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Für Samstag geplanter Künstlerprotest in Wien abgesagt

Die für Samstag in Wien geplante Protestaktion "Kunstgebung", mit der auf den anhaltenden Lockdown im kulturellen Sektor aufmerksam gemacht werden sollte, wurde abgesagt. Grund dafür sind die am Mittwoch bekannt gegebenen Verschärfungen im Osten Österreichs. Die veranstaltende Plattform "Dialog der Kreativität" unterstrich aber die schon bisher geäußerten Forderungen nach einer Öffnungsperspektive. "Wir lassen uns nicht den Schwarzen Peter zuschieben", so Gernot Kranner.

© APA (dpa)
 

Der Sänger und Schauspieler, der gemeinsam mit Gerhard Ruiss von der IG Autorinnen Autoren federführend den Künstlerprotest organisiert hat, betonte in einer Online-Pressekonferenz am Donnerstag: "Kunst und Kultur müssen die ersten sein, die wieder aufsperren dürfen, sobald die Infektionszahlen sinken." Die "Kunstgebung" wolle man jedenfalls zu einem späteren Zeitpunkt nachholen.

"Wir haben das ja nicht aus Jux und Tollerei geplant", ergänzte Ruiss, "und wir verschieben es auch nicht aus Jux und Tollerei. Jenseits aller Unterstützungsmaßnahmen gibt es ein Element, das zunehmend verschwindet, das wir aber wieder sichtbar machen wollen: nämlich die Kunst selbst." Die "Kunstgebung" war als Stationstheater durch die ganze Stadt konzipiert. "Wir sind Teil des öffentlichen Lebens", so Ruiss. "Wenn das aber wieder zugesperrt wird, können wir nicht ein gegenteiliges Signal verantworten", erklärte er die Verschiebung.

Deutlich machten die beiden Kunstvertreter aber auch: "Das bedeutet keinen Verzicht auf nichts!" Kunst und Kultur seien als erstes zugesperrt worden und bisher stets die letzten, die wieder aufsperren durften. "Bereits seit 3. November ist der Veranstaltungssektor durchgehend geschlossen. Das ist für die meisten unerträglich. Wir sind aktuell nur Proben-Weltmeister, aber das alleine ist zu wenig", betonte Ruiss. "Wir brauchen eine neue Perspektive."

Ein Gespräch mit Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer (Grüne) sowie Vertretern des Gesundheitsministeriums diese Woche habe zeigt, "dass wir dem Gesundheitsministerium unbekannt sind", gab Ruiss zu bedenken. "Sie wissen nicht, wer wir sind, was wir brauchen und worum es uns geht." Es benötige aber "ganz konkrete Handlungen", um Künstlerinnen und Künstlern das Ausüben ihres Berufes wieder zu ermöglichen. "Wir fordern das auf verschiedenen Ebenen ein." Ein nächster Gesprächstermin soll direkt nach Ostern über die Bühne gehen.

Gleichzeitig verwies Ruiss auf beispielsweise in Berlin bereits durchgeführte Pilotprojekte von wissenschaftlich begleiteten Kulturveranstaltungen mit Publikum. "Wieso kann das Wien, Linz, Salzburg oder Graz nicht?" Jetzt wäre der passende Zeitpunkt, um solche Vorhaben anzudenken und aufzusetzen. "Es gibt ganz viele Möglichkeiten für eine geordnete Öffentlichkeit", bezog er sich auf Publikumsströme vor und nach Veranstaltungen. "Aber den politischen Willen dazu haben wir bisher nicht erkannt."

Seinem Unmut machte auch Musiker und Festivalleiter Robert Lehrbaumer Luft. "Wir leben in einer Phase der Resignation", sagte er. "Wir haben ein Jahr dafür gekämpft, aber man wird müde. Daher müssen wir einander motivieren, laut zu bleiben, sonst verschwinden wir noch mehr von der Bildfläche." Durchgeführte Veranstaltungen im Sommer und Herbst des Vorjahres hätten gezeigt, "was mit den Sicherheitskonzepten zu schaffen ist", so Lehrbaumer. "Wir waren sehr gut besucht und haben keine Infektionen produziert. Wir sind der Vorzeigesektor."

Ob es in anderen Bundesländern am Samstag, dem Welttag des Theaters (27. März), trotzdem zu Protestaktionen kommt, könne man derzeit nicht sagen. Kranner werde sich noch mit seinen Kontakten absprechen. "Es ist die Frage, wie sie ihre jeweilige Lage einschätzen, ob vielleicht doch etwas durchführbar ist." Ruiss geht jedenfalls von einer durchaus aktiven Künstlerschar aus: "Dort, wo es möglich sein wird, werden sich die Kolleginnen und Kollegen das nicht nehmen lassen wollen."

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