Netflix-Serie "Jaguar"Blanca Suàrez macht Jagd auf mordende Nazis

Blanca Suàrez ("Die Telefonistinnen") macht in der spanischen Serie "Jaguar" Jagd auf mordende Nazis, für die das Dritte Reich nie untergegangen ist.

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© (c) MANUEL FERNÁNDEZ-VALDÉS/NETFLI (MANUEL FERNÁNDEZ-VALDÉS/NETFLI)
 

Der Verdacht liegt nahe, dass der deutschen Sprachraum nicht das Zielterritorium dieser Netflix-Serie ist. Formales Indiz dafür ist das Fehlen eines deutschen Trailers für die spanische Serie, die von einer jungen Frau (Blanca Suàrez, "Die Telefonistinnen") handelt, die in den 1960ern antritt, um die Ermordung ihres Vaters durch Nationalsozialisten zu rächen. Womit wir beim zweiten Punkt wären: In Deutschland oder Österreich würde die Kommerzialisierung der Shoa-Geschichten zumindest für Diskussionen sorgen.

"Jaguar" handelt von einer jungen Frau, die sich Isabel nennt. Sie kellnert in Madrid in einem Restaurant, in dem deutsche Besucher ein und ausgehen. Insbesondere ehemalige Nazi-Schergen, die sich Gerichtsprozessen und Ächtung entzogen und deswegen flüchteten, kehren hier ein und aus. Der Job ist für Isabel Mittel zum Zweck: Sie lauert auf Otto Bachmann, der im Dritten Reich ihren Vater vor ihren Augen ermordet hatte. Noch in der ersten Folge stellt sich heraus, dass sie nicht die einzige Nazijägerin in der Stadt ist. Gemeinsam stoßen sie auf eine deutsche Gesellschaft in Spanien, in denen das Dritte Reich weiter existiert.

Die Prime-Serie "Hunters" oder Quentin Tarantinos "Inglourious Basterds" haben es vorgemacht: Die Geschichte von der Rache an den mordenden Nationalsozialisten ist voller Zweischneidigkeiten, von glaubwürdigen Rachegelüsten angetriebener Dramaturgie und historischen Anknüpfungspunkten. "Jaguar" versucht den Spagat, will lässige Action bieten und zugleich respektvoll mit dem historischen Erbe umgehen.

Die Namen der Protagonisten sind fiktiv, ihre Geschichten real. Rückblenden erzählen davon, wie Isabel in Mauthausen überleben konnte. Auch ihre Kameraden, mit denen sie Jagd auf die Nazis macht, sind Überlebende von Konzentrationslagern. Hier hat die Serie ihre starken Momente, jene in denen die Unmöglichkeit des Aufarbeitens thematisiert wird. Seine größten Schwächen offenbart "Jaguar" dort, wo der Eindruck entsteht, hier wurde die nationalsozialistische Todesmaschinerie zum banalen Futter für eine Kommerzgeschichtenmaschine.

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