Zumindest an guten Ratschlägen gibt es während der gnadenlosen Hitzewellen keinen Mangel: Ausreichend Wasser, Abkühlung und bewegungsarmes Ausruhen im Schatten, so die eindringliche Dauerempfehlung der Ärzte. Doch für Hitzeflüchtlinge, die ausgerechnet im sonnenreichen Südosteuropa auf Linderung ihrer unerträglichen Schwitzqualen hoffen, kann die Schattensuche in populären Touristenhochburgen erstaunlich rasant die Reisekassen plündern.

240 Euro für zwei Liegen mit Sonnenschirm

Schon zu jugoslawischen Zeiten stieg auf der Anfang der 1960er-Jahre in ein Nobelresort umgewandelten Insel Sveti Stefan in Montenegro der Jetset ab. Nach fünfjähriger Zwangspause und Rechtsstreit um den öffentlichen Strandzugang hat die legendäre Luxusherberge in diesem Sommer endlich wieder ihre Pforten geöffnet. Wer sich den noblen Sveti-Stefan-Schatten leisten kann und will, wird allerdings kräftig zur Kassa gebeten: 240 Euro Leihgebühr pro Tag für zwei Liegen mit Sonnenschirm.

Außer mit gepfefferten Preisen wartet weiter nördlich der Adria- und Alpenstaat Slowenien auch noch mit gesalzenen Strafgeldern auf. Bereits vor zwei Jahren sorgte der Küstenort Piran mit seinem neuen Bußgeldkatalog für Schlagzeilen: Für das von der Stadtverwaltung verbotene Reservieren eines Strandplatzes per Handtuch setzt es 250 Euro Strafe.

Auch Bled am gleichnamigen See, das in der jugoslawischen Version des Monopoly-Spiels als die teuerste „Straße“ galt, lässt sich mit saftigen Strafandrohungen nicht lumpen. Verbotsschilder warnen die um den See in gleißender Sonne trottenden Touristen nicht nur vor dem in weiten Teilen der sechs Kilometer langen Uferpromenade verbotenen Sprung in den See, sondern auch vor illegalem Ausruhen unter Bäumen. „Mitten in der schlimmsten Hitzewelle der Geschichte verhängt die Polizei in Bled 200 Euro Strafe für das Sitzen im Schatten“, wundert sich 24ur.com,

„Ohne Verschuldung noch möglich?“

„Sind Ferien am Meer für eine Familie aus Bosnien ohne Verschuldung noch möglich?“, fragt sich das bosnische Portal „6yka.com“. Tatsächlich finden sich an der Adria immer noch kostengünstigere Reisealternativen. Außer Albanien warten die Bettenburgen in Bosniens kleinem Meereskorridor bei Neum noch immer mit Preisen auf, die sich auch Touristen mit kleinerem Geldbeutel leisten können. Allzu anspruchsvoll sollten sie allerdings nicht sein. Als einer der „hässlichsten Orte an der Adria“ schmäht das kroatische Portal „plavakamenica.hr“ die bosnische Billigbadekonkurrenz.

Mit verblichenem Ex-Jugocharme und zivilen Strandschattenpreisen kann auch der montenegrinische Badeort Sutomore locken: Ein Kaffee ist dort für 1,50 Euro, ein Ferienappartement ab 20 Euro und zwei Sonnenliegen mit Schirm sind für zehn Euro zu haben.