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Im Interview Martina Serafin: "Als Opernsängerin muss man Egoistin sein"

Als Tochter von Harald Serafin und Mirjana Irosch ist Martina Serafin (51) selbst längst erfolgreiche Opernsängerin. Ab Mittwoch steht sie in St. Margarethen in der Titelpartie von Giacomo Puccinis "Turandot" auf der Bühne. Ein Gespräch über die Partie und ihr Leben als Sängerin.

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Die österreichische Sopranistin Martina Serafin. © 
 

Was hat das Publikum von der „Turandot“-Produktion in St. Margarethen  speziell zu erwarten?
MARTINA SERAFIN: Besonders viel fürs Auge. Es gibt zahlreiche Videoprojektionen zum Beispiel mit Wasser, Feuer und Blumen. Durch die Farben gelingt es, viele Stimmungen zu erzeugen.

Die „Turandot“ ist ja eine hundsschwierige Partie, und als Sympathieträgerin ist sie auch nicht konzipiert, lässt sie doch jene Männer, die ihre drei Fragen nicht beantworten können, gnadenlos hinrichten.
Da ist es wichtig, auf ihre anfängliche Erzählung zu achten, in der sie von ihrer Ahnfrau Lou-Ling berichtet, die ganz jung von Tataren umgebracht wurde. Die Schreie vor ihrem Tod hört Turandot noch heute. Das ist auch der Grund, warum sie sich vorgenommen hat, sich an den Männern zu rächen. Unter der harten Schale verbirgt sich aber eine junge Frau, die geliebt werden möchte. Wenn sie dann  singt „Es wird mich nie jemand besitzen“, lässt Puccini das ganze Orchester aufblühen, und dadurch wird die Partie auf einmal facettenreicher. Wenn sie mit Liu zusammen ist, wird Turandot weicher. „Was gibt dir diese Kraft?“, fragt sie Liu, und die antwortet: „Die Liebe“. Vor ihrem Tod übergibt sie ihr ihre gute, reine Seele. Turandot fühlt das mit einem Schlag und sie gesteht sich ein, dass die große Macht eigentlich die Liebe ist.

Wie geht es Ihnen mit Puccini?
Nicht, dass ich Giuseppe Verdi nicht auch schätzen würde. Aber Puccini ist meine große Liebe, mit ihm kann ich mich sehr identifizieren. Vielleicht auch, weil seine Opern so leidenschaftlich sind. In der Grazer Oper bin ich einmal in der Konwitschny-Inszenierung von „La Bohème“ als Mimi eingesprungen. Ich glaube, das war jenes Erlebnis, bei dem ich mich in Giacomo Puccini verliebte.

Ist es schwierig, nach einer Vorstellung, etwa der „Turandot“, aus der Figur wieder herauszuschlüpfen?

Es ist ja so, dass die Bühne eine halbe Stunde nach Vorstellungsende total leer ist, und dann muss man wieder zu sich selbst finden. Und dazu ist private Stabilität ganz wichtig. Und die habe ich Gott sei Dank durch meine Familie, durch meinen Mann und unsere zehnjährige Tochter. Es ist wunderschön, wie ich von der Familie immer aufgefangen werde. Im Grund sind wir ja nur Darsteller, die Figuren spielen. Ich bin ja nicht die Turandot oder die Tosca, ich versuche nur, sie glaubhaft zu machen und das Publikum zu berühren. Ich beschäftige mich zum  Beispiel sehr intensiv mit einer Rolle, dennoch gibt es – schon passiert – wenn ich vor den Solovorhang komme, nur „netten“ Applaus. An einem anderen Abend hingegen, an dem ich vermeintlich nicht ganz so gut drauf bin, gibt es hingegen viel Applaus und Jubel, und man spürt die Wärme, die einem entgegenweht. Wahrscheinlich hat das damit zu tun, wie konzentriert man in den bestimmten Augenblicken sein kann.

Wie finden Sie den Steinbruch in St. Margarethen als Opernschauplatz?
Toscanini, der übrigens diese Oper immer nur bis zum Tod der Liu dirigierte, also nur die Musik, die Puccini noch komponiert hat, sagte einmal: Im Freien soll man Boccia spielen, und nicht Oper. Dem stimme ich nicht zu. Vielleicht ist im Freien nicht alles perfekt, aber es ist immer ein schönes Erlebnis für das Publikum. Ich erinnere mich noch an eine „Tosca“, die wegen eines Unwetters erst mit eineinhalb Stunden Verspätung beginnen konnte, aber das Publikum harrte geduldig aus, und es wurde eine traumhaft schöne, heftig umjubelte Vorstellung.

Sie haben so viel erreicht, gibt es dennoch noch Träume?
Eigentlich habe ich alles gesungen, was ich mir erträumt habe, und das macht auch ein bisschen souverän. Aber natürlich freut man sich besonders, wenn man 2022 an der Wiener Staatsoper in „Tristan und Isolde“ mitwirken oder in Verona einen Abend mit Jonas Kaufmann bestreiten darf.

Entstehen in diesem Beruf auch Freundschaften?
Doch, aber man darf sie nicht zu viel suchen. Das ist zunächst ein Beruf, wo jeder für sich selbst steht. In Vorstellungen versucht man immer, möglichst gut zu sein, und dazu gehört auch ein Maß an Selbstliebe. Dieser Beruf muss einfach auch mit Egoismus zu tun haben. Schafft man aber Freundschaften, und ich habe das Glück, mit mehreren Kolleginnen und Kollegen sehr befreundet zu sein, und sie vielleicht auch in ganz anderen Teilen der Welt wieder zu treffen, dann ist das eine besonders große Freude.

www.operimsteinbruch.at

  

  

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