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Kunstschätze in Altaussee

Der Schatz im Salzbergwerk

Mutige Bergleute bewahrten in den letzten Kriegstagen 1945 in Altaussee Europas größte Kunstschätze vor der Vernichtung durch die Nazis.

© Bundesdenkmalamt
 

Es war ein Wettlauf gegen die Zeit, ein atemberaubender Thriller, wie ihn die Geschichte kein zweites Mal schrieb. Hätten in den letzten Kriegstagen nicht ein paar Bergleute ihr Leben riskiert, dann wäre der größte Kunstschatz, den die Welt je gesehen hat, für immer in den Tiefen des Bergwerks von Altaussee begraben.

Frühjahr 1945. Der Endkampf um Adolf Hitlers Tausendjähriges Reich ist geschlagen, der Führer tot. Doch August Eigruber, der ungebrochen fanatische Gauleiter von Oberdonau plant seine eigene Götterdämmerung.

Seit Herbst 1943 haben die Nationalsozialisten die wertvollsten Stücke des in ihrer zwölfjährigen Gewaltherrschaft in ganz Europa geraubten Kunstguts im Salzbergwerk von Altaussee gelagert, um sie vor den Bomben der Alliierten zu schützen. Für die Konservierung der Kunstwerke ist die Temperatur von konstant acht Grad Celsius im Berg bei einer Luftfeuchtigkeit von 75 Prozent ideal. Oft nur in Decken gehüllt, befinden sich Tausende Artefakte im Berg, darunter Gemälde von Rubens, Rembrandt, Tizian, Brueghel, Tintoretto, Vermeer, Raffael, Frans Hals, Goya, die enteigneten jüdischen Sammlungen der Familien Rothschild, die kostbarsten Bestände der Wiener Museen, die Reichskleinodien, die aus Italien geraubten Schätze des Klosters Monte Cassino und der weltberühmte Genter Altar und Michelangelos marmorne "Madonna" von Brügge.

Viele der Preziosen hätten nach dem Endsieg im geplanten "Führermuseum" in Linz eine neue Heimstatt finden sollen. Um sie nun vor dem "Zugriff "des Weltjudentums und der Bolschewisten" zu bewahren, ordnet Eigruber ihre Vernichtung an.

Und so rollt an einem Aprilmorgen ein letzter Transport in das von den Nazis zur "Alpenfestung" ausgerufene Ausseerland an. "Vorsicht Marmor. Nicht stürzen", steht auf vier Kisten, die von schwer bewaffneten SS-Männern übergeben und in den Berg geschafft werden. Eine Tarnung. In Wahrheit steckte in jeder Kiste eine 500-Kilo-Bombe.

In letzter Minute gelang es den Ausseer Bergleuten und einigen Widerstandskämpfern die Zerstörung zu vereiteln, indem sie die Stolleneingänge sprengten. Wie sie das zuwege brachten, wird im Historienthriller "Monuments Men" von und mit George Clooney erzählt, der demnächst in den Kinos zu sehen ist. Auch der Journalist Konrad Kramar schildert in einem neuen Buch die dramatischen Ereignisse.

Der Mut der Ausseer Bergleute blieb nach dem Krieg unbedankt. Andere, darunter zwielichtige Geschäftemacher und ehemalige braune Mitläufer, ließen sich für die Rettung des Raubguts feiern. Die wahren Helden schwiegen, wie das damals so oft der Fall war.

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