Der Bachelorstudiengang Disability & Diversity Studies feiert dieses Jahr sein 10-jähriges Jubiläum, das Studium der Sozialen Arbeit hingegen kann man bereits seit 20 Jahren absolvieren.

Die DDS thematisieren Ungleichheitsfragen, stellen sich den sozialen Herausforderungen einer pluralisierten, globalisierten und hochtechnisierten Gesellschaft und rücken bei all dem die Betroffenenperspektive in den Vordergrund, um Barrieren sowohl physischer Natur als auch im zwischenmenschlichen Miteinander abzubauen. Wir freuen uns über Studierende, die wissenschaftsfundiert in der Gesellschaft etwas bewegen möchten.

Fr. FH-Prof.in Mag.a Dr.in habil. Susanne Dungs ist die Studiengangsleitung des Bachelorstudienganges Disability & Diversity Studies sowie des Masterstudienganges Disability, Diversity & Digitalisierung. Sie erklärt im Interview, was man unter diesen Studiengängen versteht, wo man nach dem Studium arbeiten kann und vieles mehr!  

Die Lehre findet im Rahmen von zwei Mobilitätswochen sowie über Onlinelehre statt
Die Lehre findet im Rahmen von zwei Mobilitätswochen sowie über Onlinelehre statt © Helge Bauer

Liebe Frau Dungs, den Bachelorstudiengang Disability & Diversity Studies gibt es seit 10 Jahren. Was kann man sich darunter vorstellen und welche Themen werden im Studium behandelt?

Der interdisziplinäre, berufsbegleitende und Studiengang Disability und Diversity Studies (kurz DDS) zielt auf die gleichberechtigte und partizipative Teilhabe und Inklusion aller Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen (wie Alter, Behinderung, Migrationsbiographie – auch in ihrer Intersektionalität) ab. Die Themen Diversität und Inklusion gewinnen in allen beruflichen Handlungsfeldern und persönlichen Lebensbereichen der Menschen eine zunehmende Rolle. Die DDS thematisieren Ungleichheitsfragen, stellen sich den sozialen Herausforderungen einer pluralisierten, globalisierten und hochtechnisierten Gesellschaft und rücken bei all dem die Betroffenenperspektive in den Vordergrund, um Barrieren auch im zwischenmenschlichen Miteinander abzubauen. Wir freuen uns über Studierende, die wissenschaftsfundiert in der Gesellschaft etwas bewegen und dazu beitragen möchten, physische und Barrieren im Zwischenmenschlichen abzubauen.

Wo können Absolvent*innen nach dem Studium arbeiten?

Die Einsatzbereiche reichen von beraterischen und pädagogischen Tätigkeiten (in Bildungsinstitutionen, Gleichbehandlungsabteilungen, Flüchtlingsberatungsstellen, Selbsthilfeverbänden von Menschen mit Behinderungen, Projekte der Inklusion in Arbeit etc.), über D&I-Management, Organisations-, Personal- oder Strategieentwicklung rund um Diversität und Inklusion, Disability-Consulting, bis hin zu  Diversity- und Anti-bias- oder Awareness-Trainings (in mittleren und größeren Unternehmen). Die potentiellen Arbeitgeber sind daher breit gefächert, wie etwa Ämter oder Behörden, Sozialpädiatrische oder Familien-Zentren, Beratungsstellen und Zentren für unterschiedliche Themen und Zielgruppen (Frauen, Männer, LGBTQIA*, Menschen auf der Flucht, Gleichbehandlung, Gewaltschutz etc.) und Einrichtungen der Alten- und Behindertenhilfe mit innovativer Ausrichtung (Intergenerationelles Wohnen und Zusammenleben). Auch Medien-, Kulturinstitutionen (wie Museen), Internationale Organisationen, Sporteinrichtungen, Hochschulen und Forschungseinrichtungen sind mögliche Arbeitsfelder.

Wie ist die Organisationsform des Studiums?

  • Berufsbegleitendes Bachelorstudium (6 Semester)
  • Lehrveranstaltungen finden zweimal monatlich am Wochenende statt (zu 50% online und 50% in Präsenz)
  • am Standort Klagenfurt (Primoschgasse 8)
  • Anmeldung für das WS 2023/24 bis 30.09. möglich
Soziale Arbeit hilft Menschen in Krisen und schwierigen Lebenslagen
Soziale Arbeit hilft Menschen in Krisen und schwierigen Lebenslagen © KK

Masterstudiengang Disability, Diversity & Digitalisierung

Täglich wird von Fortschritten im Bereich digitaler Technologien berichtet, die darauf abzielen, das Leben aller Menschen einfacher, vorhersehbarer und angenehmer zu machen. Was ist Ihre Meinung dazu?

