Am frühen Dienstagvormittag wurden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter informiert, kurz darauf folgte der Antrag auf Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung, die noch am selben Tag am Landesgericht in Graz eröffnet wurden. Zwei Schlüsselgesellschaften des traditionsreichen Möbelspezialisten ADA (steht als Kürzel für Alois Derler Anger) mit Hauptsitz in Anger sind insolvent. Konkret handelt es sich um die ADA Möbelfabrik GmbH sowie die ADA Möbelwerke Holding mit Hauptsitz in der Oststeiermark und Büro- und Produktionsstandorten in Raaba und Anger sowie in Ungarn und Rumänien.
Zum Insolvenzverwalter bei der ADA Möbelfabrik GmbH wurde die Grazer Rechtsanwaltskanzlei Kaan Cronenberg mit Philipp Casper bestellt. Bei der ADA Möbelwerke Holding AG ist es die Kanzlei Aschmann & Pfandl mit Christian Pfandl und Barbara Schmid.
Zusammengenommen liegt der Schuldenstand der Gesellschaften bei knapp 30 Millionen Euro. In der Steiermark sind rund 180 Beschäftigte von der Insolvenz betroffen, deren Gehälter seien durch den Insolvenz-Entgelt-Fonds (IEF) abgesichert, wie das Unternehmen mitteilt. Am heutigen Mittwochvormittag stehen in Anger und in Raaba Betriebsversammlungen bevor, wie Andreas Linke, Landesgeschäftsführer der Gewerkschaft Bau-Holz betont. Dabei wird es auch um die Frage gehen, wie es nun mit den Unternehmen weitergehen soll. Ziel sei es nun, „wesentliche Teile der Unternehmensgruppe fortzuführen; parallel dazu werden derzeit Gespräche mit strategischen Investoren geführt“, hieß es am Dienstag seitens des Unternehmens.
Der Zeitplan für das Sanierungsverfahren
Anmeldeschluss für die Gläubigerforderungen ist nach Angaben der Gläubigerschutzverbände KSV1870 und AKV bei der ADA Möbelfabrik GmbH der 23. April. Die Berichts- und Prüfungstagsatzung wurde für 7. Mai, 13 Uhr, terminisiert; die Sanierungsplantagsatzung, gewissermaßen der Tag der Wahrheit, für den 18. Juni um 10:30 Uhr. Bei der Holding läuft die Anmeldefrist für Gläubiger bis 28. April. Die Berichts- und Prüfungstagsatzung geht am 12. Mai um 10:15 Uhr über die Bühne, die Sanierungsplantagsatzung am 23. Juni (10:15 Uhr). Die Finanzierung des Sanierungsplans der ADA Möbelfabrik GmbH soll aus der laufenden Fortführung sowie aus der bestehenden Vermögensmasse erfolgen. „Bei der ADA Möbelwerke Holding AG soll der Sanierungsplan aus der Verwertung von einzelnen Assets sowie dem zukünftigen operativen Ergebnis finanziert werden“, teilt der KSV mit.
Einbruch bei Bestellungen
Als Hauptgrund für die notwendige Sanierung wurden „vor allem die negative Marktentwicklung und der Strukturwandel, der die gesamte europäische Möbelbranche erfasst hat“, angeführt. Die „anhaltende Konsumzurückhaltung, der beschleunigte Rückgang des stationären Möbelhandels und ein massiver Konsolidierungsdruck im Markt haben auch die ADA-Gruppe erfasst“, wurde betont. In den vergangenen drei Jahren seien bereits „wesentliche Schritte in die künftige Ausrichtung gesetzt“ worden, um die Gruppe „zukunftsfähig aufzustellen“, wie es heißt. Wie berichtet, ist es zu Kostenoptimierungen, Produktionsanpassungen und strategischen Neuausrichtungen gekommen. Doch seit dem Jahreswechsel habe sich der Bestelleingang „um durchschnittlich 20 Prozent unter den Erwartungen“ entwickelt. Der Beschäftigtenstand ist in den vergangenen Jahren bereits sukzessive gesunken.