Nach gerade einmal zwei Jahren, fast auf den Tag genau, sperrt Christoph Ulz seinen Nah&Frisch-Supermarkt in Ottendorf an der Rittschein zu. „Wir haben am 29. Februar 2024 im Schaltjahr aufgesperrt“, erklärt der Kaufmann seinen Anfang in der Gemeinde. Den Supermarkt selbst gibt es ihmzufolge seit den 1980er-Jahren, auch ein Spar war hier einmal.
Am 28. Februar 2026 soll nun Schluss sein. Für Christoph Ulz ist es die zweite Filiale in der Region, die er zusperrt. „Vorher war ich noch fünf Jahre in Riegersburg“, dieses Geschäft hat er Anfang 2025 aufgegeben.
Ein Hauptgrund dort wie hier: „Die Fixkosten, die von Jahr zu Jahr steigen.“ Gemeint sind etwa Personalkosten, die Miete oder auch die Energiekosten. All das würde sich summieren, gleichzeitig sei es aber nicht leicht, diese steigenden Kosten wieder hereinzuwirtschaften. An guten Tagen hat Ulz zwar „bis zu 200 Kunden“, allerdings sei das bezogen auf die langen Öffnungszeiten nicht viel.
Kaufmann in schwierigen Zeiten
Dabei ist Ulz kein Quereinsteiger: „Ich bin im Grunde nach der Handelsschule sofort in den Lebensmitteleinzelhandel eingestiegen“, erklärt der gebürtige Gleisdorfer. Zunächst war er im Rewe-Konzern tätig, später im Großhandel. Vor rund sechs Jahren hat er sich selbstständig gemacht – ausgerechnet während der Corona-Pandemie.
Notwendige Umbauarbeiten, um die Sicherheit für die Kunden zu erhöhen, habe er aus eigener Tasche geleistet: „Wir haben viel Arbeit gehabt, aber das Problem war, dass die Lebensmittelhändler null Unterstützung gehabt haben“, so Ulz. Heute sei es die steigende Inflation und der Vorwurf, Lebensmittelhändler würden daran verdienen, der das Ansehen der Branche in der Bevölkerung schmälere.
Schmale Gewinnspanne, Konkurrenz in der Nähe
Aus seiner Sicht seien viele Lebensmittel im Preis nicht wirklich gestiegen und noch so „wie vor 25 Jahren“. Dass das so nicht ganz richtig ist, zeigt ein Blick auf das Preisradar der Statistik Austria, das die Preisentwicklung vieler Lebensmittel sichtbar macht.
Zudem gebe es in Ottendorf kaum mehr als 20 Haushalte, die für schnelle Einkäufe vorbeikommen. Allen anderen sei es egal, „ob sie jetzt fünf Kilometer in die Richtung oder die andere fahren“, also nach Ilz (Spar, Hofer, Nah&Frisch) oder Hartmannsdorf (Spar). Und dennoch: Für einige Kunden und die drei verbliebenen Mitarbeiterinnen ist es „sehr schade“, dass die Filiale schließen wird.