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GeburtstagEr schrieb Fernsehgeschichte: Reinhard Schwabenitzky wird 70

Als Künstler ist er der Seltsamkeit auf der Spur: Reinhard Schwabenitzky feiert heute seinen 70. Geburtstag. Der Salzburger schrieb Klassiker wie "Ein echter Wiener geht nicht unter" oder "Kaisermühlen Blues".

Schuf Fernsehkult: der unangepasste Regisseur Reinhard Schwabenitzky © Oliver Wolf
 

Sein erstes Publikum, sagt Reinhard Schwabenitzky, ist stets er selbst. Erreicht hat der unangepasste Regisseur und Produzent aber immer wieder die breite Masse: Mit Kulthits wie "Ein echter Wiener geht nicht unter", "Kaisermühlen Blues" oder "Büro, Büro" schrieb der Salzburger Film- und TV-Geschichte. Anlässlich seines 70. Geburtstag am 23. April wechselt er für eine Doku vor die Kamera.

In Christian Reichholds 45-minütigem Werk "Reinhard Schwabenitzky - Ein echter Salzburger geht nicht unter"  kommen Weggefährten wie Otto Schenk, Andreas Vitasek, Marianne Mendt und Werner Schneyder sowie seine Ehefrau Elfi Eschke zu Wort. Sie zeichnen das Bild eines oft strengen, unbeirrbaren Regisseurs, der die, die er mochte, stets förderte - und bei anderen rasch den Ruf des unbequemen, schwierigen Zeitgenossen innehatte.

Geboren 1947 im familiären Wirtshaus in Bucheben bei Rauris (Salzburg), erlebte Schwabenitzky eine von Entbehrungen geprägte, aber glückliche Kindheit. Erste Schuljahre ohne Strom oder der beschwerliche Schulweg den Berg hinunter und wieder herauf, hätten ihm früh "Ellbogen" verpasst, erinnert sich Schwabenitzky. "Man lernt hier Durchhalten. Das habe ich dringend gebraucht, um mit dieser flachen, oberflächlichen, intriganten Branche zurechtzukommen."

Die ersten Erfahrungen als Schauspieler sammelte Schwabenitzky als Kind, als er am Stadttheater St. Pölten in Inszenierungen seines Vaters, des späteren Burgtheaterdirektors Gerhard Klingenberg, mitwirkte. Als er sechs Jahre alt war, ließen sich die Eltern scheiden und der Vater übersiedelte nach Berlin, um als Regisseur in den Babelsberger Filmstudios zu arbeiten. Regelmäßige Besuche bei Dreharbeiten und eine erste kleine Rolle in einem Fernsehspiel Klingenbergs weckten im zwölfjährigen Schwabenitzky die Begeisterung für den Film.

Nach einem Intermezzo beim Max-Reinhardt-Seminar studierte er an der heutigen Filmakademie Wien Kamera und Regie und assistierte bei Franz Antel, Axel Corti, Otto Schenk und Bernhard Wicki. Noch vor Abschluss seines Studiums kam 1975 der erste große TV-Erfolg: Von 1975 bis 1979 inszenierte Schwabenitzky sechs Folgen des Serienklassikers "Ein echter Wiener geht nicht unter" rund um den polternden Wiener Proleten Mundl Sackbauer, gespielt von Karl Merkatz. Parallel entstanden erste Fernsehfilme wie "Schwester Martha verzichtet auf ihr Glück" und "Der Einstand", in dem der spätere Oscarpreisträger Christoph Waltz seine erste Rolle bekam.

 

Nach Reibereien mit Mundl-Autor Ernst Hinterberger kehrte Schwabenitzky Wien vorerst den Rücken und übersiedelte nach München. Während der Dreharbeiten zur Serie "Parole Chicago" mit Waltz als Möchtegern-Ganove lernte er die Schauspielerin Elfi Eschke kennen, die bald seine Ehefrau und Hauptdarstellerin in fast allen künftigen Produktionen werden sollte. So wirkte sie sowohl in Serienhits wie "Büro, Büro" und "Tour de Ruhr" als auch in Kinoerfolgen wie "Der Doppelgänger" (1983) und "Der Experte" (1987) mit Didi Hallervorden mit. Mit Andreas Vitasek bildete sie ab Mitte der 90er-Jahre das Liebespaar in der "Seitensprung"-Trilogie.

Zwischendurch inszenierte Schwabenitzky auch außerhalb des Komödienfachs, drehte etwa 1987 die "Tatort"-Folge "Die Macht des Schicksals". Von Kritikern, die seine Filme als "leichte Komödien" abtaten, fühlte er sich meist missverstanden. Tatsächlich schwang bei Schwabenitzky oft Gesellschaftskritik mit, thematisierte der Kinohit "Ilona & Kurti" etwa Ausländerfeindlichkeit und behandelte sein auch in den USA gezeigter Thriller "Hannah" den wieder aufflammenden Rechtspopulismus.

Neben einem verstärkten Augenmerk aufs Kino, landete Schwabenitzky in den 90er-Jahren mit einer weiteren Serie aus Hinterbergers Feder einen Publikumshit: "Kaisermühlen Blues" war im gleichnamigen Wiener Stadtteil angesiedelt und verhalf u.a. Marianne Mendt und Gerald Pichowetz zu erhöhter Aufmerksamkeit. Abermals sei es Schwabenitzky in der Serie gelungen, die Menschen so zu zeigen, wie sie sind, schwärmt heute Otto Schenk: "Seltsame Figuren sind nur dadurch entstanden, weil er der Seltsamkeit so richtig auf der Spur war."

 

Mit der Bundeshauptstadt ist Schwabenitzky trotz seiner wienerischen Kultserien dennoch nicht warm geworden. Mittlerweile wohnt er mit seiner Ehefrau im Salzburger Flachgau und führt gemeinsam mit seinen beiden Söhnen Markus und Lucas die Produktionsfirma Star-Film, die mit www.nurdein.tv auch eine eigene Streamingplattform betreibt. In punkto Regie ist es seit dem 2010 gesendeten Servus-TV-Vierteiler "Eine Couch für alle" ruhig um Schwabenitzky geworden; einige Projekte in Deutschland seien in Arbeit, aber noch nicht spruchreif, wie er der APA auf Nachfrage sagte. Genug neue Ideen habe er aber - und auch eine Autobiografie würde er gerne schreiben, betont er in der ihm gewidmeten Doku. "Ich will weiter die Finger in die Wunden legen."

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