Mittlerweile ist das Tempo der Technologieentwicklung (insbesondere KI) so rasant, dass gewisse Risiken oft nur unzureichend von Entwickler*innen und Nutzer*innen wahrgenommen und verstanden werden. Kompetenzen für die kritische Reflexion über Digitalisierung und Inklusion aus einer interdisziplinären Perspektive sind mehr als je erforderlich und sollten rasch aufgebaut werden.

Das Masterstudium „Disability, Diversity & Digitalisierung“ (kurz DDD) befasst sich mit der umfassenden Digitalisierung der Gesellschaft im Kontext der Themenkreise Disability und Diversity. Auf diese Weise zeigt das Masterstudium einerseits Chancen der Digitalisierung hinsichtlich digitaler Inklusion und Teilhabe auf. Er fokussiert dabei auf bedarfsgerechten die partizipative Entwicklung digitaler Assistenz-Technologien. Gleichzeitig werden im Studium DDD Herausforderungen und Gefahren der Digitalisierung untersucht, wie das Entstehen neuer Zugangshürden und Ungleichheitsproblematiken sowie Bias, die durch Algorithmen erzeugt werden. Kompetenzen für die soziale und ethische Evaluierung von Technologien werden somit praxisbezogen aufgebaut. 

Im Masterstudiengang „Disability, Diversity & Digitalisierung“ werden die vielfältigen Einsatzbereiche Assistiver Technologien präsentiert und erörtert, wie der soziale Sektor den Prozess der digitalen Transformation aktiv im Sinne einer menschenfreundlichen Entwicklung von Assistenztechnologien mitgestalten kann. Bei allen Themenstellungen des Masters DDD sind die menschenrechtlichen Ideen der Inklusion, Teilhabe und Chancengleichheit leitend.

In welchem Zusammenhang stehen Diversität und Digitalisierung?

Digitalisierung und Diversität hängen eng zusammen mit Möglichkeiten der Unterstützung durch Technologien im Alltag wie soziale Robotik, assistive Technologien und Care IT. IT-unterstützte Wohnformen wie Smart Homes, die Mensch und Technik miteinander verzahnen, bringen Herausforderungen mit sich, die für Nutzer*innen einer Beratung in Fragen der Inklusion bedürfen.

Es geht darum, die Vielfalt der Digitalisierung sinnvoll zu nutzen. Neue Technologien, Automatisierung, soziale Robotik, aber auch Phänomene des Cybermobbings erfordern wissenschaftliche Kenntnisse zur Umsetzung von Chancengleichheit und Antidiskriminierung im Bereich von Diversität.

Die Verschränkung der Themen Disability, Diversity und Digitalisierung, das Reagieren auf die Chancen und Herausforderungen sowie das Mitgestalten dieser Entwicklungen gelingt mit Bezug auf Sozial- und Kulturwissenschaften und auf Wissensbestände aus der Technik (insbesondere Informatik). Das Studium DDD bereitet die Studierenden auf unterschiedliche digitale Arbeitsfelder vor. Konzepte für inklusive digitale Arbeit in Organisationen und Unternehmen zu entwickeln, ist beispielsweise ein Schwerpunkt im Masterstudium.

Welche Karrieremöglichkeit hat man nach dem Masterstudium?

Karrieremöglichkeiten finden sich u. a. als:

  • Disability/Diversity Manager*in
  • Mitarbeit bei der barrierefreien und nutzer*innenorientierten Entwicklung von Produkten (digitale Assistenz-Systeme, soziale Robotik etc.)
  • Beratung zu Einsatzmöglichkeiten und Angebotspalette assistiver Technologien
  • als Behindertenvertretung
  • Fachkraft für Diversity und Inklusion in wirtschaftlichen Unternehmen, in sozialen Einrichtungen wie Kindertagesstätten, in Medien- und Kulturinstitutionen, in Bildungs- und Sporteinrichtungen, in Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen oder im Alter

Wie ist die Organisationsform des Masterstudiums?

