Gesundheit ist das höchste Gut, das wir besitzen. Ein Fakt, der vielen erst bewusst wird, wenn diese abhanden kommt. Das österreichische Gesundheitssystem ist eines der besten weltweit. Und doch steht es am Kipppunkt. Der Grund dafür ist eine immer älter werdende Gesellschaft, der immer weniger werdende Ärzt:innen gegenüberstehen und daraus resultierende explodierende Kosten.

Hier finden Sie die Highlights der Diskussion:

Bei der Kleine Zeitung Business Stage presented by IGEPHA ging es darum, welche Anreize man schaffen kann, Menschen dafür zu motivieren, selbst für ihre Gesundheit aktiv zu werden und wie Gesundheitsleistungen fair verteilt werden können. Antworten kamen von Gesundheitsministerin Korinna Schumann, Susanne Eibegger (IGEPHA-Präsidentin), Peter McDonald (Vorsitzender im Dachverband der Österreichischen Sozialversicherungen) und Klaus Ropin (Geschäftsbereichsleiter, Fonds Gesundes Österreich).

Auf Prävention setzen

Dass Prävention stärker in den Fokus rücken muss, betonte Gesundheitsministerin Korinna Schumann mehrfach. Sie machte deutlich, dass das Gesundheitssystem nur dann langfristig stabil bleiben kann, wenn Vorsorge und Gesundheitsbildung früh beginnen. Gerade in Schulen müsse Gesundheit stärker thematisiert werden: Bewegung, Basiswissen über den eigenen Körper oder einfache Maßnahmen der Vorsorge.

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„Wir investieren in die Gesundheitsprävention genauso wie in die Bewusstseinsbildung und in den niedergelassenen Bereich“, erklärte Schumann und verwies auf den Gesundheitsreformfonds, über den in den kommenden Jahren mehr als zwei Milliarden Euro ins System fließen sollen. Ziel sei es, die Primärversorgung zu stärken, Präventionsprogramme auszubauen und Gesundheitskompetenz bereits im Kindesalter zu fördern. Wichtig sei dabei auch, Menschen in ihrer Lebensrealität abzuholen: „Gesundheit muss verständlich und für alle zugänglich sein. Ob über Broschüren, Onlineangebote oder persönliche Beratung.“

Selfcare als Schlüssel

Für Susanne Eibegger, Präsidentin der IGEPHA, spielt Selfcare eine zentrale Rolle, wenn es darum geht, das Gesundheitssystem zu entlasten. „Selfcare ist das, was wir täglich tun, um gesund und aktiv zu bleiben“, so Eibegger und verwies auf rezeptfreie Arzneimittel und Gesundheitsprodukte, die bei kleineren Beschwerden rasch helfen können. Viele Arztbesuche ließen sich dadurch vermeiden.

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Das Potenzial sei enorm: „Jeder Euro, der in Selfcare investiert wird, spart dem Gesundheitssystem fünf Euro.“

Dennoch nutzen laut Eibegger derzeit nur rund 21 Prozent der Menschen diese Möglichkeiten. Ein Grund dafür sei mangelnde Information. „Wenn Menschen im Internet nach Gesundheits-Tipps suchen, landen sie meist auf deutschen oder Schweizer Seiten“, ist ihre Erfahrung. Österreich brauche daher eine zentrale Plattform mit verlässlichen Gesundheitsinformationen. Gleichzeitig plädierte sie für eine nationale Strategie für Selfcare, um Gesundheitskompetenz breiter zu verankern. Klar sei für sie auch: „Mehr Bewegung lässt sich nicht verordnen.“

Antworten auf eine alternde Gesellschaft

Peter McDonald, Obmann der Österreichischen Gesundheitskasse, richtete den Blick vor allem auf die Herausforderungen für das Gesundheitswesen. Mehr Ältere, weniger Beitragszahler und ein großartiger medizinischer Fortschritt werden uns in den kommenden Jahren massiv fordern. „In den nächsten 25 Jahren wird es rund 50 Prozent mehr Menschen über 65 geben, die bekanntermaßen doppelt so viele Leistungen brauchen“, so seine Prognose. Diese Entwicklungen bringen zwangsläufig steigende Gesundheitskosten mit sich.

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Schon jetzt zeige die im internationalen Vergleich auffällig hohe Inanspruchnahme deutlich: „Irgendwie ist uns abgewöhnt worden, selbst für unsere Gesundheit Verantwortung zu übernehmen“ Um das solidarische System langfristig stabil zu halten, brauche es daher mehr Eigenverantwortung und vor allem stärkere Prävention. Bewegung sei dabei ein entscheidender Faktor – vor allem im Alltag. „Ich fahre gerne Stiegen“, sagte McDonald augenzwinkernd und verwies darauf, dass schon kleine Gewohnheiten einen Unterschied machen können. Gleichzeitig sprach er sich für konkrete Anreizmodelle aus: „Warum nicht Menschen belohnen, die Vorsorgeuntersuchungen wahrnehmen und ihre Bewegungs- und Gesundheitsziele erreichen?“ Gesundheitskompetenz müsse von klein auf vermittelt werden, noch bevor Menschen ihre Symptome bei „Dr. Google“ recherchieren oder in die Ambulanz gehen.

Gesundheit entsteht im Alltag

Klaus Ropin, Leiter des Fonds Gesundes Österreich, machte deutlich, dass Gesundheit weit über das Gesundheitssystem hinausgeht. „Gesundheit entsteht in allen Lebensbereichen, nicht erst in der Gesundheitsvorsorge“, erklärte der promovierte Biologe. Prävention müsse deshalb stärker in Alltag, Arbeitswelt und Infrastruktur integriert werden. Ein Beispiel sei die Gestaltung von Gebäuden: „Man muss an die Architektur appellieren, Stiegenhäuser statt Aufzüge stärker in den Fokus zu stellen.“ Solche kleinen Veränderungen könnten Menschen ganz selbstverständlich zu mehr Bewegung motivieren. Ebenso wichtig seien leicht zugängliche Informationen über gesunde Lebensweisen. „Das Wissen über ungesunde Entscheidungen ist ein zentraler Faktor“, so Ropin. Niederschwellige Angebote zur Gesundheitsbildung seien daher essenziell. Gleichzeitig warnte er davor, zu langsam zu handeln: „Die Wirkung von Interventionen ist nicht kurzfristig messbar, sondern erst mittel- bis langfristig.“ Prävention müsse mit Maßnahmen, die Bewegung und gesunde Ernährung fördern, rascher umgesetzt werden. Denn gerade diese beiden Faktoren seien „das Um und Auf für ein langes, gesundes Leben“.

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