Stimmengewirr mischt sich mit dem Klirren von Gläsern. Wolken aus Zigarettenrauch liegen in der Luft. Im Gastgarten des Parkhouse treffen sich junge und nicht mehr so junge Leute und verbringen den Abend gemeinsam bei einem Getränk mit Freundinnen und Freunden. Nur etwas ist anders. Alle schauen in die gleiche Richtung: Zum Flat-Screen. Der zeigt eine Live-Übertragung der Fußball-WM aus Amerika. Spannung liegt in der Luft. Obwohl die Menschen weniger miteinander sprechen als sonst, scheinen alle eine gute Zeit zu haben an diesem Freitagabend im Parkhouse.
Seit Mitte Juni lockt die Fußballweltmeisterschaft in Kanada, Mexiko und den USA auch hierzulande Fans in die Grazer Gastro, um die Spiele anstatt allein daheim vorm Fernseher gemeinsam mit Freunden zu verfolgen. Die WKO beziffert die durch die WM ausgelöste Wertschöpfung in ganz Österreich mit rund 20 Millionen Euro. Ein großer Teil davon entsteht durch das gemeinsame Fußballschauen in der Gastronomie.
„Die Spiele von Österreich haben natürlich besonders gut gezogen“, erzählt Arsim Gjergji. Er betreibt das Café Eleven in der Grazer Kaiserfeldgasse. Bis zu 150 Fans fasst das Lokal. „Man merkt, dass sich die Stimmung jetzt wieder zuspitzt“, meint er weiter. „Für das Halbfinale sind wir wieder gut ausgebucht. Das Finale wird ein guter Tag.“
Wir springen in die Zinzendorfgasse, genauer gesagt in den Schuberthof. Dort betreibt Matthias Pischek das Propeller. „Wir sind für Fußball bekannt“, meint er. „In der WM-Zeit machen wir 10 bis 15 Prozent mehr Umsatz“, so Pischek. Auch er hat bemerkt, dass die Spiele von Österreich besonders beliebt waren. Im Gegensatz zu den vergangenen Turnieren war aber beispielsweise das Interesse an Deutschland relativ gering.
Fairer Wettbewerb
Fans lockt man mit Angeboten, erklärt Klaus Friedl, Obmann der Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft der WKO Steiermark. „Die Leute sind heute schon sehr flexibel. Viele schauen sogar unterwegs von überall am Handy. Wenn ich sie bei mir haben will, muss ich ein gutes Angebot machen“, meint er.
Hier sieht Friedl Graz im Nachteil. „Es wäre schön, wenn die Gastgärten länger geöffnet sein dürften“, meint er. Anders als etwa in Wien oder Linz schließen die Grazer Gastgärten schon um 23.30 Uhr. Gerade bei den unkonventionellen Spielzeiten in Nordamerika sei das ein großer Nachteil, meint Friedl. Die WKO forderte längere Öffnungszeiten bereits vergangene Woche von der kommenden Stadtregierung.
Auf der großen Leinwand
Ein unkonventionelles Angebot von Cineplexx haben bereits 3.600 Grazerinnen und Grazer angenommen: Fußball live im Kinosaal. Obwohl auch hier die Nachfrage erwartungsgemäß bei Spielen mit österreichischer Beteiligung am höchsten war, freut man sich über eine gute Buchungslage auch seit dem Ausscheiden Österreichs. „Das unterstreicht, dass die Fußball-WM für viele Fans ein Ereignis ist, das sie gemeinsam erleben möchten“, kommentiert Cineplexx. In Zukunft will man das Modell auch bei weiteren sportlichen Großereignissen fortsetzen.
Fußball füllt das Sommerloch
Ganz direkt im Geschäft mit dem Fußball ist das Grazer Unternehmen Strykerlabs. Es bietet datenbasierte Lösungen für Vereine an, etwa wenn es um Recruiting, Trainingsplanung oder Verletzungsprävention geht. „Eine WM löst immer eine Euphorie aus“, berichtet Geschäftsführer Philip Klöckl. Strykerlabs merkt das vor allem in der Nachfrage. „Die WM stellt den Sport in den Mittelpunkt“, meint er. In der Sommerpause machen sich beispielsweise viele Vereine Gedanken um ihre Strukturen. Das belebt das Geschäft.
Hitze hemmt
Nicht überall in Graz kommt der Fußball-Boom so an, wie in der Gastronomie. Auf den 42 Bezirkssportplätzen herrscht tagsüber gähnende Leere. Offenbar reicht die WM-Euphorie nicht aus, um die Hitze zu überlagern, die Graz im Sommer heimsucht.
Die Auslastung der Sportplätze konzentriert sich auf den Anfang und das Ende des Tages. Der Schlüssel zu mehr Betrieb auch tagsüber sind Beschattung und Wasserversorgung, weiß Thomas Rajakovics, der Leiter des Grazer Sportamts. „Wir brauchen Trinkbrunnen. Für den Schatten sind Maßnahmen wie Schirme zum Unterstellen in der Pause ein Anfang, aber sie reichen nicht aus“, erklärt er.
„Obwohl beispielsweise Jugendliche im Sommer tagsüber mehr Zeit haben müssten, treffen sie sich lieber in der Früh zum Sporteln und gehen danach ins Freibad“, erklärt Rajakovics. Im Vergleich zum restlichen Jahr ist die Buchungslage im Sommer deshalb sogar oft schlechter - WM-Hype hin oder her.