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Sommergespräche

Nadine Leopold: "Ich würde mir mehr Zeit lassen"

Bald im Bikini auf St. Barth: das Wolfsberger Supermodel Nadine Leopold (20) über ihren harten Start im Business, Konkurrenzdruck und den nächsten Karriere-Meilenstein.

© KLZ/TRaussnig
 

Sie urlauben gerade im Schlosshotel Velden. Kommen Sie oft nach Kärnten?

NADINE LEOPOLD: Ich komme im Sommer zum Erholen gerne nach Velden. Das hat schon Tradition. Wir machen hier einen richtigen Mädelsurlaub mit meiner Mama und ein paar engen Freundinnen. Ich versuche auch, alle zwei Monate meine Familie in Wolfsberg zu besuchen. Wie haben Sie sich durch den Erfolg verändert?

LEOPOLD: Ich wurde viel selbstbewusster. Ich war zu Beginn extrem schüchtern. Aber dadurch, dass ich seit meinem 15. Lebensjahr jeden Tag neuen, unbekannten Ereignissen ausgesetzt war, begann ich, viel mehr an mich und meine Stärken zu glauben. Wenn man Bilder sieht, denkt man immer, nur der Fotograf ist vor Ort, dabei sind oft 20, 30 Leute dabei, alle Augen sind auf dich gerichtet. Anfangs macht das nervös, mittlerweile nehme ich die Leute gar nicht mehr wahr.

Wie halten Sie dem Konkurrenzdruck und dem enormen Arbeitspensum stand?

LEOPOLD: Ich telefoniere jeden Tag mit meiner Familie, wenn ich in New York bin. Kontakte außerhalb des Business sind wichtig, sonst frisst dich der Job auf. Ich habe miterlebt, wie viele Mädchen zugrunde gingen. Jedes Jahr ändert sich die Vorstellung vom perfekten Model. Wenn man sich da zu sehr hineinsteigert, ist man verloren.

Würden Sie heute, mit 20, alles noch einmal so machen?

LEOPOLD: Ich würde mir mehr Zeit lassen und erst später mit dem Modeln beginnen. Mit 15 so viel allein zu sein und viele Sachen zu verpassen, die für andere Mädchen ganz normal sind, ist hart. Ich habe damals auch viele Freunde verloren, weil ich sehr oft nicht zu Hause war und keine Zeit hatte.

Wenn man täglich von schönen Menschen umgeben ist, was empfindet man selbst als schön?

LEOPOLD: Das ist schwierig zu beantworten. Ich kann nur sagen, dass man gerade als Model mit Phasen zu kämpfen hat, wo man schon sehr an sich zweifelt. Wenn man täglich mit hunderten anderen Mädchen verglichen wird, kann einen das runterziehen. Irgendwann muss man akzeptieren, dass man sich nicht ändern kann, man muss zu seinem Aussehen und seiner Persönlichkeit stehen. Ich hatte aber Glück und habe den Laufsteg ausgelassen. Diese Mädchen müssen dünn und wandelbar sein. Auch finanziell rentiert es sich für Laufstegmodels kaum.

Hatten Sie nie Zweifel?

LEOPOLD: Ja, man fragt sich, ist es das alles wert. Als ich den Vertrag bei Victoria's Secret unterzeichnet habe, wusste ich, dass ich auf dem richtigen Weg bin.

Als Teenager so viel Geld zu verdienen kann seine Tücken haben. Wie war das für Sie?

LEOPOLD: Ich habe sicher die ersten paar Jahre gemacht, was ich wollte und nicht gespart. Aber natürlich lernt man auch, wie man mit Geld umgeht. Viele Mädchen in dem Business investieren klug, daran nehme ich mir ein Beispiel.

Gibt es die berüchtigten Abgründe im Model-Business wirklich? Essstörungen, Druck, Neid, Konkurrenz, Drogen?

LEOPOLD: Essstörungen sind ein Thema. Und natürlich bieten dir auch Leute illegale Substanzen an. Es gibt auch Fotografen, die die Situation ausnutzen. Und wenn Mädchen sehr jung sind und nicht wissen, wo sie Grenzen ziehen müssen, lassen sie sich viel gefallen. Aber man darf nicht alles schlechtreden, man hat immer noch einen eigenen Willen.

Wie geht es bei Victoria's Secret weiter?

LEOPOLD: Seit Oktober 2013 bin ich für die Firma tätig. Fast alle zwei Wochen haben wir ein Shooting. Im Moment hänge ich für eine neue Unterwäsche-Linie in den Stores. Sogar die berühmten Flügel wurden mir schon angepasst. Das war ein magisches Erlebnis. Jetzt habe ich auch den nächsten Meilenstein geschafft und wurde für die Bikini-Shootings in St. Barth gebucht. Vielleicht werde ich auch für die berühmte Show im Herbst gebucht, wer weiß.

Was ist Ihr Rat an angehende Models?

LEOPOLD: Macht den Job nur, wenn er euch passiert. Es ist gut, ehrgeizig zu sein, aber man darf seine Ziele nicht allzu verbissen verfolgen. Um als Model Erfolg zu haben, müssen so viele Faktoren zusammenspielen, nur die wenigsten kann man steuern.

Was machen Sie in der Freizeit?

LEOPOLD: Ich verschlinge Krimis und gehe sehr gerne zu Basketballspielen. Ich bin ein riesiger Miami-Heat-Fan.

Sie sind sehr aktiv auf Twitter, Instagram und Facebook. Sind Sie auch privat oft online?

LEOPOLD: Das ist alles jobbedingt, Instagram wird sogar von der Agentur verlangt. Über richtig private Dinge erfährt man bei mir aber nichts. Ich denke über jeden Eintrag nach, bevor er online geht.

Welchen Berufsweg hätten Sie eingeschlagen, wenn Sie nicht auf der Straße entdeckt worden wären?

LEOPOLD: Kriminalpsychologie hat mich schon immer interessiert. Ich lese auch wahnsinnig gerne Krimis und muss ständig aufpassen, dass ich mich nicht zu viel damit beschäftige (lacht).

Haben Sie schon Pläne für ein Leben nach der Model-Karriere?

LEOPOLD: Nicht konkret. Ich schaue mir aber an, was andere Model-Freundinnen nebenbei machen. In New York widmen sich viele der Charity-Arbeit, das könnte ich mir auch vorstellen.

KARIN FRITZL

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