Große Protestaktion um 12.05 Uhr"5 nach 12": Gesundheitspersonal legt österreichweit kurz Arbeit nieder

Arbeiten in der Dauerkrise: Das Gesundheitspersonal protestiert heute um 12.05 Uhr österreichweit gegen die "Untätigkeit des Gesundheitsministers und der Regierung".

×
Artikel gemerkt

Gemerkte Artikel können Sie jederzeit in Ihrer Leseliste abrufen. Zu Ihrer Leseliste gelangen Sie direkt über die Seiten-Navigation.

Zur Leseliste
Die größte "Gesundheitskrise seit 100 Jahren" bringt das Personal an ihr Limit
Die größte "Gesundheitskrise seit 100 Jahren" bringt das Personal an ihr Limit © APA/GEORG HOCHMUTH
 

Pflegerinnen, die kündigen, weil sie nicht mehr können, Ärzte im Dauerstress: Die Bediensteten in Gesundheits-, Pflege- und Sozialberufen werden heute eine österreichweite Protestaktion abhalten. Der Titel: "5 nach 12".  Um exakt 12.05 Uhr werden die Beschäftigen gemeinsam für eine kurze Zeit ihre Arbeitsplatz verlassen, um gegen die "Untätigkeit des Gesundheitsministers und der Regierung zu protestieren."

Die "Offensive Gesundheit", ein Verbund aus Arbeiter- und Ärztekammer sowie den Gesundheitsgewerkschaften, hat mehr als 400.000 Beschäftigten dazu aufgerufen. Sie verweisen darauf, dass sich Österreich seit fast zwei Jahren in der größten Gesundheitskrise seit 100 Jahren befinde.

Kritik an der Regierung

Die Regierung habe aber noch immer keine einzige dringend nötige Reformmaßnahme gesetzt, die den Beschäftigten in den Gesundheits-, Pflege- und Sozialberufen ihre tägliche Arbeit spürbar erleichtern würde. "Die Kolleginnen und Kollegen geraten an ihre Grenzen, daher kommt es aktuell zu einer Austrittswelle aus Gesundheits-, Pflege- und Sozialberufen. Wir sind nur so stark wie jeder Einzelne der 400.000 Beschäftigten, daher wollen wir am 10. November gemeinsam unserem berechtigten Unmut Ausdruck verleihen", so die Vertreterinnen und Vertreter der "Offensive Gesundheit".

"Viele unserer Beschäftigten sind bereits jetzt körperlich und
psychisch am Limit", erklärte die "Offensive Gesundheit" in einer
Aussendung. "Emotionale und körperliche Überlastung sind
mittlerweile keine Ausnahme mehr, und wir müssen unsere Kolleginnen und Kollegen davor schützen. Wir brauchen also eine sofortige Entlastung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, um rasch
gegensteuern zu können."

Forderungen nach mehr Lohn, Freizeit und Personal

Bereits vor der Krise habe der Gesundheits-, Pflege- und Sozialbereich unter massivem Personalmangel gelitten. Die Pandemie verschärfe diese Entwicklung noch. Es brauche nicht noch mehr schöne Worte der Politik, sondern endlich eine adäquate Entlohnung, mehr Freizeit und dringend mehr Personal. Zusätzlich brauche es rasch eine grundlegende Ausbildungsreform sowie verbesserte Arbeitsbedingungen, um nicht noch weiter in die gefährliche Versorgungskrise zu schlittern.

Die Vertreterinnen und Vertreter der "Offensive Gesundheit"
wollen mit der Protestaktion ein Zeichen setzen und breites
Bewusstsein für die angespannte Lage im Gesundheits-, Pflege- und
Sozialbereich in Österreich schaffen. Gerichtet ist die Aktion an
alle politischen Verantwortlichen auf Bundes- sowie Landesebene, die für Verbesserungen und Entlastungen im Gesundheitssystem sorgen könnten.

Die Aktion wird auch Druck auf den runden Tisch zum Thema Pflege am 26. November machen. Eine breite Allianz aus Hilfsorganisationen, Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertretern hofft auf einen konkreten Fahrplan für Reformen. Kurzfristig könnten etwa ausgeschiedene Fachkräfte aktiv zurückgeholt und arbeitslose Menschen verstärkt für die Pflege geschult werden. Das könnte aus Sicht der Allianz dem unmittelbaren Personalmangel entgegenwirken.