  • Berufsbegleitendes Masterstudium (4 Semester)
  • Der Unterricht findet ca. zweimal pro Monat online statt und verteilt sich wie folgt:
  • Donnerstag: 16:30-21:30 Uhr
  • Freitag: 14:30-21:30 Uhr
  • Samstag: 08:30-16:00 Uhr
  • 80 % Fern- bzw. Onlinelehre
  • Pro Semester findet eine Blockwoche in Präsenz am FH Kärnten Campus Klagenfurt (Primoschgasse) statt.
  • Anmeldung für das WS 2023/24 bis 30.09. möglich

Welche Voraussetzung ist notwendig, um das Masterstudium zu beginnen?

Das Masterstudium kann im Anschluss an das Bachelorstudium Disability & Diversity Studies oder an sozial- oder gesundheitswissenschaftliche Bachelorstudiengänge, wie z. B. Soziale Arbeit, Inklusive Education, Sozial- und Integrationspädagogik, Gender Studies oder Gesundheits- und Pflegemanagement und Ergotherapie studiert werden. Aufgrund des Technikanteils von 25% Prozent ist es aber auch für Absolvent*innen aus technischen Studiengängen sehr gut geeignet.

Studierende können wissenschaftsfundiert in der Gesellschaft etwas bewegen
Studierende können wissenschaftsfundiert in der Gesellschaft etwas bewegen © KK

Bachelorstudium der Sozialen Arbeit – Ein Beruf mit vielen Facetten

Von der Studiengangsleitung der Sozialen Arbeit FH-Prof.in MMag.a Dr.in Waltraud Grillitsch erfahren Sie heute mehr über die aktuell günstigen Berufsaussichten, die Inhalte des Studiums und die Fähigkeiten, die Studierende mitbringen sollten.

Soziale Arbeit, das kann man studieren… Aber was ist das genau?

Diese Frage ist gar nicht so einfach zu beantworten, da die Berufsfelder der Sozialen Arbeit sehr breit gefächert sind und dass es kaum einen Bereich in unserer Gesellschaft gibt, indem Soziale Arbeit nicht dazu beiträgt, dass das Zusammenleben der Menschen gelingt. Ganz allgemein formuliert, hilft Soziale Arbeit Menschen in Krisen und schwierigen Lebenslagen und trägt dazu bei, dass Wege aus der Krise gefunden werden und ein gelingendes Leben wieder möglich wird.

Frau Grillitsch, wir stehen vor der Situation, dass derzeit gar nicht so viele Studierende die Hochschule abschließen können, wie Fachkräfte gesucht werden. Stimmt dieser Eindruck?

Ja, tatsächlich werden momentan viele Fachkräfte gesucht, vor allem im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe, der auch bei unseren Studierenden sehr beliebt ist.

Wie ist denn das Studium aufgebaut?

Das Studium ist generalistisch aufgebaut. Das bedeutet, dass sehr viele Themen angesprochen werden, die Studierende für die künftige Berufstätigkeit brauchen. Dazu gehören Grundlagen der Sozialen Arbeit und des Sozialrechts/der Sozialpolitik, Methoden und Konzepte für die konkrete Arbeit mit Adressat*innen und vielfältige fachspezifische Kompetenzen. Wir befassen uns auch mit den verschiedenen Altersgruppen von der frühen Kindheit bis in die Hochaltrigkeit und setzen uns mit spezifischen Themen, Problemlagen und Handlungsfeldern der Sozialen Arbeit in den unterschiedlichen Lebensaltern auseinander.

Was sind Fähigkeiten, die die zukünftigen Studierenden Ihrer Meinung nach mitbringen sollten?

Das Interesse an Menschen, wie sie ihr Leben in schwierigen Lebenslagen meistern und die Motivation, mit den Menschen neue Sichtweisen zu erarbeiten, um neue Lösungen zu probieren. Insgesamt brauchen die zukünftigen Studierenden den Ehrgeiz, auch an schwierigen und krisenhaften Themen der Menschen und der Gesellschaft dran zu bleiben und diese konstruktiv zu bearbeiten.

Studierende sollten sich darauf einlassen können, die eigene Komfort-Zone zu verlassen, denn das Studium der Sozialen Arbeit hat auch viele selbstreflexive und persönlichkeitsbildende Anteile.

Können Sie uns typische Arbeitsfelder beschreiben, in denen man mit dem Abschluss arbeiten kann?

Sehr beliebt bei den Studierenden ist die Kinder- und Jugendhilfe, die auch den größten Bereich der Sozialen Arbeit bildet und in sich sehr vielfältig ist. Das Angebot reicht von stationären Wohnformen bis hin zu niederschwelliger Beratung oder aufsuchender Arbeit, z. B. in der Familienintensivbetreuung. Ebenfalls im Kindes- und Jugendalter angesiedelt ist die Schulsozialarbeit.

