann enorm motivierend sein. Thalhammer: Man muss ein offenes Ohr für die Anliegen der Mitarbeiter haben. und sich auf Augenhöhe begegnen. Prentner-Vitek: Wichtig ist es, innerhalb des Unternehmens Weiterbildung und Aufstiegschancen zu ermöglichen