"Der russische Staat und seine kriminellen Netzwerke sind für Cyberangriffe, die Einmischung in Wahlen und die Verbreitung böswilliger anti-ukrainischer Narrative in ganz Europa verantwortlich", teilte das britische Außenministerium mit. Der Militärgeheimdienst rekrutiere Hacker und Cyberspezialisten an Universitäten in ganz Russland.

Die EU und Großbritannien machen den Angaben aus London zufolge zudem den russischen Geheimdienst FSB für einen versuchten Cyberangriff auf das polnische Stromnetz verantwortlich. Dieser Angriff "hätte dazu führen können, dass 500.000 Bürgerinnen und Bürger mitten im Winter keinen Strom haben", erklärte das Außenministerium. Russland versuche, "in ganz Europa Chaos zu stiften".

Nach Angaben aus Brüssel haben russische Hacker in den vergangenen Jahren auch Ziele in Deutschland, Frankreich, den Niederlanden und Österreich sowie Finnland, Rumänien, der Slowakei und Zypern angegriffen. Die russischen Geheimdienste arbeiteten dabei eng mit kriminellen Gruppen und privaten Unternehmen zusammen. In Deutschland habe eine Cybereinheit des FSB Angriffe gegen staatliche Stellen gerichtet, heißt es in einer von der EU-Außenbeauftragten Kaja Kallas verbreiteten Erklärung im Auftrag der Mitgliedstaaten. In Frankreich habe die FSB-Einheit seit 2010 Cyberspionage gegen strategisch wichtige staatliche Einrichtungen betrieben und 2025 die Verteidigungsindustrie ins Visier genommen, erklärte die EU-Außenbeauftragte.

Auch die französische Regierung wirft Russland eine Cyber-Hacking-Kampagne gegen europäische Staaten vor und will deswegen in den kommenden Tagen den russischen Botschafter in Paris einbestellen. Frankreich werde Sanktionen gegen neun russische Personen und vier Organisationen verhängen, kündigte Außenminister Jean-Noël Barrot an. "Wir werden heute eine breit angelegte Cyber-Kampagne Russlands öffentlich verurteilen, die auf Sabotage und Spionage gegen ein Dutzend Länder abzielte", sagte Barrot dem Sender BFM TV. Frankreich wirft dem russischen Inlandsgeheimdienst FSB vor, die Angriffe organisiert zu haben. Frankreich hat Russland schon mehrfach beschuldigt, hinter Cyberangriffen zu stecken.

Das deutsche Auswärtige Amt bestellt den russischen Botschafter in Berlin ebenfalls ein, um gegen Cyberangriffe zu protestieren. "Cyberangriffe gegen (Deutschland), EU-Partner und die (Ukraine) sind inakzeptabel", teilte das Ministerium auf der Plattform X weiter mit: "Wir beantworten sie entschlossen, auch mit zusätzlichen Sanktionen." Die EU bringe dafür entsprechende Maßnahmen auf den Weg, heißt es weiter.

Außenministerin Beate Meinl-Reisinger (NEOS) sprach von einem klaren Zeichen gegen russische Cyberattacken. Diese würden immer mehr zu einer Bedrohung werden, jedes europäische Land sei davon betroffen, erklärte sie vor einem Treffen mit den EU-Außenminister und Außenministerinnen am Montag in Brüssel. Mit der Sanktionierung der Verantwortlichen gehe die EU einen sehr entschlossenen Schritt und sende ein klares Signal an Russland, "dass wir uns wehren gegen diese Angriffe".