Der 1. Mai wird als Tag der Arbeit gefeiert. Was bedeutet dieser Tag für Sie?
LH PETER KAISER: Dieser Tag soll daran erinnern, dass die Rechte der ArbeitnehmerInnen hart erkämpft sind. Achtstunden-Arbeitstag, Urlaub, Urlaubs- und Weihnachtsgeld waren jahrelang keine Selbstverständlichkeit. Als politisches Kind der Arbeiterpartei ist es mir wichtig, auf die errungenen Rechte aufmerksam zu machen und diese auch in Zukunft zu bewahren.

Die Arbeitsmarktzahlen bescheinigen uns eine positive Entwicklung. Worauf ist das zurückzuführen?
Durch intelligente Investitionen und eine enge Zusammenarbeit mit dem AMS, durch arbeitsmarktstützende Maßnahmen wie den territorialen Beschäftigungspakt konnten wir eine Trendumkehr am Arbeitsmarkt herbeiführen. Seit April 2016 verzeichnen wir sinkende Arbeitslosenzahlen bei steigender Beschäftigung. Die Jugendarbeitslosigkeit ist stark zurückgegangen. Die Aktion 20.000, die viele Langzeitarbeitslose 50plus in Beschäftigung gebracht hat, wurde von der ÖVP/FPÖ-Bundesregierung gestrichen, die Menschen wurden damit ihrer Hoffnungen beraubt.

Digitalisierung und Roboterisierung verändern die Arbeitswelt. Welcher Entwicklung blicken Sie hier entgegen?
Viele jener Arbeitsplätze, wie wir sie kennen, wird es in absehbarer Zeit nicht mehr geben. Das heißt, dass die Menschen auf die veränderten Arbeitsplatzbedingungen vorbereitet werden müssen. Auf dem Weg in die digitalisierte Arbeitswelt darf niemand auf der Strecke bleiben. Die sozialdemokratische Partei wird sich gemeinsam mit den Sozialpartnern stets für die Interessen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer einsetzen und ist hier mehr denn je gefordert.

Wie kann man dieser Entwicklung entgegensteuern?
Es geht hier nicht darum, gegen diese Entwicklung anzukämpfen. Vielmehr geht es darum, unsere Kinder bereits in ihren ersten Schuljahren auf die veränderte Arbeitswelt vorzubereiten. Der Unterricht der Zukunft lässt sich nicht mehr mit jenem meiner Generation vergleichen. Die Kinder müssen neben den MINT-Fächern – Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik – noch eine weitere Sensibilisierung erfahren, nämlich jene der digitalen Kompetenz.

Die Lebenserhaltungskosten steigen ungleich dem Einkommen. Welche Maßnahmen sind hier zur Entlastung der ArbeitnehmerInnen notwendig?
Laut einer OXFAM-Studie besitzen acht Personen auf der Welt mehr Vermögen und Geld als die ärmere Hälfte der Menschheit unserer Erde – das sind 3,7 Milliarden Menschen. Das sehe ich als eine Ungerechtigkeit.
Der Faktor Arbeit muss entlastet werden und Unternehmen, die Menschen einstellen, müssen ent- und nicht belastet werden.

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