Ausstellung Xenia Hausner in der Albertina: Kammerspiel der großen Emotionen

Eintauchen ins eindringliche Gefühlskabinett von Xenia Hausner. 42 großformatige Werke zeigen starke Frauen und laden das Publikum zum Entdecken eigener Gefühlswelten.

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Xenia Hausner in der Albertina
Xenia Hausner in der Albertina © APA/ROBERT JAEGER (ROBERT JAEGER)
 

Nur auf den ersten Blick ist ihr Blick durchdringend, denn er ist viel mehr – nicht starr, sondern bestimmt, nicht abwehrend, sondern offen. „Vorher“ ist der Titel des Bildes, das wie eine Ouvertüre den Beginn der Ausstellung in der Albertina markiert. Es zeigt die Künstlerin im Atelier, davor ein Tisch mit Farbtöpfen, die Hände energisch auf den Hüften abgestützt. Von dem Bild geht eine Energie und Stärke aus, die sich wie ein roter Faden durch die Retrospektive zieht: 42 großformatige Gemälde als Eckpfeiler der Hausnerschen Gedankenwelt. Die man jedoch nicht feierlich beschreitet, sondern in die man von Beginn an verwickelt wird. Denn Hausners Bilder sind prinzipiell deutungsoffen, sie schubsen die BetrachterInnen lediglich in eine Richtung, die möglicherweise auch nicht stimmen muss. Letztlich werden sie vor allem zum Spiegel der eigenen Begehrlichkeiten, Ängste, Wünsche und Erfahrungen.

Das ist von der Künstlerin auch so gewollt: „Ich gebe keine Gebrauchsanweisungen oder Leseanleitungen. Im Gegenteil. Eindeutige Lesarten sind langweilig. Das Leben ist ein Fragezeichen. Kunst muss geheimnisvoll, unangepasst und irrational sein.“ Hausners Bilder sind ungeschönte Konfrontationen, wie etwa der vierteilige Zyklus „Exiles“ (2017/18), inspiriert von der Flüchtlingskrise 2015, die einen nicht betroffen machen, sondern zum Betroffenen machen. Denn die übergroßen Fluchtszenen zeigen keine Flüchtlinge aus Syrien, sondern den Menschen an sich, der zwischen Flucht und Ankommen pendelt. Gewollt oder ungewollt.

"Exiles 1" von Xenia Hausner
"Exiles 1" von Xenia Hausner Foto © Courtesy of Xenia Hausner © Studio Xenia Hausner/Stefan Liewehr


Oder: Das Bild „Welcome“ zeigt drei Mädchen in einem Zugabteil mit Baseballschlägern – sind sie in der Sekunde bereit, ihren angestammten Platz zu verteidigen oder ist es eine Abwehrhaltung aus Selbstschutz? Die Bilder der 70-jährigen Künstlerin sind wie Kammerspiele, in die die BetrachterInnen automatisch eintauchen. Das ist kein Wunder, denn die Künstlerin inszeniert diese Settings in ihrem Atelier, leuchtet Szenen aus, dunkelt sie ab, lässt Menschen in Rollen schlüpfen und überträgt diese Verdichtungen auf Leinwand. Fühlt man sich als Betrachter auch als Voyeur? Nein, denn Hausners Figuren umgibt eine Aura der Stärke und die trifft einen bisweilen unerwartet, wenn sich im Ausstellungsraum durch die Hängung Sichtachsen ergeben und man unvermittelt ihren Figuren ins Gesicht blickt.


Wie überhaupt Frauen die Hauptdarstellerinnen im Oeuvre von Xenia Hausner sind: „Mein Kosmos ist weiblich. Frauen sind Dreh-und Angelpunkt in meiner Arbeit, in den Bildern agieren sie stellvertretend für alle Genderzugehörigkeiten. Ich arbeite alle Menschheitsthemen in weiblicher Besetzung ab.“

Zur Ausstellung

„Xenia Hausner: True Lies“, Ausstellung in der Albertina Wien bis 8. August., tgl. 10-18 Uhr, Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen. 34,90 Euro.
www.albertina.at

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