Herwig Scholz, der fast 40 Jahre lang für die Diakonie de La Tour tätig war, ist am Mittwoch verstorben. Der Universitätsprofessor und Primarius baute ab dem Jahr 1983 bis 2010 das Krankenhaus de La Tour in Treffen auf und entwickelte die damit verbundenen Ambulanzen sowie ein wichtiges Nachbetreuungsnetzwerk zur Behandlung von Suchterkrankungen. Zusätzlich war er ab dem Jahr 2006 ärztlicher Leiter und Departmentleiter für Psychosomatik am Krankenhaus Waiern bei Feldkirchen und leitete über viele Jahre hinweg die Ambulanzen der Diakonie de La Tour.

Drei Männer in Anzügen
Herwig Scholz im Jahr 1983 als junger Primarius bei der Eröffnung des Krankenhauses de La Tour, mit Bundespräsident Rudolf Kirschläger und Landesrat Erwin Frühbauer © Archiv Diakonie de La Tour

Die interdisziplinäre Verbindung zwischen Psychologie, Psychiatrie, Neurologie und Pflege war dem Mediziner in seinen ganzheitlichen Behandlungsansätzen besonders wichtig. Ihm sei es zu verdanken, dass Sucht nicht mehr als Charakterschwäche, sondern als Krankheit gesehen wird, heißt es seitens der Diakonie. Dafür entwickelte und implementierte Scholz, der am 10. August 1940 in Freiwaldau in Schlesien in der heutigen Tschechischen Republik geboren wurde, ganzheitliche Behandlungsansätze. Diese finden bis heute im Krankenhaus de La Tour, in der Diakonie-Klinik Waiern sowie in den Ambulanzen und Nachbetreuungsnetzwerken ihren praktischen Ausdruck.

Neben seiner Tätigkeit für die Diakonie de La Tour war Scholz von 1985 bis 2005 ärztlicher Leiter der Abteilung für Neurologie und Psychosomatik am LKH Villach. Seine Konzepte und Methoden gab er durch zahlreiche Lehrtätigkeiten an die nächste Generation von Medizinern und Psychologen weiter.

„Was mit ihm ganz besonders verbunden wird, ist seine wertschätzende Haltung gegenüber all seinen Patientinnen und Patienten – das wird in allen Erinnerungen seiner Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter spürbar“, erzählt Astrid Körner, Rektorin der Diakonie de La Tour. „Sein Herz schlug für Suchterkrankte.“ Er habe alle Patientinnen und Patienten in ihrer Individualität geschätzt, gewürdigt und von ihnen gelernt. Diese hätten davon berichtet, wie heilsam auch diese Begegnungen auf Augenhöhe gewesen seien.

Einsatz für Suchtprävention

Unermüdlich war sein Engagement nicht nur im medizinischen Bereich, sondern auch in der Öffentlichkeitsarbeit. Er setzte sich für die Entstigmatisierung von Suchterkrankungen und für Suchtprävention ein und war ein vehementer Mahner gegen die Legalisierung und Ausweitung des Automatenspiels sowie für einen verstärkten Jugendschutz bei Suchtmitteln. Auch in diesem Bereich werden er und seine engagierte Stimme fehlen. 2008 wurde ihm für sein Wirken das Goldene Kronenkreuz der Diakonie verliehen, 2016 ehrte ihn die Stadt Villach mit dem Paracelsusring für sein Lebenswerk. Herwig Scholz war auch Träger des Großen Goldenen Ehrenzeichen des Landes Kärnten sowie des Österreichischen Ehrenkreuzes für Wissenschaft und Kunst. Er verstarb am 25. März 2026 in Treffen am Ossiacher See.