Hier der schillernde junge Popstar mit Rüschenhemd und Beatle-Haarschnitt, dort der fromme Mann mit Turban und islamischen Kleidungsstücken: Es scheint, als hätte der Sänger und Songwriter Yusuf, der sich inzwischen auch wieder Cat Stevens, zwei Leben in eines gepackt. Am kommenden Freitag (21. Juli) wird der Brite, der mit "Father and Son" oder "Morning Has Broken" Welthits landete und sich später für lange Zeit vom Showbusiness verabschiedete, 75 Jahre alt.

"Cat" (Katze), wie er sich später nennt, wird 1948 als Steven Demetre Georgiou in London geboren und wächst im West End auf. Seine Eltern, ein griechischer Zypriot und eine Schwedin, betreiben in dem Ausgehviertel der britischen Hauptstadt ein Restaurant. Das Gitarrespielen bringt er sich selbst bei. Erste Erfolge feiert er 1966 mit "I Love My Dog". Der richtige Durchbruch kommt aber mit "Matthew and Son", das auf Platz zwei der britischen Charts klettert und ihn in den Olymp der Popstars katapultiert.

Erfolg bringen ihm auch Songs, die er für andere schreibt. Mit "The First Cut Is The Deepest" landet die US-Soulsängerin P.P. Arnold einen Hit. Die Tremeloes schaffen mit seinem Song "Here Comes My Baby" den internationalen Durchbruch.

Auf der Suche nach dem Sinn

Nach einem weiteren Nahtod-Erlebnis - er ertrinkt beinahe beim Schwimmen im kalifornischen Malibu - kehrt Stevens der schillernden Welt der Rock- und Popstars Ende der 70er-Jahre den Rücken.
Nach einem weiteren Nahtod-Erlebnis - er ertrinkt beinahe beim Schwimmen im kalifornischen Malibu - kehrt Stevens der schillernden Welt der Rock- und Popstars Ende der 70er-Jahre den Rücken. © (c) imago/ZUMA Press (imago stock&people)

Wegen einer beinahe tödlichen Tuberkulose-Erkrankung muss Cat Stevens Ende der 60er-Jahre seine Karriere unterbrechen. Die Zeit im Krankenhaus, so erinnert er sich später, löst bei ihm einen Prozess des Nachdenkens über den Sinn des Lebens aus. Was folgt, ist eine außergewöhnliche Schaffensperiode, aus der Songs wie "Father and Son", "Peace Train", "If You Want To Sing Out", "Moonshadow" und "Morning Has Broken" hervorgehen. Stevens ist jetzt ein internationaler Superstar.Doch die Suche nach dem Sinn geht weiter: Wie George Harrison und andere Zeitgenossen erhofft er sich spirituelle Inspiration im Osten. Doch während der 2001 gestorbene Ex-Beatle sein Heil im Hinduismus findet, wird Stevens nach einiger Zeit im Islam fündig.

Nach einem weiteren Nahtod-Erlebnis - er ertrinkt beinahe beim Schwimmen im kalifornischen Malibu - kehrt Stevens der schillernden Welt der Rock- und Popstars Ende der 70er-Jahre den Rücken. An die Stelle des lächelnden, gut aussehenden Burschen mit den schwarzen Locken tritt ein ernst dreinblickender Mann mit langem Bart, der sich teils mit Turban und anderen traditionellen islamischen Kleidungsstücken bei selten gewordenen Interviews zeigt.

Er heißt jetzt Yusuf Islam. Den Sänger Cat Stevens, den Millionen durch seine Musik und sein unbeschwert wirkendes Auftreten lieben gelernt haben, gibt es nicht mehr, so scheint es.

Der Sänger mit seiner Frau und seinen drei Töchtern.
Der Sänger mit seiner Frau und seinen drei Töchtern. © (c) imago images/Eventpress (Eventpress Herrmann via www.imago-images.de)

Yusuf Islam widmet sich dem Studium des Korans. Er heiratet innerhalb der islamischen Gemeinde und wird Familienvater. In London gründet er eine islamische Schule und verschiedene Hilfsprojekte, mit denen er vor allem versucht, dem Hunger in der Welt etwas entgegenzusetzen. Popmusik ist von ihm nicht mehr zu erwarten, so der Eindruck.

Viele Fans sind fassungslos, hoffen, dass er sich noch einmal anders entscheidet, doch er bleibt dabei. Den Namen Yusuf, die arabische Version von Joseph, wählt er, weil er sich wie die Figur aus Koran und Altem Testament, der von seinen Brüdern aus Eifersucht in einen Brunnen geworfen und nach Ägypten verkauft wird, oft missverstanden fühlt. Mehr dazu wolle er in seiner Autobiografie erzählen, die im kommenden Jahr erscheinen soll, kündigt er im dpa-Gespräch an.

Heikle Äußerungen zu "Satanischen Versen"

Der Rückzug in die Frömmigkeit des Islams hat auch Auswirkungen auf sein musikalisches Vermächtnis. Als er sich Ende der 80er zu heiklen Äußerungen im Streit um das Buch "Die Satanischen Verse" hinreißen lässt, und dabei das vom iranischen Revolutionsführer Ayatollah Chomeini verhängte Todesurteil gegen den britisch-indischen Autor Salman Rushdie zu rechtfertigen scheint, wird er von US-Radiosendern boykottiert.

Im Jahr 2004 wird ihm sogar die Einreise in die USA verweigert. Ein Flugzeug, mit dem er von London nach Washington DC unterwegs ist, wird zunächst umgeleitet. Islam muss wieder nach Großbritannien zurück. Nach den Anschlägen vom 11. September sind die US-Behörden misstrauisch.

Nach 25 Jahren wieder ein Pop-Album

Eine erneute Wende kommt im Jahr 2006. Erstmals seit 25 Jahren bringt er wieder ein Pop-Album heraus, nachdem er sich seit den 90er-Jahren langsam wieder der Musik - wenn auch nur nach strengen islamischen Regeln - zugewandt hatte. Yusuf Islam sucht wieder das Rampenlicht. Doch die Wiederauferstehung des Cat Stevens braucht noch Zeit.

Im Jahr 2014 wird er in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen. "Es hat lange gebraucht, bis sie sich an mich erinnert haben", sagt er im Rückblick nicht ohne Bitterkeit. 2017 erscheint dann erstmals wieder eine Platte, für die er den Namen Cat Stevens verwendet. Der Nachname Islam verschwindet hingegen. Er ist jetzt nur noch Yusuf/ Cat Stevens.

Verschmelzung von Yusuf und Cat Stevens

Die perfekte Harmonie zwischen dem frommen älteren Herrn und dem so attraktiven wie genialen Musiker und Songwriter gelingt ihm aber erst jetzt mit seinem kürzlich erschienenen Album "King of a Land", wie er selbst sagt. "Diese Platte ist der Inbegriff der Verschmelzung zwischen Yusuf und Cat Stevens", sagt er im dpa-Interview.

Beim legendären Glastonbury-Festival in diesem Juli spielt er vor 100 000 Menschen in der englischen Grafschaft Somerset in weißem T-Shirt, Turnschuhen und mit getönter Brille. Viele seiner Songs singen selbst die Jüngsten Wort für Wort mit. "Danke für diesen schönen Moment", ruft er in die Menge. Er genießt es sichtlich, wieder Cat Stevens zu sein.