Viele Studierende begeistern sich mittlerweile auch für die Arbeit mit Erwachsenen beispielsweise im Rahmen der beruflichen Integration und Arbeitsassistenz oder in der Schuldner*innenberatung sowie für die Arbeit mit älteren Menschen.

Es gibt auch vielfältige lebensaltersübergreifende Bereiche, wie z. B. die Krankenhaussozialarbeit, den psychosozialen Dienst, die Straffälligenhilfe, die Suchtberatung und Prävention, die internationale Entwicklungszusammenarbeit, die Arbeit mit Asylwerber*innen und Migrant*innen, Gender- und Diversityberatung, oder die Tätigkeit in der Wohnungslosenhilfe und materiellen Grundsicherung.

Organisationsform Soziale Arbeit Bachelor:

  • Berufsbegleitend oder Vollzeit
  • Berufsbegleitendend: Donnerstag und Freitag von 12:45 bis 19:45 (fallweise bis 21:30) und Samstag von 8:30 bis 16:00 Uhr (fallweise bis 18:00 Uhr). Dazu kommen noch zwei Blockwochen pro Semester mit Lehrveranstaltungen unter der Woche.
  • Vollzeit: Dienstag bis Freitag: 8:30 bis 19:45 Uhr (in Ausnahmefällen auch am Samstag). Der Montag wird für Study&Work freigehalten
  • 70 % in Präsenz am Campus in Feldkirchen und ca. 30 % Online-Unterricht
  • Anmeldung für das WS 2023/24 bis 30.09. möglich

Double Degree Programm mit der Partnerhochschule der TH Köln

  • Zwei Studienabschlüsse des Bachelors der Sozialen Arbeit in Österreich und in Deutschland
  • Länderübergreifendes Studium ohne Auslandssemester – für berufsbegleitend Studierende von Vorteil

Master der Sozialen Arbeit: Entwickeln und Gestalten

Der Master eröffnet neue berufliche Perspektiven und ermöglicht die Übernahme von Projekt- oder Konzeptionsarbeit und bereitet auf leitende Tätigkeiten vor. Im generalistischen Bachelor in Kürze behandelte Themen können weiter vertieft und detaillierter bearbeitet und das eigene Wissen und die Kompetenzen ausgebaut werden.

Was sind die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zum Bachelorstudium?

Die Gemeinsamkeiten mit dem berufsbegleitenden Bachelor sind die Organisationsform sowie die Arbeit an Projekten. Wobei im Bachelor ein sehr kleines Projekt im Team erarbeitet wird und das Projekt im Master ein Herzstück der vier Semester darstellt. Die Unterschiede liegen vor allem darin, dass im Master keine Praktika absolviert werden müssen und sich die Studierenden schon sehr konkret auf eine perspektivische Leitungstätigkeit vorbereiten können.

Es gibt im Masterstudium Wahlmöglichkeiten und ein Double Degree Programm mit einer Partnerhochschule in Jyväskylä, in Finnland. Dabei studieren unsere Absolvent*innen 30 ECTS auf Englisch, ohne dafür ein separates Auslandssemester einplanen zu müssen. Die Lehre findet im Rahmen von zwei Mobilitätswochen sowie über Onlinelehre statt und die Masterarbeit wird auf Englisch verfasst. Allerdings brauchen die Studierenden aufgrund des finnischen Bildungssystems zwei Jahre Vollzeit-Berufserfahrung, um in Finnland für den Master zugelassen zu werden und natürlich sehr gute Englischkenntnisse.

Wo arbeiten denn die Studierenden, wenn sie den Master absolviert haben?

Die Studierenden arbeiten sowohl in Organisationen und Institutionen als auch selbstständig oder beratend. Sie sind natürlich in den vielfältigen Sozialeinrichtungen zu finden, aber auch in Bildungsinstitutionen, bei Interessensvertretungen, in der (angewandten) Forschung und Entwicklung, bei Verbänden und Sozialversicherungen.

Organisationsform Soziale Arbeit Master:

  • Berufsbegleitend
  • Donnerstag und Freitag von 12:45 bis 19:45 (fallweise bis 21:30) und am Samstag von 8:30 bis 16:00 Uhr (fallweise bis 18:00 Uhr)
  • 70% Präsenz am Campus in Feldkirchen und 30% Online-Lehre
  • Anmeldung für das WS 2023/24 bis 15.09. möglich