Sterbehilfe-Urteil: Schönborn warnt vor Druck auf Ältere

Das Sterbehilfe-Urteil des Verfassungsgerichtshofes (VfGH) stößt vor allem in der katholischen Kirche auf große Kritik. Am Sonntag warnte Kardinal Christoph Schönborn in der "Kronen Zeitung" davor, dass der Druck auf alte und kranke Menschen stärker werde, "sich durch einen Suizid selber aus dem Weg zu räumen". SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner forderte unterdessen die Regierung auf, die Bestimmungen zur Beihilfe zum Selbstmord "solide zu reparieren".

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Er hofft, dass das Parlament "mit Weisheit nach guten Lösungen sucht" und Hospiz- und Palliativeinrichtungen ausgebaut werden, "dass das Töten nicht zur Routine wird", so Schönborn "Wenn jemand von der Brücke springen will, wird man versuchen, ihn davon abzuhalten. Soll es jetzt erlaubt sein, ihm den letzten Schubs zu geben? Und dass alle das gut finden?" zeigte sich Schönborn höchst kritisch gegenüber dem VfGH-Spruch. Er räumte ein, dass es "unerträgliche Situationen gibt, wo Schwerkranke sich den Tod wünschen". Doch die "wirklich menschliche Antwort" darauf sei "Nähe, Schmerzlinderung, Zuwendung".

Äußerst deutliche Worte wählte Schönborns Pressesprecher Michael Prüller. "Seien wir realistisch: Der Damm ist gebrochen. Ob man das nun als Erleichterung ansieht oder wie ich als Bedrohung: Der Weg ist frei für das Töten als anerkannte Option. Mit allen Folgen", schrieb er in einem Kommentar in der "Presse am Sonntag".

Rendi-Wagner lehnt aktive Sterbehilfe als Ärztin ab, aber sie zeigte sich einverstanden, dass die "überschießende Strafbarkeit" für Beihilfe nicht mehr gelten soll. Man müsse konkrete Ausnahmen definieren und Missbrauch ausschließen. Die Regierung forderte sie auf, die Bestimmungen zur Beihilfe zum Selbstmord "solide zu reparieren", nachdem der VfGH die Strafbarkeit (ab 2022) gekippt hat.

"Sehr froh" ist Rendi-Wagner, dass die Strafbarkeit der aktiven Sterbehilfe nicht aufgehoben wurde. Was aber die Beihilfe zum Selbstmord betrifft sei es "inhaltlich nicht nachvollziehbar, wenn Menschen sich strafbar machen können, wenn sie ein Zugticket kaufen für jemanden, der ins Ausland in eine legale Sterbeklinik fährt", sagte sie am Sonntag in der ORF-Pressestunde. Über das neue Gesetz - das die Regierung bis Ende 2021 vorlegen muss - sei eine breite Diskussion mit breitem Konsens nötig. Jedenfalls müssten Schmerz-, Palliativ- und Hospizversorgung flächendeckend ausgebaut werden.

Kommentare (3)
dieRealität2020
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Unterlagen über die Sterbehilfe

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Meine Frau ist diesen Weg gegangen und auch ich besitze einen dementsprechenden Ethikvertrag (allein aufgrund meiener gesundheitlichen Gebrechen) der eigentlich weitaus umfangreichere Bedingungen und Voraussetzung als das sterben in der Palliativmedizin und in der Hospiz-Bewegung dokumentiert.
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.rapidgator.net/file/60a5588a71c06edbca456fc8df2aa4fa/Belgien_Euthanasie.rar.html
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Inhalt:
belgische_gezondheid_dossier_Euthanasie.pdf
belgische_kurzinformation_Euthanasie.rtf
belgisches_staatsblad_Gesetz_zur_Euthanasie.pdf
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Bei der Frage an einer Vielfalt von Gegner in den letzten 10 Jahren: kennen sie, wem der Sterbehilfe in Anspruch nimmt, kennen sie einen Angehören von einer mit Sterbehilfe verstorbenen Menschen, kenn sie die Leiden dieser Menschen? Kenne sie die in Belgien ausgewiesenen Ethikverträge? Dann sind sie eingeknickt und mussten sagen NEIN.

Mezgolits
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Äußerst deutliche Worte wählte Schönborns Pressesprecher Michael Prüller.

Der Weg ist frei für das Töten als anerkannte Option. Mit allen Folgen"; schrieb er in
einem Kommentar in der "Presse am Sonntag". - Vielen Dank und ich schreibe eben-
falls einen Kommentar am Sonntag - allerdings in der "KLEINE ZEITUNG" und zwar,
weil auch der Herr Pressesprecher, das verfassungsgerichtliche Sterbehilfe-Urteil:
Nicht verstanden hat, weil der StGB § 77 = Tötung auf Verlangen, unverändert ge-
blieben ist = das Töten auf Verlangen bleibt gleich strafbedroht = uninteressan-
te Option - aber mit diesen Folgen: Die unberechtigten Strafandrohungen für
berechtigte Selbsterlösungen wurden verboten. Erfinder Stefan Mezgolits

Mezgolits
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Soll es jetzt erlaubt sein, ihm den letzten Schubs zu geben?

Vielen Dank - ich meine: Unser Herr Kardinal, hat das unausweichliche Sterbehilfe-
Urteil: Nicht verstanden = NEIN = Die Tötung auf Verlangen = StGB § 77: Bleibt so wie
bisher: Mit sechs Monaten bis zu fünf Jahren Haft strafangedroht - aber den Schalter
für die Betätigung zu geben - ist erlaubt worden = die Hilfe zur Selbsthilfe. Erfinder M