Michael Raffl will es noch einmal wissen. Vielleicht auch, um Frieden zu schließen. Seine außergewöhnliche Karriere, die ihm 629 Einsätze in der NHL brachte (Philadelphia, Washington, Dallas), führte ihn 2022 in die Schweiz. Genauer gesagt zu Lausanne. Doch bei den Waadtländern schien sein Engagement von Anfang an unter einem schlechten Stern zu stehen. Immer wieder ereilten ihn Verletzungen, sowie Pech im Finale 2024 (als er gegen Vinzenz Rohrer und ZSC im Finale gescheitert war). Zuletzt fiel er erneut monatelang aus, musste sogar operiert werden.
Wer den 36-jährigen Villacher jedoch kennt, weiß: Er blieb trotz aller Widrigkeiten fokussiert und motiviert bis zu den Haarspitzen. In seinem Comeback-Spiel zuletzt, seinem 62. National League-Auftritt – Lausanne fertigte Kloten mit 6:1 ab – trug er sich umgehend in die Scorerliste mit einem Assist ein. „Es tut richtig gut, wieder dabei zu sein. Wenn man lange verletzt ist, die Mannschaft so einen Lauf hat, ist es schwierig, sofort den Rhythmus zu finden. Mir haben die letzten Trainings in der Liga-Pause geholfen. Aber klar, man ist vor einem persönlich wichtigen Spiel ein bisschen nervös“, erzählt der Lausanne-Kapitän.
Doch die Häufung und Wiederkehr seiner Verletzungen haben ihn nachdenklich gestimmt. „Ich werde nie wieder schmerzfrei spielen können. Es geht mir schon seit längerer Zeit besser, aber ich musste mich an den Gamespeed herantasten. Vom Knie kam keine Reaktion. Ich muss mittlerweile echt vorsichtig sein, dosiere die Belastung in den Trainings. Ich durfte eben nicht zu schnell wieder einsteigen – speziell mit Blick auf das Play-off“, verrät Raffl. Denn Lausanne lacht aktuell von der Tabellenspitze, feierte zuletzt fünf Siege en suite. Und verfügt über einen hochkarätigen Kader (u.a. mit Topscorer Antti Suomela). Nach der Finalniederlage hat er hinsichtlich Meistertitel noch eine Rechnung offen. Raffl: „Aber machen wir uns nichts vor: Da muss alles passen. In dieser Liga läuft alles so eng ab. Und Play-off ist Play-off.“
„Kasper wäre ein guter Villacher“
Als ehemaliger NHL-Österreicher lässt er die heimischen Zukunftshoffnungen in der besten Eishockey-Liga der Welt natürlich nicht aus den Augen. „Marco Rossi spielt ein unglaubliches Hockey, scort laufend und verfügt mit Kaprizov über einen richtig starken Sturmkollegen. Sein Vertrag läuft ja aus. Er hätte sich einen guten Vertrag mit ordentlichem Gehalt verdient“, konstatiert Raffl. Begeistert zeigt er sich zudem von Marco Kasper, den er als „kleine Katze“ bezeichnet und mit dem er im Sommer öfters Trainingseinheiten abspult. „Ein richtig geiler Typ. Im Stickhandling und eisläuferisch ist er top. Er spielt hart, fällt auf, wenn er das Eis betritt, kann eine ‚Kretzn‘ sein – er wäre ein guter Villacher“, meint er schmunzelnd.
Apropos VSV: Die Auftritte der diesjährigen Adler sorgen bei ihm für Freude: „Es herrscht eine so gute Stimmung. Ich war ja mit den Boys auf dem Eis, in der Kabine. Hab mir zu Weihnachten in der Heimat ein Spiel angesehen. Mir gefällt auch, wie der Trainer (Tray Tuomie, Anm.) arbeitet. Egal, ob bei den Niederlagen zum Saisonstart, oder jetzt: Er ist immer gleich, hat vom Gemüt gut gewirkt, schätzt die Lage richtig ein.“
Mit Saisonende läuft sein Lausanne-Vertrag aus. Und dann? „Ich muss auf meinen Körper hören, schauen, wie es mit dem Knie läuft. Die letzten Jahre waren hart. Und irgendwann muss man auch einsehen, wenn es nicht mehr geht.“ Ob damit ein Karriereende im Raum steht? „Das will ich nicht jetzt entscheiden. Aber irgendwann wird es definitiv dazu kommen.“ Fix für ihn ist, dass ein WM-Einsatz in Stockholm nicht mehr in Frage kommt. „Diese Art der Experimente sind vorbei. Ein WM-Turnier schaffe ich körperlich nicht mehr.“