Es ist ein jahrhundertealter Brauch: Am 4. Dezember schneidet man im Garten die kahlen Zweige von Bäumen, stellt sie im warmen Haus in eine Vase und wartet. Erblühen die Knospen zu Weihnachten, sollen Wünsche in Erfüllung gehen. Tun sie es nicht, sollte man im kommenden Jahr mit Unglück rechnen. Damit sie bis zum Heiligen Abend erblühen, brauchen die Zweige einen Kälteschock.

Früher gab es zu Weihnachten nicht in jedem Haus einen Christbaum. Sondern man schnitt am 4. Dezember Zweige von Bäumen im Garten ab und stellte sie in einer Vase ins Haus. 20 Tage später, am Heiligen Abend, sollten sie erblüht sein - als Symbol für die Geburt Christi. Der Brauch der Barbarazweige ist auch heute noch verbreitet - und eine schöne Alternative zum teuren Weihnachtsbaum. Viele schneiden die Zweige heutzutage aber zusätzlich zum Baum.

Ein paar Stunden Winter

Damit die Zweige mitten im Winter - also viel früher als natürlich üblich - erblühen, muss man ihnen einen Schnelldurchlauf durch die Jahreszeiten ermöglichen. Sie brauchen also den Kälteschock des Winters, gefolgt von der ersten Frühlingswärme. Wichtig ist etwas, was auf der Hand zu liegen scheint: Nur Zweige, die Knospen tragen, blühen auch.

Damit die Zweige erblühen, brauchen sie einen Kälteschock in Form von einigen Malen Frost vor dem Schneiden - so wie sie es im Garten vor dem Frühling noch erleben würden. Das kommt allerdings bis Anfang Dezember nicht immer vor. Ein üblicher Rat lautet daher: Die Zweige nach dem Schnitt für eine Nacht in die Gefriertruhe geben. Ist die Schnittstelle feucht, sollte man sie zum Schutz vor den Minusgraden in Alufolie einwickeln. Am besten werden die Zweige noch einmal angeschnitten oder die Enden mit dem Hammer vorsichtig weichgeklopft, bevor sie in die Vase kommen. So nehmen sie das Wasser besser auf.

Danach kommen die Barbarazweige in der Vase für ein paar Tage in ein kühles, aber frostfreies Zimmer. Der anschließende Umzug in ein warmes Zimmer lässt die Knospen nach und nach erblühen, denn die Wärme gaukelt den Zweigen den Frühlingsbeginn vor. Alle drei bis fünf Tage sollte das Wasser in der Vase ausgewechselt werden.

Wer ungeduldig ist und die Vase direkt neben die Heizung stellt, tut den Zweigen nichts Gutes. Schneller erblühen die Zweige aber nicht an der Heizung. Vielmehr vertrocknen sie dort nur. Wenn die Zeit zum Fest zu knapp geworden ist, sollte man daher besser die Zweige nach dem Schnitt für mehrere Stunden in warmes Wasser stellen, raten Experten.

Barbarazweige als Orakel

In manchen Regionen gelten die Zweige sogar als Orakel: So soll man etwa in Niederösterreich Zettelchen mit Namen darauf an Kirschzweige hängen. Die Person, deren Name an dem Zweig hängt, der zuerst erblüht, wird im kommenden Jahr besonders mit Glück rechnen können, so der Brauch.