Die Fußballerinnen des SV Hirter Kraig beschwerten sich in dieser Woche öffentlich über den Umgang mit ihnen im eigenen Verein. Vor allem Obmann-Stellvertreter Ernst Bürger wurde scharf kritisiert. Ein Vorwurf war unter anderem, er würde sich über Niederlagen der Kraigerinnen freuen und besuche ihre Spiele mit Trainingskleidung von Austria Klagenfurt. Bürger wies diese Vorwürfe zurück. Nun hat sich die Frauenreferentin des Kärntner Fußballverbandes (KFV), Sabine D‘Angelo, zu diesem Thema geäußert – in vielleicht etwas überraschender Manier.
„Sie haben mich übel beschimpft“
Den Fußballerinnen stärkt sie nicht den Rücken – ganz im Gegenteil. Das sage sie vor allem auch in ihrer Funktion als Co-Trainerin bei Austria Klagenfurt: „Ehrlich gesagt hat es mit ihnen bereits einige Vorfälle gegeben“, erzählt D‘Angelo und spricht dabei von „üblen Beschimpfungen“ der Kraigerinnen gegen sie selbst, aber auch gegen ihre Familie und Kinder. Es seien „natürlich nicht alle Spielerinnen, die sich daneben benehmen, aber es gibt eben ein paar“. Diese Beschimpfungen sollen zum Beispiel bei Spielen des SV Kraig gegen die „Violetten“ vorgefallen sein. Zwischen den Teams solle Rivalität herrschen, das sei gesund, aber in der Form sei das Verhalten „nicht tragbar“. Vom Standpunkt der KFV-Frauenreferentin heraus betont sie: „Ich finde, diese Mannschaft schadet mit ihrem Auftreten dem Bild des Kärntner Frauenfußballs.“ Verbale Angriffe unter die Gürtellinie hätten im Sport nichts zu suchen.
Auf die Frage, ob sich D‘Angelo vorstellen könnte, sich mit Vertreterinnen des Teams an einen Tisch zu setzen und diese Differenzen zu klären, antwortet die Referentin: „Für mich ist das Thema erledigt. Ich beschäftige mich mit diesen Damen nicht mehr, weil ich von ihnen persönlich attackiert wurde.“
Kraig-Kapitänin reagiert überrascht
Angesprochen auf die harten Vorwürfe von D‘Angelo reagiert Kraig-Kapitänin Alissa Lamzari perplex. „Das stimmt so überhaupt nicht.“ Natürlich gebe es zwischen den beiden Vereinen eine Rivalität, aber: „Als Frauenreferentin sollte sie neutral sein und uns in dieser Thematik den Rücken stärken.“ Viel mehr möchte die Spielerin dazu nicht sagen. „Ich kann mich auch nicht mehr dazu äußern, diese Dinge sind einfach nicht wahr.“
Verband sieht kein strukturelles Problem
Der Kärntner Fußballverband selbst halte sich aus vereinsinternen Streitigkeiten und Differenzen heraus, betont KFV-Geschäftsführer Richard Watzke. „Wir bekommen davon erstens nur mit, wenn etwas in der Zeitung steht und zweitens können wir diese Probleme auch nicht lösen.“ Als Verband habe man hier kein Eingriffsrecht.
Dass die KFV-Frauenreferentin zeitgleich bei Austria Klagenfurt tätig ist, findet Watzke „nicht ungewöhnlich“. „Es sind im Grunde alle KFV-Funktionäre mit irgendeinem Verein verbunden. Sonst hätten wir hier ausschließlich Leute im Verband, die nichts mit dem Fußball zu tun haben.“ Man sei froh, dass es diese Leute gibt, die sich beim KFV engagieren.
Strukturelle Probleme im Kärntner Frauenfußball sehe der Geschäftsführer keine, auch eine allgemeine schlechtere Behandlung von Fußballdamen könne er nicht erkennen. Watzke hält die Streitigkeiten in Kraig für einen Einzelfall, ausgelöst durch „irgendwelche persönlichen Animositäten, zu denen ich aber nichts sagen kann“. Ähnlich gelagerte Fälle seien Watzke nicht bekannt.
Vorstandssitzung einberufen
Währenddessen hat man beim SV Hirter Kraig aufgrund des Zwists eine Vorstandssitzung einberufen, das erklärte Obmann Harald Jannach auf Anfrage der Kleinen Zeitung. Diese soll Anfang nächster Woche stattfinden. Mehr möchte er zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen.