Die ministeriellen Pläne, dass Flugverbindungen zwischen Graz und Wien nach Inbetriebnahme des Semmering-Tunnels im Jahr 2030 Geschichte sein sollen, lassen in den Reihen der steirischen Wirtschaft die Alarmglocken läuten. Dort wird auf die volkswirtschaftliche Bedeutung eines Regionalflughafens als „Tor der Steiermark“ verwiesen.
Gerade ein Standort, der zu über 50 Prozent von Exporterfolgen abhängig ist, brauche eine gute, schnelle und regelmäßige Anbindung an ein internationales Drehkreuz wie Wien. Die angedachte Streichung, der zu fast hundert Prozent Zubringerflüge würde demzufolge einen Verlust an Wertschöpfung im Inland zur Folge haben – ohne den erhofften ökologischen Effekt. Denn eine Verlagerung der jährlich bis zu 60.000 Passagiere auf die Bahn werde auch nach Fertigstellung des Semmering-Tunnels „nur zu einem äußerst geringen Teil erfolgen“, ist WKO Steiermark-Präsident Josef Herk überzeugt. Laut Schätzungen des Flughafens Graz würden 80 Prozent aufs Auto statt auf die Bahn umsteigen – auch weil es beispielsweise für die wichtigen Tagesrandverbindungen, die ab sieben Uhr in der Früh in Wien starten, realistischerweise keine Anreisemöglichkeit aus Graz mit der Bahn geben wird. „Der Großteil der Passagiere würde ab Graz über andere Umsteigeflughäfen außerhalb Österreichs ausweichen oder mit dem Auto Abflughäfen wie Laibach oder Zagreb anfahren“, so Herk: „Die Wertschöpfung fließt damit aus Österreich ab, die CO2-Emissionen werden lediglich verlagert, aber nicht eingespart.“
Dass die sogenannte multimodale Erreichbarkeit ein Schwachpunkt der Wirtschaftsregion Südösterreich ist, hat zuletzt auch eine Studie von Joanneum Research ergeben. Unter anderem wird diesbezüglich auch auf die den Anforderungen nachhinkende Straßeninfrastruktur verwiesen. So ist der Ausbau der A 9 südlich von Graz zwar beschlossen, wird von der zuständigen Ministerin aber blockiert; jener der S 37 wird seit Jahren massiv verzögert. Zudem ungehört blieben bislang die steirischen Rufe nach dem Bau eines Bahnhofs am Flughafen Graz, um die Attraktivität und Zukunftsfähigkeit des Standorts Steiermark zu gewährleisten.