Elegante, halblange Kleider liegen – laut Frau Barry de Longchamp – nicht in der Linie des Hauses“, heißt es in einem Schreiben von Heidi Goëss-Horten mit Yves Saint Laurent vom Mai 1990. Angefertigt wurde es trotzdem. Die in „Look“ ausgestellten Skizzen, Stoffproben sowie Korrespondenz mit Haute-Couture-Häusern zeugen vom eigenen, bisweilen eigensinnigen Modestil der Milliardärin, Sammlerin und Mäzenin. Kurz nach der Eröffnung der Heidi Horten Collection im Juni verstarb die Gründerin überraschend. Die erste Themenausstellung sei ihr ein Herzensprojekt gewesen, heißt es. Und das Spechteln in ihre Kleiderkästen und die klugen bis augenzwinkernden Querbezüge zu den Werken erzählen vom wechselseitigen Verhältnis der Mode zur Kunst. Und umgekehrt. Aber auch von der Biografie Goëss-Hortens – von der Sekretärin und aufgemascherlten Begleitung bis zur Sammlerin feministischer Kunst.

Egon Schiele, Damenbildnis (Wally), 1912
© Heidi Horten Collection

22 der Haute-Couture-Roben von YSL, Jean-Louis Scherrer oder Hubert de Givenchy aus den 1980/90ern hat der in Mailand lebende österreichische Designer Arthur Arbesser auf weißen Puppen charmant arrangiert. Manche baumeln in der Luft, inklusive Sichtung auf gerüschte Unterröcke, andere interagieren in Muster und Farbe mit den Werken. In manche ist Jasmina Al Zihairi für die Videoinstallation der Künstlerin Rosa Lisa Di Natale geschlüpft, die man in der wunderbaren Architektur des Hauses von unten bzw. oben betrachten kann.
Der männliche Blick der Künstler auf Modeikonen wie Marilyn Monroe, Farah Diba oder Jackie Kennedy wird geweitet durch den Blick feministischer Künstlerinnen wie Gudrun Kamp und Birgit Jürgenssen, bei der verlängerte Schuhspitzen wie Krawattenzungen über Treppen streifen. Aschenputtelmärchen, zertrümmert im Museum.

Jean Patou, Modell 21 / 1982
© Heidi Horten Collection
Angelika Loderer, Untitled (Shoes),2016
© Heidi Horten Collection

Ein Höhepunkt ist im „Tea Room“ unter Hans Kupelwiesers Deckenlandschaft zu finden. In Vitrinen glänzen lauter kleine vergoldete Kostbarkeiten, die wohlhabende Damen von Welt einst besaßen: Ohrschmalzlöffelchen, Elfenbeinplättchen für Tanzpartnernotizen und Parfum-Miniaturen mitsamt Trichter in goldenen Nüssen.