Einst waren Willie und Al sogar sechs Mal in der Peter-Alexander-Show zu Gast. Doch irgendwann konnten die beiden „Sonny Boys“ die Marotten des jeweils anderen nicht mehr ertragen. Dennoch kam für Willie der Ausstieg von Al überraschend: „Als er sich zur Ruhe gesetzt hat, hat er auch mich zur Ruhe gesetzt“, wird er elf Jahre später sagen. Denn die Angebote bleiben aus, und „dass du unbedingt am Wörthersee leben willst, macht die Sache auch nicht besser“, ist sein Neffe und Agent Ben überzeugt. Der will das einstige Erfolgsduo für eine ARD-Show wieder zusammenbringen – da passt es gut, dass Al zu seiner Tochter an den Millstätter See gezogen ist.
Der Theater Sommer Klagenfurt bleibt seinem Konzept treu: Neil Simons Erfolgskomödie „Sonny Boys“ wird kurzerhand aus New York nach Kärnten verlegt – inklusive Seitenhieben auf die Schlaglöcher in der Landeshauptstadt und einen Bürgermeister mit Tennisarm. Zeitlich bleibt Regisseur Christian Strasser in den 1970er-Jahren, samt einiger Hits und TV-Titelmelodien (von „Miss Marple“ bis „Dalli Dalli“). Natürlich gibt es einige Running Gags – etwa eine ständig klemmende Tür oder ein Hämorrhoidenkissen –, aber Strasser holt auch die tragischen Untertöne aus dem Stück heraus. Nur der zotige Sketch „Der Doktor und sein Steuerberater“, der die beiden einst berühmt gemacht hat und den sie dann für die ARD-Show proben, kommt heute wie ein Relikt aus vergangenen Zeiten daher – was er schließlich auch ist.
Christian Nisslmüller ist als grantelnder Willie Clark, der im abgehalfterten Hotelzimmer vor dem alten Fernseher versumpert und in der TV-Zeitschrift am liebsten Todesmeldungen liest, in Hochform. Jörg Reifmesser als ein bisschen steifer, kauziger Al Lewis ist an einer Aussöhnung interessiert, ohne dabei zum Bittsteller zu werden. Wilhelm Prainsack ist als Ben nicht nur ein fürsorglicher Neffe, sondern vor allem auch ein geduldiger Vermittler, Katharina Hartmann als seine Frau Helene macht auch als Sängerin – darunter mit Caterina Valentes „Tipitipitipso“ – gute Figur. Überhaupt geistern immer wieder Legenden des deutschsprachigen Fernsehens (von Hans Holt über Robert Lempke bis Gunter Philipp) durch die Klagenfurter Fassung der „Sonny Boys“. Und so ist das Stück nicht zuletzt auch eine nostalgische Reise in eine Zeit, in der das Fernsehen noch ganze Generationen vor dem TV-Kastl versammelte.