Es ist ein beeindruckendes Stück Technik, das sich da in der Hochspannungs-Halle von Siemens vor einem aufbaut. Nicht nur wegen der riesigen Ausmaße dieses Transformators. Auch die Vorstellung von den Kräften, die in diesem Gerät walten - und welchen es trotzen muss - ringen Respekt ab. Der Funktionstest eines neuen Transformators steht an. Natürlich wird jedes dieser Hightech-Geräte vor seinem Einsatz irgendwo auf der Welt auf Herz und Nieren geprüft. Zu viel steht auf dem Spiel. Unser modernes Leben ist von der Versorgung mit elektrischer Energie abhängig. Wenn wir keinen Strom mehr haben, ist es nicht nur finster und kalt. Uns gehen innerhalb kürzester Zeit Wasser und Lebensmittel aus. Treibstoffe sowieso. Damit solche Horrorszenarien nicht Wirklichkeit werden, müssen Transformatoren einiges aushalten. Blitzschläge zum Beispiel. Das wird gleich hier im Siemens-Werk simuliert. Zuerst hört man ein lautes Knacken. Für das Testteam ist klar, was das bedeutet: die Erdung steht. Dann wird es spektakulär, selbst hinter der dicken Glasscheibe im Kontrollraum. Der künstliche Hochspannungs-Blitz fährt ein. Er wird über eine Drahtleitung auf den Transformator gelenkt. Aus dem Draht wird ein gleißender Bogen aus Licht und Hitze. Irgendwie bekommt man fast ein bisschen Mitleid mit dem Transformator.

Kugelsicher und umweltfreundlich. In Wirklichkeit ist das für ihn wohl eine der leichtesten Übungen, schließlich muss er noch viel mehr aushalten. Je nach Einsatzzweck zum Beispiel Strahlung, Überflutungen oder sogar Gewehrkugeln. Wegen ihrer kritischen Funktion für die Versorgungssicherheit können Transformatoren auch Ziel von Terrorangriffen werden. Ohne sie geht nämlich nichts in unserer Stromversorgung. „Damit der Strom aus dem Kraftwerk möglichst verlustfrei bei den Verbrauchern ankommt, wird er für den Transport über Hochspannungsleitungen auf hohe Spannungen hinauftransformiert", erklärt Siemens Weiz-Geschäftsführer Stefan Pieper. In Österreich sind das bis zu 400.000 Volt. Natürlich unbrauchbar für die Elektrogeräte daheim. „Das Umspannen zwischen den Spannungsebenen geschieht in Umspannwerken. Das letzte Glied in der Kette sind dann die kleineren Verteiltransformatoren für die 230 Volt aus der Steckdose."

Vom Vom Kontrollraum aus werden die Tests der Transformatoren gesteuert
Vom Vom Kontrollraum aus werden die Tests der Transformatoren gesteuert © Siemens AG Österreich

Transformatoren sorgen also für den reibungslosen Transport von elektrischem Strom und machen ihn für uns brauchbar. Im Prinzip bestehen sie aus mindestens zwei Spulen, meist aus Kupferdraht, die auf einem gemeinsamen Eisenkern aufgewickelt sind. Die Anzahl der Wicklungen auf der Spule bestimmt die Spannung. Strom wird in den Transformator eingeleitet. Soll die Spannung verringert werden, sind auf der zweiten Spule weniger Wicklungen als auf der ersten und umgekehrt. So einfach wie es klingt, ist es in der Praxis natürlich nicht. Zum Beispiel befinden sich bis zu 100 Tonnen Öl als Isolier- und Kühlmittel in einem Transformator. Apropos: „Mit der Abwärme eines unserer Transformatoren in London wird eine Schule geheizt", erzählt Stefan Pieper nicht ohne Stolz. „Weil wir hier bei der Kühlung nicht auf Öl, sondern als umweltfreundliche Alternative auf Ester setzen, also im Prinzip auf Alkohol, kann dieser Transformator mitten in der Stadt eingesetzt werden. Das ist übrigens eine Entwicklung von uns."

Qualitäts-Standort Weiz. Unglaublich, aber wahr: So gut wie jeder Transformator ist im Prinzip ein in Handarbeit gefertigtes Einzelstück. Nur ganz selten werden mehrere idente Transformatoren gebaut, wie vor kurzem 24 Stück für drei ägyptische Kraftwerke. Der größte jemals erteilte Auftrag an Siemens – geliefert vom Werk in Weiz. Überhaupt hat das Werk einen prominenten Status im Siemens-Konzern. Er ist der weltweit größte Standort für die Entwicklung und den Bau von Transformatoren und darüber hinaus der weltweit größte Produktionsstandort von Verteiltransformatoren für schlüsselfertige Windparks. Für Stefan Pieper sind die Qualität der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein wichtiger Standortfaktor, aber auch eine lebenswerte Region, die es den Unternehmen ermöglicht, attraktive Rahmenbedingungen zu schaffen.

Natürlich ist auch die Infrastruktur am Standort ein bestimmender Faktor. Kurze Transportwege, gute Verkehrsanbindungen, aber auch schnelle Internetverbindungen sind für ihn existenziell. „Viele der angeführten Punkte sprechen für Weiz. Die Entwicklung der Stadt ist seit fast 130 Jahren engstens mit der Entwicklung des Werkes verbunden", bestätigt Pieper. „Jeder in der Stadt kennt es und ist in irgendeiner Form mit ihm verbunden. Dadurch ergibt sich eine Loyalität der Bevölkerung und eine Motivation der Mitarbeiter, die ihresgleichen sucht. Auf deren Know-how, Engagement und Innovationskraft setzen wir auch in Zukunft."