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Bruck an der Mur

Einzigartige Malereien in Kapelle in Bruck entdeckt

Die bauhistorische Untersuchung der spätgotischen Heiligen-Geist-Kapelle in Bruck brachte nun unbekannte Wandmalereien und Inschriften zutage. Auch von ihrer Architektur her ist die Kapelle mit keiner anderen in Europa vergleichbar.

© Franz Pototschnig
 

Ihre architektonische Gestalt ist außergewöhnlich und laut Experten europaweit beispiellos: die spätgotische Heiligen-Geist-Kapelle in Bruck an der Mur. Seit zwei Jahren setzt sich die Familie Harnoncourt - unter ihnen Dirigent Nikolaus und der Theologe Philipp Harnoncourt - für ihre Renovierung ein. Die bauhistorische Untersuchung brachte nun unbekannte Wandmalereien und Inschriften zutage, wie am Dienstag bekannt gegeben wurde.

Die Kapelle im Süden der Stadt Bruck ist eine Besonderheit der spätgotischen Sakral-Architektur: Der Grundriss ist ein gleichseitiges Dreieck mit abgeschrägten Ecken, das Gebäude hatte drei gleichrangige Portale und darüber ebenso gleich große Fenster. Im Inneren befanden sich drei kleine Altäre, die jedoch im Zuge der Profanierung 1794 entfernt wurden. Ein Sternrippengewölbe überspannt den gesamten Innenraum. "Europaweit gibt es keinen vergleichbaren Bau", so der Grazer Theologe Philipp Harnoncourt über das Gebäude, das seit 1955 im Eigentum der Stadt Bruck/Mur steht.

Harnoncourt hat 2011, nachdem er auf das zwischen 1495 und 1497 errichtete Baudenkmal aufmerksam geworden war, einen Förderverein und eine Rettungsaktion ins Leben gerufen. Mittlerweile hat der Gemeinderat der Stadt einer Renovierung grundsätzlich zugestimmt und die Untersuchung der Bausubstanz finanziert, die interessante Details hervorbrachte: Inschriften, Wappen und weitere dekorative Wandmalereien.

Laut dem Grazer Bauforschungsbüro Zechner habe man besonderes Augenmerk auf jene Bauzonen gerichtet, die verändert wurden als man nach der Profanierung 1794 Zwischengeschoße in den Kapellenraum einzog, um ihn als Wohn- und Gasthaus zu nutzen. Neben originalen bisher verdeckten Architekturelementen sei man u.a. auf "zahlreiche historische Putz- und Farbfassungen, Wandmalerei-Inschriften" gestoßen. Vor allem von den Inschriften, die weiter freigelegt werden sollen, erhofft man sich weitere Erkenntnisse über die Entstehungsgeschichte und die Bauherren. Die Erforschung der Kapelle sei daher "nicht am Ende, sondern gerade erst am Anfang".

Philipp Harnoncourt zeigte sich besonders über die erhobenen guten statischen Verhältnisse der Kapelle erfreut: "Das Gebäude scheint stabil und fest zu sein, sodass wir daran denken können, das ursprüngliche Raumgefüge wieder herzustellen". Basierend auf den Untersuchungsdaten werde jetzt ein Kostenvorschlag für die Renovierung erstellt. "Dann können wir uns konkret um die Suche nach Sponsoren aus der Wirtschaft machen", so Harnoncourt, der überzeugt ist: "Was sechs Bürgern der Stadt vor mehr als 500 Jahren so eindrucksvoll gelungen ist, muss auch heute möglich sein, wenn sich wiederum unternehmerische Persönlichkeiten zum gemeinsamen Werk entschließen", so Harnoncourt.

Geht es nach dem Obmann des Fördervereins, sollten die ersten Rückbauten in Abstimmung mit dem Bundesdenkmalamt noch in diesem Frühjahr beginnen. Der Theologe hat bereits einen Vorschlag zur Revitalisierung der Kapelle erarbeitet - als "Denkmal für die Umwelt - Erde, Wasser, Luft".

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