Es war eine würdige, interessante und humorvolle Zertifizierungsfeier im Pavillon des Nationalparks Gesäuse in Gstatterboden. Dort nahmen am Dienstag Delegationen des Naturnachtgebiets Eisenwurzen, das nicht weniger als 20 Gemeinden in drei Bundesländern umfasst, offiziell die international begehrte Zertifizierung „Dark Sky Reserve“ entgegen: und das mit sichtlicher Freude.
Das Naturnachtgebiet hat gewaltige Ausmaße, ist das viertgrößte in Europa und liegt weltweit auf Platz zehn. Es umfasst exakt 2396 Quadratkilometer, das ist mehr als fünfmal die Fläche Wiens. Davon sind wiederum 975 Quadratkilometer streng geschützte Kernzone mit besonderen Schutzvorkehrungen zur Sicherstellung der Dunkelheit der Nacht. Die beteiligten Schutzgebiete sind die Nationalparks Gesäuse und Kalkalpen, der Natur- und Geopark Steirische Eisenwurzen, die Naturparks Niederösterreichische Eisenwurzen und Ötscher-Tormäuer sowie das Wildnisgebiet Dürrenstein-Lassingtal.
Bündelung der Kräfte
Als Projektmanagerin für das Naturnachtgebiet und seine Zertifizierung fungiert Julia Kaufmann vom Natur- und Geopark Steirische Eisenwurzen, die das Kunststück zuwegebrachte, zwanzig Gemeinden rasch und koordiniert auf die zu erreichenden Ziele einzuschwören und in Rekordzeit die nötigen lichtvermindernden Maßnahmen zu setzen. „Sie hat schon als Kind ein Zimmer mit Sonne-Mond-und-Sterne-Tapeten gehabt und war prädestiniert für die Aufgabe“, scherzte ihr Naturpark-Chef Oliver Gulas-Wöhri, der mit ihr gemeinsam humorvoll durch den Abend führte.
„Bei den dunkelsten Regionen Mitteleuropas“
Astrophysiker Stefan Wallner überreichte im Namen von Dark Sky International die Zertifizierungsurkunden. „Unsere Messungen zeigen eindeutig: Das Naturnachtgebiet Eisenwurzen gehört zu den dunkelsten und naturnahsten Regionen Mitteleuropas. Hier ist die Milchstraße in ihrer vollen Pracht sichtbar. Ein Anblick, der im zunehmend erhellten Europa immer seltener wird“, so Wallner.
Valerie Zacherl-Draxler, im Klima- und Umweltschutzministerium für Nationalparks, Natur- und Artenschutz zuständig, war extra angereist. Der Begriff Licht sei ja kulturhistorisch eigentlich positiv besetzt. Aber wie immer sei es eine Frage der Dosis, meinte sie. Der steirische Naturschutzlandesrat Hannes Amesbauer war durch „Doktor Night“ Stefan Wallner zum ersten Mal „mit dem Thema in Berührung gekommen. Wenn man sich damit beschäftigt, ist das wirklich faszinierend und spannend. Der Blick in den klaren, unberührten Sternenhimmel gehört zu den eindrucksvollsten Naturerlebnissen überhaupt.“
Zusatzprogramme kommen
Saisonale Veranstaltungen und geführte Programme, Astrofotografie-Workshops, Kino und Sterne-Abende, „Geräusche der Dunkelheit“, Nachterlebnisse und besondere Sternschnuppenfahrten sollen künftig die Möglichkeit bieten, die nächtliche Artenvielfalt der Region und ihren sternenklaren Himmel zu erleben. Mehr als 50 Angebote, auch mit kulinarischer Begleitmusik, sind allein für heuer schon in Vorbereitung, erzählte Jaqueline Egger, Geschäftsführerin des Tourismusverbands Gesäuse.
Dunkelheit ist fundamentales Bedürfnis
Ein Zurückdängen der zunehmenden Helligkeit in der Nacht sei, so Wallner, fundamental wichtig für die menschliche Gesundheit sowie die Tier- und Pflanzenwelt. „Über Jahrtausende haben sich Lebewesen dem natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus angepasst. Tier- und Pflanzenwelt sowie die menschliche Gesundheit benötigen die natürliche Dunkelheit. Lichtverschmutzung, ein junges, aber rapide zunehmendes Phänomen, zählt zu den unterschätztesten Umweltgefahren unseres Planeten“, weiß der Experte.
Maßnahmen müssen nicht teuer sein. „Wir haben geschaut, wie wir mit der Beleuchtung herunterkommen und wo wir sie in der Nacht überhaupt abdrehen können, bis auf jene Bereiche, wo man gesetzliche Vorgaben hat. Dreißig Prozent waren da gleich einmal drinnen“, erzählte Admonts Bürgermeister Christian Haider bei der Zertifizierungsfeier.