Die Lawinen-Situation ist im Oberkärntner Raum nach wie vor angespannt. Entlang der Hohen Tauern ab 2000 Metern gilt laut dem Lawinenwarndienst Kärnten weiterhin Lawinenwarnstufe 3 (erheblich). „Das große Problem sind die schwachen Schichten in der Altschneedecke, die uns schon die gesamte Wintersaison begleiten. Vor allem wenn die Schneedecke vom Tauwetter durchnässt ist, ist die Wahrscheinlichkeit eines Lawinenabgangs nochmal größer“, erklärt Florian Ludwiger. Der 33-Jährige ist seit etwa 17 Jahren Teil der Kärntner Bergrettung und seit zwei Jahren Leiter der Ortsstelle Mallnitz. Diese schwachen Schichten in der Altschneedecke seien auch jenen vier Jugendlichen aus Wien beinahe zum Verhängnis geworden, die Ende Februar eine Lawine im Ankogelgebiet (Gemeinde Mallnitz) ausgelöst haben. Sie kamen mit dem Schrecken davon und wurden unverletzt vom Polizeihubschrauber Libelle ins Tal geflogen.
An diesem Tag seien im Ankogel-Gebiet einige Lawinen abgegangen, berichtet Ludwiger. „Wir wissen von einer größeren im Bereich der Romatenspitze und von mehreren, dort, wo auch die jungen Wiener unterwegs waren. Sie hatten großes Glück, dass sie nicht erwischt wurden“, verdeutlicht der Bergretter die ernste Situation. Ludwiger empfiehlt, Skitouren etwas zeitiger zu starten: „Aktuell herrschen Frühlingstemperaturen. Daher sollte man frühmorgens unterwegs sein, sodass man, wenn die Schneedecke im Laufe des Vormittages zu durchnässen beginnt, wieder zuhause ist.“
Lawinenausrüstung ist Pflicht
Die Frage, worin sich ein sicheres Schneefeld von einem gefährlichen unterscheide, lasse sich laut Ludwiger nur schwer beantworten. „Das erkennt man nicht beim bloßen Hinsehen. Deshalb geraten auch erfahrene Tourengeher in brenzlige Situationen“, sagt er. Man könne vor Ort ein Schneeprofil graben und daran den Aufbau der Schneedecke erkennen. „Man ist immer auf der sicheren Seite, wenn ein Schneefeld im flachen Bereich überquert wird und steile Flanken gemieden werden“, rät der 33-Jährige und mahnt: „Bitte tragt immer eine entsprechende Lawinenausrüstung.“ Diese besteht aus einem Lawinenverschütteten-Suchgerät (LVS-Gerät/Pieps), einer Lawinensonde und einer Lawinenschaufel.
Trotz perfekter Routenplanung, des Studierens eines aktuellen Lawinenwarnberichts und professioneller Ausrüstung ist die Gefahr einer Lawine allgegenwärtig. Im Ernstfall zählt jede Sekunde. „Das Absetzen eines Notrufes ist am Wichtigsten“, erklärt Ludwiger. Anschließend sollten alle LVS-Geräte auf „Suchen“ umgestellt werden. „Bei einer größeren Lawine ist es empfehlenswert, einen Sicherungsposten aufzustellen, der alle anderen im Falle einer Nachlawine warnen kann“, so Ludwiger. Empfängt das LVS-Gerät ein Signal, beginnt die Feinsuche, bei der die Sonde zum Einsatz kommt. Gegraben wird am besten in Kegelform. Grund dafür ist, dass der Vordermann – sollte er an einer anderen Stelle weitergraben müssen – keinen Schneeberg hinter sich erzeugt, sondern die nachfolgenden Kollegen diesen beiseite schaufeln. „Wechselt euch mit dem Graben ganz vorne ab, das kostet enorm viel Kraft. Die Kameradenbergung ist nämlich die wichtigste Bergung und ganz entscheidend, bis die Rettungskräfte vor Ort sind.“