Kommentare (31)
Bodensee
0
8
Lesenswert?

ich bin KEIN Pfleger..........

.........aber ich bin mehr als nur dafür, dass diese so idealistisch eingestellte und mittlerweile völlig überarbeitete Berufsgruppe mindestens 50% mehr auf ihren Gehaltszetteln stehen hat! Vom heuchlerischen Applaus der Allgemeinheit haben die absolut nichts!

Zuckerpuppe2000
0
13
Lesenswert?

Deshalb

Habe ich gekündigt. War Zahnärztin im Klinikum Klgf. Mannegold war hinterlistig gegenüber dem Personal, es traute sich kaum jemand aufzumucken. 10 - 12 Std. arbeiten war ganz normal. Ich hoffe das Personal wehrt sich endlich mal richtig, aber leider gibt es einige dabei, die voll hinter der KH Leitung stehen und sich einen ( wird eh nicht passieren) Vorteile erhoffen.

Hildegard11
1
19
Lesenswert?

Die Unfähigkeit einer Bundesregierung..

..offenbart sich halt in solchen Situationen. Bei Schönwetter kann jeder Großsprecher den BK spielen.
Die KaGes in Stmk soll gefälligst die Pflege 500er auszahlen, oder haben das die Bonzen eingestrichen? Spitalskräfte wehrt euch!!

gickigacki
0
25
Lesenswert?

das ist jahrzehntelanges

Missmanagement.

selbstdenker70
1
51
Lesenswert?

..

Um einen Druck aufzubauen ist der Zeitpunkt natürlich optimal. Von mir aus können die Menschen im Pflegebereich, von der Heimpflege bis zur Krankenschwester gerne 30% mehr verdienen. Ich möchte und könnte diesen Job nicht machen. Das System wurde kaputt gespart, ein Dank an die Politiker. Die Bevölkerung wächst, das Gesundheitssystem schrumpft, die Beiträge steigen, die Verwaltung frisst die Mehreinnahmen 1:1 auf, für vernünftige Kassenverträge usw ist kein Geld mehr da, die Beschaffung der Medikamente ist zu teuer und und und.
Die Politiker suchen jetzt natürlich, um vom Versagen abzulenken, in Corona und gleich in der Bevölkerung die Schuldigen, nur ist das Problem schon älter als Corona......

DergeerdeteSteirer
0
10
Lesenswert?

Gut und treffend formuliert,......@selbstdenker70


dies ist ein Umstand der sich jahrzehntelang stetig potenziert, wenn es enger wird wie es nun der Fall ist tritt die Wahrheit zu Tage!!

homerjsimpson
7
30
Lesenswert?

Bitte differenzieren, Ärzte verdienen im Schnitt mehr als gut,

.... wie so oft ist das Problem da eher die Schere zwischen Jungen und "Alten". Pflege müsste jedenfalls auch das Gehalt steigen, aber viel mehr sind die Arbeitsbedingungen zu verbessern, aber das wissen eh alle nur der Politik ist es egal, Schwarz/Rot/Blau sparen da gerne, auch wenn sie anderes behaupten.

Zwiepack
5
40
Lesenswert?

Schützenhofers große Klappe kommt mir hier in den Sinn

Vor einem halben Jahr Impfpflicht & und Neuanstellung nur für Geimpfte im Gesundheitsbereich gefordert - umgesetzt genau gar nix davon!

Mit ein Grund dafür, dass wir heute da sind, wo wir sind, leider auch im Gesundheitsbereich!

Engelchen
20
8
Lesenswert?

Da haben Sie etwas falsch verstanden....

durch seine Initiative werden geimpfte Bewerber den Ungeimpften vorgezogen. Im Moment gibt es mehr Stellen als Bewerber. Gäbe es eine Impfpflicht, würde bis zu 30% des Personal das Handtuch werfen. Zu recht!

Zwiepack
10
13
Lesenswert?

30% der Pfleger wollen sich nicht impfen lassen?

das kann ich nicht glauben und wäre eine Schande für diesen Berufsstand!

pulverl
16
7
Lesenswert?

Was

kann Schützi dafür? Es laufen viele ungeimpft durch die Gegend, obwohl sie sich impfen lassen könnten. Und das Allerwichtigste!!!Wenn es kein praktikables Ausbildungssystem gibt, gibt es auch keine Mitarbeiter. Aber du kannst dich gerne für die schwerste und verantwortungsvollste Arbeit bewerben. Damit würde eine freie Stelle nachbesetzt werden.

Zwiepack
12
16
Lesenswert?

Erstens sind wir nicht per Du

Zweitens ist es geradezu grotesk, im Gesundheitsbereich zu arbeiten und die Impfung zu verweigern, leider gibt es da unterhalb der Ärzte-Ebene zu viele davon im Gesundheitssektor!
Drittens soll man über Entlastung/Entlohnung des Personals schon reden, aber bitte nur für Geimpfte!

eratum
2
55
Lesenswert?

Recht habens

Keine Ahnung warum da noch keine starke Gewerkschaft aufn Tisch haut - Problem ist halt, dass es sowas wie einen Warnstreik nicht geben wird, da es in der Natur der Sache liegt, dass die da Beschäftigten sowas wie ein Verantwortungsgefühl haben. Es werden halt die Beschäftigten wegbrechen. Und dann wars das.
Wenn ich nachdenk, für was bei uns Geld beim Fenster rausgeschmissen wird...

ModellR2d2
2
14
Lesenswert?

Die Gewerkschaft

ist viel zu viel damit zu beschäftigt ihr Vorteile im System zu erhalten bzw. auszubauen und halten den einzelnen Kritiker intern eher gerne still. Solange man im Boot mit der Politik sitzt, schaukelt es sich dort halt sehr angenehm.

Reipsi
9
18
Lesenswert?

Das versteh ich

ein Krampf wird es nur für die ungimpften wenn sie für länger die schwere Arbeit niederlegen, dann können sie sich selbst pflegen , die tun mir nicht a bisserl leid nur die im Spital arbeiten müssen .

pulverl
4
8
Lesenswert?

Ich

hoffe für dich, das du keine Spitalspflege brauchst. Schlaumeier

Bobby_01
3
70
Lesenswert?

Minimum massnahmen

Reduktion der Arbeitszeit auf 35 Stunden und Anhebung des Gehaltes um 10 %.

peso
47
4
Lesenswert?

Bobby_01

warum, weil die den Job machen, den sie sich SELBST ausgesucht haben oder weil sie genau den Job machen, für den sie ausgebildet und eingestellt wurden? Langsam aber sicher entwickelt sich alles dahin, dass man einen Job ausübt aber mehr bezahlt bekommt, wenn man dafür auch arbeiten muss

Bobby_01
4
14
Lesenswert?

Peso

Wie sich die den Job ausgesucht haben hat es kein corona gegeben und auch nicht soviele unvernünftig.
Haben Sie vor wenigen Tagen mitgekriegt was prim wenisch gesagt hat:
Es fehlen 30 % des Personal, infizierte durch corona, longcovidler und natürlich auch die die nicht mehr konnten und aufgegeben haben.

peso
3
1
Lesenswert?

Bobby_01

noch einmal, die waren/sind zu INTENSIVPLEGER AUSGEBILDET, wussten vorher sehr genau über die Verhältnisse/Zustände/Gegebenheiten auf Intensivstationen Bescheid und Covidpatienten unterscheiden sich durch nichts von anderen Intensivpatienten! Alle Ehre für die Leistung die diese Leute erbringen, aber es ist ihr selbsterwählter Job und dafür werden sie (sogar sehr gut) bezahlt.

demitigo
0
1
Lesenswert?

ad peso 2/2

Die Menschen werden immer mehr und älter, jedoch kommen kaum Junge nach. Dann die Pensionswelle der "Boomer"-generation.... Wir waren schon ohne Corona auf dem Weg eines gravierenden Personalmangels bis 2030... dank Pandemie brechen nun auch noch aktive und ursprünglich zukünftig interessierte weg... das Personal kann und will (zu Recht) nicht mehr kompensieren, was die Politik seit Ewigkeiten ignoriert und kaputtspart!!!

