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Ausstellung in Griffen Über die Dörfer in den Handke-Kosmos

Viel zu entdecken gibt es bei der neu konzipierten Dauerausstellung über Peter Handke im Stift Griffen. Am 3. Februar wird sie eröffnet.

Peter Handke Ausstellung im Stift Griffen
Kuratorin Katharina Pektor in der neu konzipierten Schau mit Katalog (Jung und Jung, 29 Euro) © (c) Weichselbraun
 

Wer hätte das gedacht? Zwei Tage nach Peter Handkes 75. Geburtstag am 6. Dezember stellt Thomas Gottschalk im Literarischen Quartett „Die Obstdiebin“ vor und empfiehlt das Begleitbuch zur Dauerausstellung im Stift Griffen als Weihnachtsgeschenk. Schon ist die Hälfte der Erstauflage verkauft und die Gemeinde Griffen muss sich um den Nachdruck des Katalogs zur Ausstellung kümmern, die am 3. Februar eröffnet wird.

Erstaunlich. Und auch nicht. Denn Kuratorin und Herausgeberin Katharina Pektor hat mit dem 304-Seiten-Band ein ebenso detailreiches wie ansprechendes Nachschlagewerk zusammengestellt, das weit mehr bietet als ein Katalog zur neu konzipierten Ausstellung. Das „Bilder-Lese-Buch“, für das die Literaturwissenschafterin sogar den weitverzweigten Stammbaum des Dichters recherchiert hat, dokumentiert Handkes Leben und Werk, gibt Einblick in seine Arbeitsweisen und erklärt, wem seiner Ahnen er welche Rolle in welchem Buch zukommen hat lassen.

Peter Handke Ausstellung im Stift Griffen
Blick in die Handke-Ausstellung Foto © (c) Weichselbraun

In der chronologisch und thematisch angeordneten Ausstellung schauen die Vorfahren von der Wand rechts neben dem Eingang auf die vis-à-vis eingerichtete erste Station, die Handkes Kindheit, Jugendzeit und Familie gewidmet ist. Dass es „sehr aufwändig“ war, bislang noch nie gezeigte Fotos aus Privatsammlungen und von Familienmitgliedern zu bekommen, glaubt man sofort. Die Namen der Abgebildeten hat Pektor penibel erfragt, mit Handkes Cousine Margit Schaar konnte sie bei einer Ortsbegehung die Gebäude von früher dem heutigen Bestand zuordnen. Man sieht das Elternhaus in Altenmarkt, die Landstraße, das Stift in den 1940er- bis 1960er-Jahren und wie sie später zum Beispiel in „Die morawische Nacht“ oder „Über die Dörfer“ kamen.

Zur Ausstellung

Peter Handke. Neu gestaltete Dauerausstellung, Stift Griffen.
Eröffnung: 3. Februar, 13 Uhr. Eröffnungsrede: Hans Höller Einführung: Katharina Pektor.
Geöffnet täglich außer Montag (Schlüssel im Gasthof Stifterwirt) und frei zugänglich.

Bei der „Station“ Slowenien zeigt eine Karte den Reiseverlauf von Filip Kobal (aus: „Die Wiederholung“) im slowenischen Karst. Schon landet man als Besucher im Kopfkino oder in einer Leseecke, wo Katharina Pektor mit Lesezeichen in Handke-Büchern weiterhilft und man sich auch in den Katalog vertiefen kann. Ums Lesen soll man nicht herumkommen.
Der zweite Raum konzentriert sich auf das Schreiben. Die erste Textfassung brachte Handke bis 1989 mit Schreibmaschine (danach mit Bleistift) zu Papier, ohne Zeilenabstand bis an den Rand, „damit er nicht korrigieren konnte“, weiß Pektor. „Interesseloses Entsetzen“ als Titelvorschlag für „Wunschloses Unglück“ ist in der langen Liste der Werke zu entdecken. Und so viel mehr.

Was keinen Platz gefunden hat, soll in Sonderschauen gezeigt werden und das Interesse an der Dauerausstellung (Gesamtkosten 140.000 Euro; davon 78.000 Euro aus dem Landeskulturbudget) immer neu befeuern. Und wer weiß: Vielleicht schaut sogar Thomas Gottschalk einmal vorbei.

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