1948-2021Ex-Innenminister Caspar Einem (SPÖ) verstorben

Der ehemalige Innenminister und Vizepräsident des Forums Alpbach wurde 73 Jahre alt.

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Noch vor zwei Wochen war Caspar Einem Teil des Forums Alpbach, als dessen Vizepräsident er fungierte
Noch vor zwei Wochen war Caspar Einem Teil des Forums Alpbach, als dessen Vizepräsident er fungierte © APA/Roland Schlager
 

Der ehemalige Innenminister und SPÖ-Politiker Caspar Einem ist tot. Das meldet der "Standard" am Donnerstagabend.

Auch ein langjähriger Weggefährte des prominenten Politikers berichtete der APA vom Ableben des Sohns des Komponisten Gottfried von Einem. Erst vor wenigen Tagen war Einem noch beim Forum Alpbach, dessen Vizepräsident er lange Jahre war, aufgetreten.

Der letzte linke Innenminister

Einem, der eigentlich einem bürgerlichen Haushalt entstammte, galt in der SPÖ lange als Paradelinker. Erstmals einer breiteren Öffentlichkeit bekannt wurde er als Staatssekretär unter anderem für Beamtenagenden im Jahr 1994. Die turbulente Zeit begann aber danach, als Einem Innenminister wurde. Diese Zeit war von Machtkämpfen mit der Exekutive und dem Briefbomben-Terror von Franz Fuchs gekennzeichnet. Dessen Festnahme verbuchte dann schon Nachfolger Karl Schlögl, während Einem ins Wissenschafts- und Verkehrsressort gewechselt war.

Nach dem Aus der Großen Koalition ging er ins Parlament, wo er im SPÖ-Klub unter anderem als Europasprecher fungierte. Aus der Politik zog sich Einem schließlich 2007 zurück. Damals wurde er zum Vorstandsmitglied im Bedarfsflugunternehmen "Jetalliance AG". Vor dem Einstieg in die Politik war der studierte Jurist unter anderem für die OMV im Gasgeschäft tätig gewesen. Auch bei der Austro Control war er aktiv und zwar im Aufsichtsrat.

"Rendi-Wagner hätte nicht umgepolt werden dürfen"

Verdienste holte er sich bei der Aufarbeitung der Geschichte des Bundes Sozialdemokratischer Akademiker (BSA), dem er eine Zeit lang vorstand. Unter Einem wurde die Aufarbeitung der "braunen Flecken", also die Integration ehemaliger Nazis in der Organisation, vorangetrieben.

Zur Parteipolitik äußerte sich Einem, der einst Wunschkandidat der Linken bei der Nachfolge Viktor Klimas war, in den vergangenen Jahren selten. Allzu glücklich war er mit der Performance der Bundespartei aber nicht. So meinte er heuer in einem Interview zur Vorsitzenden Pamela Rendi-Wagner: "Sie hätte nicht umgepolt werden dürfen auf SPÖ-Funktionärin mit Parteisprech."

Einem war verwitwet und Vater eines Sohns.

"Er wird unvergessen bleiben"

Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) meinte am Abend, Einem habe der Republik in einer besonders herausfordernden Zeit als Ressortchef gedient. Er habe im Rahmen eines persönlichen Gesprächs im vergangenen Jahr Einems weitreichende Erfahrungen und Kenntnisse zur Sicherheitspolitik kennen und schätzen lernen dürfen, schrieb Nehammer in einer Aussendung.

Auch zahlreiche SPÖ-Politiker und NEOS-Chefin Beate Meinl-Reisinger kondolierten via Twitter seinen Angehörigen. Wiens Bürgermeister Michael Ludwig nannte Einem einen ausgewiesenen Antifaschisten: "Er wird unvergessen bleiben." SPÖ-Chefin Rendi-Wagner meinte, man trauere "um einen großen Denker und Sozialdemokraten, einen aufrechten Kämpfer für Bildung und Wissenschaft". Einem sei eine Inspiration für viele gewesen. Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) nannte Einem einen "kritischen Intellektuellen", der seine Visionen in der Realität auch gegen Widerstände umsetzen habe wollen.

Kommentare (4)
melahide
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War ein

guter Mann. Prägend war sein „Schiene, statt Verkehrslawine“ in den 90ern.

harri156
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Der letzte sympathische

Innenminister! Ein großer Denker ist nicht mehr….

Irgendeiner
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Ich hatte politisch mit ihm nicht immer Deckung, anderes Lager,

aber ich hätte ihn schon vor vor langer Zeit für Höheres berufen gesehen, ein Mann mit Standpunkt, Charakter und vor allem stichhaltiger Begründung dessen was er sagte,sowas wird aus meiner Sicht hier im Politischen nicht mehr gebaut,es tut mir aufrichtig leid, R.I. P.

Eisenkappler
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Ein Sir von edler, humanitärer Gesinnung ... R.i.p Herr Minister ...

Ich durfte Herrn Dr. Einem als Wissenschaftsminister auf der Philosophenstiege der Universität Wien kurz kennen lernen.
Nach meinem Gruß, bieb der vollkommen allein die Stiege erklimmende Herr Minister stehen und plauderte ungezwungen ein paar Sätze. Als damals recht junger Beamter hat mich dies sehr beeindruckt.
Auch als Flugblätter verteilender Parteiwerber, erlebte ich Herrn Dr. Einem in ungezwungener Volksnähe. Intelligent und schlagfertig parierte er im "Jonas-Reindl" so manchen "tiefen Sager".
Ich bemerkt Ihn noch oft in öffentlichen Verkehrsmitteln, wo Ihn aber erstaunlicher weise fast niemand erkannte.
Seine Ihm eigene Art zuzuhören, ruhig zu argumentieren und so zu antworten, daß niemand verletzt oder beleidigt ist, werde ich sehr vermissen.
Ich verneige mich ...

Gerhard Titze
1230 Wien