demitigo
0
1
Lesenswert?

ad peso 1/2

Sie vergleichen Äpfel mit Birnen: Es geht nicht darum WAS in diesem Bereich gearbeitet werden muss, sondern um das WIE !! Von Generation zu Generation (politisch gesehen) werden die Bedingungen schlechter, d.h.: Verträge schlechter (weniger Urlaub und mehr Wochenstunden bei gleichem KV-Gehaltsschema zu alten Verträgen), die Kompetenzen jedoch angehoben, die PatientInnen immer mehr/älter - das Personal immer weniger! Fixe Dienstpläne sind ein Mythos! Ständige Bereitschaften, weil man einspringen muss sind die Regel und nicht die Ausnahme. Überstunden machen heißt: Eine Tag-/Nachtschicht zu übernehmen und nicht wie im Büro hier und da 2-3h extra arbeiten! Zeitausgleich?? Wie denn, wenn zu wenig Personal da ist?! Also wirds ausbezahlt - nach Steuer bleibt dann wieder ein Sch.. für die 8-12h! Ein Job als DGKP/Pflege(fach)assistent oder im MTD ist deswegen und mangels Karrierechancen selten attraktiv für die junge Generation!

demitigo
0
1
Lesenswert?

ad peso 2/1

Die Menschen werden immer mehr und älter, jedoch kommen kaum Junge nach. Dann die Pensionswelle der "Boomer"-generation.... Wir waren schon ohne Corona auf dem Weg eines gravierenden Personalmangels bis 2030... dank Pandemie brechen nun auch noch aktive und ursprünglich zukünftig interessierte weg... das Personal kann und will (zu Recht) nicht mehr kompensieren, was die Politik seit Ewigkeiten ignoriert und kaputtspart!!!

peso
50
13
Lesenswert?

Ein wenig Nachdenken könnte in manchen Situationen sehr hilfreich sein

Pflegepersonal, Ärzte und Schwestern haben mein vollstes Verständnis und die Situation ist mit Sicherheit sehr schwer zu meistern. Aber, und da sind wir beim längerfristigen Denken in Österreich, wie soll das alles machbar sein und wer soll das alles finanzieren, denn eines ist ebenso völlig klar, die Pandemie endet irgendwann und dann? Man bräuchte JETZT das doppelte Personal, aber woher soll man die herzaubern, es gibt kein Freies am Markt, und wohin gibt man sie nach dem Ende der Pandemie? Entlassen wird dann wohl eher nicht möglich sein, dafür sorgen dann schon die Gewerkschaften, die Medien und die Oppositionsparteien (wer immer die auch sind). Arbeitsvertrag auslaufen lassen wird auch nicht gehen, denn kurzfristige Verträge wird wohl niemand abschließen, wozu auch. Na dann bleibt nur die Weiterbeschäftigung und daraus resultiert natürlich eine gewaltige Erhöhung der Sozialversicherungsbeiträge, die jetzt natürlich von allen Bürgern als notwendig betrachtet , nach der Pandemie aber mit Sicherheit von 90 Prozent der Bevölkerung abgelehnt werden würde ...weil dann ja auch viel zu viel Personal gegeben wäre.

steirischemitzi
3
63
Lesenswert?

falsch...

Gesundheitspersonal war schon vor Corona zu wenig da und anscheinend (und leider) ändert auch eine Pandemie nichts an dieser Situation. Wir warten, warten und warten... auf wen, das weiß niemand!

ModellR2d2
0
8
Lesenswert?

Wir warten

auf den nächsten neuen Hochglanzpolitiker, der dann von vorne wieder alles schon versprochene verspricht. Mangels brauchbarer Alternativen ein unausweichlicher sich ständig wiederholender Vorgang.

Vom Gefühl her ist das wie Riesenradfahren, da hat man zwar kurzzeitig ein Hochgefühl, aussteigen tut man aber Immer nur am traurigen Boden der Realität.

 
Kommentare 1-26 von 31