Bei der jüngsten Gemeinderatswahl hat die Brucker SPÖ ein blaues Wunder erlebt. Erstmals nach Jahrzehnten hat man in der Kornmesserstadt das Bürgermeisteramt verloren, die amtierende Stadtchefin Andrea Winkelmeier musste den einflussreichen Posten an Susanne Kaltenegger abtreten. Die Spitzenkandidatin der ÖVP ging mit Raphael Pensl von der FPÖ eine Koalition ein.
Damit verfügt sie über eine relative Mehrheit, wenngleich die SPÖ prozentual nach wie vor stimmenstärkste Partei in Bruck ist. Am Donnerstag, 26. März, sollen bei einer Gemeinderatssitzung nun endgültig die personellen Weichen für einen Neustart der Partei gestellt werden: Andrea Winkelmeier zieht sich als Vizebürgermeisterin aus der Politik zurück; Gregor Tuttinger, bisher im Stadtrat, soll das Amt annehmen. So weit der Wahlvorschlag.
SPÖ „verliert“ Mandat im Gemeinderat
Die Gespräche liefen bis zuletzt auf Hochtouren, als eine Nachricht aus gut informierten Kreisen die Kleine Zeitung erreichte: So ganz sind doch nicht alle mit dem neuen Kurs, insbesondere mit dem designierten Vizebürgermeister der SPÖ, einverstanden. Angeblich hätte Sportreferent Gerald Knauß selbst Ambitionen auf dieses Amt gehabt. Er war am Abend telefonisch nicht erreichbar.
Die Konsequenz bestätigt dafür Tuttinger: Knauß sei sowohl aus der Partei als auch aus der SPÖ-Fraktion ausgetreten. Warum genau? „Es gab inhaltlich Differenzen“, will Tuttinger nicht näher darauf eingehen. Was ihn durchaus schmerzt: Knauß kehrt zwar der Gesinnungsgemeinschaft den Rücken, wird aber sein Mandat im Gemeinderat behalten.
„Wilder Abgeordneter“
Damit hat die SPÖ de facto einen Gemeinderat weniger in ihrer Runde und muss die übrige Periode auf ein Mandat verzichten. Ganz neu ist diese Situation für die Partei nicht: Schon der langjährige Finanzstadtrat Werner Anzenberger verblieb nach Turbulenzen um das Budget als wilder Abgeordneter im Gemeinderat. Die Partei warf ihn 2024 nach Differenzen aus der Fraktion. Pikant: Er wollte damals einen strengeren Sparkurs fahren und etwa das Eisstadion schließen.
Ansonsten hofft die SPÖ, dass bei der Wahl zum Vizebürgermeister alles glatt geht: Spannend wird es jedenfalls, denn man braucht für den Wahlvorschlag eine Mehrheit und damit Stimmen anderer Parteien. Gesetzt sind jedenfalls Tuttinger als Vizebürgermeister, in den Stadtrat soll Karl-Heinz Müller nachrücken, Elena Schweida in den Gemeinderat.
Verkauf der Stadtwohnungen
Ebenfalls spannend: Im nicht öffentlichen Teil soll‘s um den Verkauf der Stadtwohnungen gehen. Für kommenden Freitag wurde in dieser Sache bereits eine Pressekonferenz der Stadt anberaumt.