Die Zahlen sind alarmierend: Immer mehr Kinder und Jugendliche erkranken an Typ-1-Diabetes (T1D), einer Autoimmunerkrankung, bei der die insulinproduzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse zerstört werden. In Folge wird immer weniger Insulin gebildet und muss von außen zugeführt werden. Dies geschieht durch Injektionen oder mittels Insulinpumpe und ist lebenslang notwendig.

Mittlerweile ist Typ-1-Diabetes die häufigste Stoffwechselerkrankung im Kindes- und Jugendalter. Laut Österreichischer Sozialversicherung erkranken daran jedes Jahr rund 300 Kinder und Jugendliche – dabei haben 90 Prozent davon keine familiäre Vorbelastung. „Es ist ein Irrglaube, dass Diabetes nur Menschen mit genetischer Veranlagung trifft. Heute wissen wir, dass Typ-1-Diabetes durch verschiedene Faktoren ausgelöst wird und jeden treffen kann, unabhängig von Alter, Lebensstil oder Familiengeschichte“, schildert Ass. Prof. PD. Dr. Elke Fröhlich-Reiterer, von der klinischen Abteilung für Allgemeine Pädiatrie der Medizinischen Universität Graz.

Bleibt oft unbemerkt

Die Erkrankung verläuft in mehreren Stadien und ist zu Beginn völlig unsichtbar. Erst im dritten Stadium treten Symptome wie Durst, vermehrter Harndrang, Müdigkeit oder Gewichtsverlust auf. Weil diese Anzeichen oft übersehen oder falsch gedeutet werden, bleibt T1D häufig lange unentdeckt – zu lange. Etwa 30 Prozent der Betroffenen erhalten ihre Diagnose erst, wenn eine diabetische Ketoazidose auftritt – eine akute, lebensbedrohliche Stoffwechselentgleisung, die meist auf der Intensivstation behandelt werden muss.

Doch es gibt Hoffnung. Studien belegen, dass sich solche Komplikationen durch Früherkennung deutlich verringern lassen. Denn auch wenn Symptome erst spät auftreten, ist T1D lange vorher über eine einfache Blutuntersuchung nachweisbar: Schon in den Frühstadien sind Autoantikörper messbar. So kann die Erkrankung erkannt werden, bevor sie ausbricht.

Eine frühe Diagnose kann den Krankheitsverlauf nicht verhindern, aber vieles verbessern: Betroffene und ihre Familien können sich vorbereiten und Aufklärung und Unterstützung erhalten. Der größte Nutzen: Durch Früherkennung kann das Risiko einer diabetischen Ketoazidose deutlich reduziert werden

Noch vor Symptomen nachweisbar

Doch es gibt Hoffnung. Studien belegen, dass sich solche Komplikationen durch Früherkennung deutlich verringern lassen. Denn auch wenn Symptome erst spät auftreten, ist T1D lange vorher über eine einfache Blutuntersuchung nachweisbar: Schon in den Frühstadien sind Autoantikörper messbar. So kann die Erkrankung erkannt werden, bevor sie ausbricht.

Eine frühe Diagnose kann zwar den Krankheitsverlauf nicht verhindern, aber vieles verbessern: Betroffene und ihre Familien können sich vorbereiten und frühzeitig Aufklärung und psychologische Unterstützung erhalten. Der größte Nutzen: Durch Früherkennung kann das Risiko einer diabetischen Ketoazidose deutlich reduziert werden.

© Univ. Klinik für Kinder-und Jugendheilkunde Graz, Martin Schreiner

Großer Nutzen von Screenings

Diese Wirkung wird durch die Fr1da-Studie aus Deutschland belegt: Dort wurden mehr als 200.000 Kinder auf Typ-1-Diabetes gescreent. Jene mit nachgewiesenen Autoantikörpern erhielten eine gezielte Betreuung. Beim Krankheitsausbruch hatten sie bessere Blutzuckerwerte, eine höhere Restfunktion der Bauchspeicheldrüse und deutlich seltener eine diabetische Ketoazidose als Kinder, die kein Früherkennungsprogramm durchlaufen haben.

„Der große Vorteil der Früherkennung liegt darin, dass rechtzeitig gehandelt und der optimale Zeitpunkt für den Start einer Insulintherapie gewählt werden kann“, erklärt Ass. Prof. PD. Dr. Fröhlich-Reiterer.

Auch in Österreich laufen erste Programme an – jüngst etwa das freiwillige Neugeborenen-Screening an der MedUni Wien und dem AKH Wien, das die Säuglinge mittels Blutprobe auf ein erhöhtes genetisches Risiko für Typ-1-Diabetes testet. Ziel ist, gefährdete Kinder früh zu erkennen, engmaschig zu begleiten und die schweren Folgen der Erkrankung zu verhindern.

MAT-AT-2501463-1.0-11/2025