Die Ernährungssicherheit gehört zu den zentralen Prioritäten der Europäischen Union, besonders in Zeiten geopolitischer Spannungen und des Klimawandels. Die Fähigkeit Europas, ausreichend Lebensmittel für die eigene Bevölkerung zu produzieren, ist nicht nur eine Frage der Agrarpolitik, sondern auch von strategischer Bedeutung.

Weltweite Ereignisse wie der Krieg in der Ukraine und die unsicheren Beziehungen zu Russland haben gezeigt, wie anfällig der internationale Lebensmittelmarkt ist. Unterbrochene Lieferketten, hohe Energiepreise und der Mangel an bestimmten Rohstoffen machen deutlich, dass die Selbstversorgung der EU unverzichtbar ist.

Die Bedeutung der Selbstversorgung und der lokalen Produktion

Selbstversorgung bedeutet, dass eine Region oder ein Staat in der Lage ist, ausreichend Grundnahrungsmittel für die eigene Bevölkerung zu produzieren. Für die EU ist das besonders wichtig, da sie so ihre Abhängigkeit von ausländischen Märkten reduziert und ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber geopolitischen Risiken und Preisschwankungen stärkt. Die Förderung der lokalen Produktion erhält Arbeitsplätze in der Landwirtschaft, stärkt die ländlichen Regionen und verringert gleichzeitig die Umweltbelastung durch lange Transportwege.

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Die Rolle der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) bei der Sicherung der Ernährungssicherheit

Die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) der Europäischen Union spielt eine zentrale Rolle bei der Förderung der Ernährungssicherheit. Durch finanzielle Anreize unterstützt sie die Landwirte bei der nachhaltigen Lebensmittelproduktion, der Einführung neuer Innovationen und der Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit. Mit Maßnahmen zum Schutz der natürlichen Ressourcen und zur Förderung der Hofnachfolge sichert die GAP langfristig die Vitalität der europäischen Landwirtschaft.

Die GAP 2023–2027 setzt dabei konkrete Schwerpunkte zur Stärkung der Selbstversorgung. Hierzu gehören die Förderung einer vielseitigen Produktion, der Ausbau des ökologischen Landbaus, die Reduzierung der Lebensmittelverschwendung sowie der Einsatz neuer Technologien, die Landwirten helfen, ihre Ressourcen effizienter zu nutzen. Diese Maßnahmen machen die Betriebe widerstandsfähiger und steigern die Produktion hochwertiger Lebensmittel, was zur Ernährungssicherheit der EU beiträgt.

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Ein Beispiel guter Praxis: der Bio-Betrieb Erhatič in Osluševci

Der Hof Erhatič aus Osluševci in der Slowenischen Steiermark bewirtschaftet seit zwölf Jahren ökologische Legehennenhaltung und produziert jährlich rund 700.000 Eier. Blaž Erhatič übernahm den Hof als junger Betriebsnachfolger und errichtete mit Unterstützung der GAP eine nachhaltige und tierfreundliche Haltung.

Die Eier stammen aus lokaler Produktion und natürlicher Fütterung, was ihre hohe Qualität garantiert und die stabile Versorgung des slowenischen Marktes sichert. Der Hof beliefert unter anderem auch lokale Restaurants, Kindergärten und Schulen. Durch solche Betriebe unterstützt die EU die Selbstversorgung, reduziert die Importabhängigkeit und stärkt die Ernährungssicherheit – ein besonders wichtiger Faktor in Zeiten globaler Unsicherheiten.

Gemeinsame Verantwortung und die Zukunft der Ernährungssicherheit

Die Ernährungssicherheit hängt jedoch nicht nur von den Landwirten und politischen Maßnahmen ab. Auch die Verbraucher tragen mit bewussterem Einkaufsverhalten, der Vermeidung von Lebensmittelverschwendung und der Unterstützung lokaler Erzeuger zu einem selbstversorgten und widerstandsfähigen Europa bei.

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Das Engagement für Ernährungssicherheit bedeutet weniger Anfälligkeit gegenüber globalen Krisen, stabilere Lebensmittelpreise und einen nachhaltigen Umgang mit unseren natürlichen Ressourcen. Mit der GAP und anderen Maßnahmen gestaltet die EU eine Zukunft, in der die Ernährungssicherheit für alle Generationen gewährleistet ist – unabhängig von den Herausforderungen durch Klimawandel oder internationale Politik.

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